08.10.2013

Bruder Paulus nimmt Limburger Bischof in Schutz "Ein Kilometer Autobahn kostet 40 Millionen"

Nach den erneut gestiegenen Kosten für das Limburger Diözesane Zentrum wächst der Unmut über Bischof Tebartz-van Elst. Der Frankfurter Kapuzinermönch Paulus Terwitte plädiert dafür, die Kirche im Dorf zu lassen.

domradio.de: Haben wir jetzt nach Stuttgart 21 Limburg 31?

Terwitte: Ich glaube, wir haben Limburg 31, weil die Zahlen jetzt auf dem Tisch sind, und mich wundert auch, dass das so lange gedauert hat. Aber ich finde, dass jetzt tatsächlich mal hingeschaut werden kann. Es ist gut so, dass jetzt darüber gesprochen werden kann.

domradio.de: 31 Millionen Euro für einen Bischofssitz in einer kleinen 30.000 Einwohner-Stadt. Kann man das noch rechtfertigen?

Terwitte: Das ganze Bistum Limburg hat 650.000 Katholiken. Wir sind 1.500 Jahre alt mit unserem Dom, und es handelt sich ja nicht um einen Bischofssitz, sondern es geht um ein historisches Ensemble auf dem wunderbaren Limburger Domberg. Und wenn man weiß, dass ein Kilometer Autobahn 40 Millionen Euro kostet, finde ich, dass 31 Millionen für ein bischöfliches Haus für Schwestern und für Tagungen und für Museum und für all diese Dinge, das dies zunächst erst einmal nicht ganz so erstaunlich ist.

domradio.de: Nicht so ganz erstaunlich, aber wenn man von 5,5 Millionen ausgeht, dann waren es irgendwann zehn, irgendwann hatte man vermutet, vielleicht werden es 20, und jetzt sind es nach der Überprüfung 31 Millionen. Irgendwie hat das dann doch zumindest mal ein "Geschmäckle", oder?!

Terwitte: Ich weiß auch nicht, warum diese Zahlen nur so langsam an den Tag kommen. Mich wundert, dass Verwaltungsratsmitglieder, die da gestern meinten, sie müssten laut werden, dass die zwei Jahre geschlafen haben - dafür sind sie ja eigentlich da! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ausgaben getätigt worden sind, sozusagen nachts im Keller und Schecks ausgeschrieben worden sind. Und wir haben offensichtlich ein Domkapitel, das auch geschlafen hat. Und die stehen genauso gut in der Verantwortung! Das sind die Gremien, die dem Bischof zur Seite stehen, und wenn die jetzt natürlich erklären müssen, dass der Bischof sie zwei Jahre lang angelogen hat, dann muss man auch die Konsequenzen ziehen. Aber ich gehe erst einmal davon aus, dass der Bischof sehr gesprächsoffen ist und dass er Fachleute in seinem Ordinariat hat. Und jetzt müssen die verantwortlichen Mitarbeiter und auch die Verantwortlichen, die im Domkapitel und im Verwaltungsausschuss sitzen, mal sagen, - für sich und vor den zuständigen Gremien der Kirche und möglichst nicht in der Öffentlichkeit - wie es dazu eigentlich gekommen ist. Und dann muss man als Kirche seine Konsequenzen ziehen.

domradio.de: Der Sprecher dieses Verwaltungs- und Vermögenrates, der ja übrigens selbst vom Bischof 2010 installiert wurde, fühlt sich jetzt hinters Licht geführt. Wenn das jetzt wirklich so stimmen sollte: Ist dann der Bischof noch zu halten?

Terwitte: Ich bin nicht dafür da das zu beurteilen. Es gibt andere Bischöfe und auch Politiker, die andere Leute auch schon hinters Licht geführt haben und die sehr viel länger dran sind ... Meine Frage ist eher: Woher kommen die Kräfte, die ausgerechnet jetzt Bischof Tebartz van Elst in die Öffentlichkeit zerren, vielleicht auch mit Fehlern, die er gemacht hat, aber andere Menschen machen auch Fehler. Und ich finde, dass jene, die ein Interesse haben, so mit dem Bischof umzugehen, auch einmal anfangen müssen, Farbe zu bekennen.

domradio.de: Der Sprecher des Limburger Priesterrates sagte, der Bischof müsse zum Gehen gedrängt werden. Es sei jetzt an Bischofskonferenz und Vatikan auf einen Rücktritt hinzuwirken. Aber geht das denn auch so einfach?

Terwitte: Ich glaube, dass Papst Franziskus - so haben wir ihn jetzt kennengelernt - weise, offen und erfahren genug ist, da Leitungsverantwortung wahrzunehmen. Wenn das notwendig ist, dann soll er es tun. Aber jemand, der andere Leute drängt, irgendwo zurückzutreten, den frage ich erst einmal zurück: "Warum trittst DU eigentlich nicht zurück, und warum musst du damit an die Öffentlichkeit gehen?" Ich finde es langsam unerträglich, dass offensichtlich bestimmte Kreise der Kirche glauben, sie können die Öffentlichkeit instrumentalisieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Wir haben in der Kirche eine ganz klare Rechtsprechung; es gibt ganz klare Ansprechpartner. Und ich glaube, dass weder einem Papst noch einem Nuntius damit gedient ist, wenn er über die Öffentlichkeit erfährt, was bestimmte Priester denken. Also diese Disziplin innerhalb der Kirche lässt sehr zu wünschen übrig.

domradio.de: Jetzt war vor wenigen Wochen der ehemalige Nuntius, der ehemalige päpstliche Botschafter Giovanni Kardinal Lajolo in Limburg zu einem, wie es hieß "brüderlichen Besuch". Man hatte ein bisschen das Gefühl, das Klima hätte sich danach etwas entspannt im Bistum Limburg. Dennoch werden jetzt wieder Priester zitiert mit Worten "Es ist ein Klima der Angst!". Wie ist denn in diesem Bistum überhaupt noch Beruhigung und Neuanfang möglich - mal dahingestellt ob mit oder ohne Bischof Tebartz van Elst?

Terwitte: Indem sich diejenigen, die im Auftrag der Kirche hier tätig sind, dem Kerngeschäft zuwenden. Also wir können das Evangelium leben ohne Bischof, ohne Pfarrer, ohne Priester. Wir können das Evangelium leben durch Kraft der Taufe und Firmung. Das ist das Kerngeschäft. Und wenn es unter den getauften und gefirmten und von mir aus auch geweihten Menschen Leute gibt, die wirklich falsch handeln - ich weiß das nicht, wer da wirklich falsch gehandelt hat - dann ist die Sünde des anderen für mich noch längst kein Anlass dafür, selber zu sündigen. Dann ist das schwache Zeugnis des anderen noch längst keine Erlaubnis, dass ich jetzt schwach Zeugnis gebe. Für mich ist die Strahlkraft der Kirche nicht davon abhängig, wie ihre Diener handeln. Dann hätte ich schon längst einpacken müssen, weil auch ich selber ein schwacher Mensch bin und viele Menschen Grund hätten, an mir Ärgernis zu nehmen.

domradio.de: Dann zum Schluss noch eine kleine Prognose, wie es wohl in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht. Wird man vielleicht auch neben dem Bischof nach Schuldigen suchen? Letztendlich müssen ja auch unterhalb des Bischofs Verantwortungsträger Entscheidungen getroffen haben bei diesem Bau.

Terwitte: Ich lege jetzt einfach mal Wert drauf, dass wir hier ein Diözesanzentrum haben, und nicht einen Bischofssitz. Ein Diözesanzentrum, das das kleine Bistum Limburg sich auch erlauben darf. Und wenn es Neider gibt, auch außerhalb des Bistums, die sagen: "Das Bistum darf das nicht!", dann muss man denen auch erst einmal sagen: “Warum sollen wir uns in unserem kleinen Bistum nicht bitteschön auch ein bischöfliches und diözesanes Zentrum erlauben sollen?!“ Die Kräfte, die diese Finanzierung zu verantworten haben - ich kenne den Diözesanbaudirektor, der immer hervorragende Arbeit geleistet hat, und ich bin sicher, dass man mit dem ein Gespräch darüber führen kann, wie die Dinge sich entwickelt haben. Aus meiner Sicht ist das jetzt eine Zusammenschau der Dinge: Plötzlich ist das die Wohnung des Bischofs und das Diözesanzentrum und die Schwesternwohnung und die Abstützung der Mauern. Da wird plötzlich etwas zusammengerechnet, was gar nicht zusammengehört. Und da werden die Verantwortlichen gefragt werden müssen, warum man erst jetzt diese Zusammenschau macht, warum man jetzt erst die ganze Rechnung auch öffentlich aufmacht. Das finde ich auch ärgerlich! Aber ich finde, wir sind ja hier unter erwachsenen Menschen, wir können die Dinge nachprüfen, und die Verantwortlichen müssen, wenn es sein muss, zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(DR)

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