27.08.2013

Bruder Paulus über die Zustände im Bistum Limburg "Da gibt es immer zwei Seiten"

In Frankfurt formiert sich Protest gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Bruder Paulus Terwitte, Kapuzinermönch in Frankfurt, wundert sich im domradio.de-Interview über fehlende Dialogbereitschaft.

domradio.de: Sie leben mitten in Frankfurt, die Stadt gehört eigentlich zum Bistum Limburg, als Ordensmann sind Sie aber unabhängig. Wie wirkt dieser Konflikt auf Sie, der ja vielleicht etwas Abstand hat?

Bruder Paulus: Wir fragen uns hier, warum Gespräche nicht möglich sind. Wir haben den Bischof und auch den Stadtdekan hier bei uns zu Gast gehabt. Das sind zwei ganz verträgliche Menschen. Der Bischof hört gut zu und will mit uns ins Gespräch kommen, auch mit den Armen vor Ort. Auch der Stadtdekan ist uns zugetan. Das sind zwei dialogfreudige Menschen, die eigentlich auch miteinander reden könnten.

domradio.de: Wenn man auf die Punkte schaut, die dem Bischof vorgeworfen werden, dann wiegt keiner so richtig schwer, oder?

Bruder Paulus: Das sind Vorwürfe, wo am Ende niemand sagen kann, was da wirklich dran ist. Ständig ist die Presse voll mit "soll gemacht haben", "sollte", "wäre" und "würde". Das sind lauter Konjunktive, das ist für mich ein boulevardesker Medienstil. Man nimmt sich einfach, weil man am Papst nichts mehr kritisieren kann, einen Bischof vor. Ich wäre froh, wenn man seitens des Bistums, wie auch anderer Katholiken, kompetenter und kommunikativer agieren würde und nicht auch noch Öl ins Feuer gießt, indem man z.B. Zeitungen abbestellt. Die FAZ wurde ja vom Bistum abbestellt, das halte ich für kindisch. Oder indem man Medienleuten etwas vorwirft. Man sollte mit Journalisten ins Gespräch kommen und auch mit den Mitbrüdern.

domradio.de: Sie werfen dem Bistum unprofessionellen Umgang mit den Medien vor?

Bruder Paulus: Ich frage mich zumindest, wie es zu solchen Medienberichterstattungen kommen konnte, wie wir sie lesen mussten. Da gibt es immer zwei Seiten, die eine Seite liest man ständig. Ich habe aber auch einmal den Generalvikar persönlich zu den Vorwürfen hören können. Da hat er anders gesprochen und sich relativ hilflos gezeigt, was man denn jetzt eigentlich noch tun könnte.

domradio.de: Kritik gibt es vor allem am Neubau des Bischofssitzes, die Finanzierung sei nicht transparent und passe nicht in eine Zeit, in der Gemeinden zum Sparen angehalten werden.

Bruder Paulus: Meines Wissens ist ein Bistumshaushalt ein öffentlicher Haushalt, über den gesprochen wird und der einsehbar ist. Inwiefern nun der bischöfliche Stuhl einer Kontrolle unterworfen ist, das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zu einer Kathedrale gehört auch ein ordentliches Bischofshaus. Ob man das vielleicht verständnisvoller hätte kommunizieren sollen, sei dahingestellt.

domradio.de: Und was ist daran so schlimm, dass Bischof Tebartz-van-Elst prunkvolle Gottesdienste feiert?

Bruder Paulus: Man war von Vorgänger-Bischof Kamphaus einen vorsichtigen Gottesdienststil gewohnt, Bischof Franz hat vieles gewähren lassen. Bischof Franz-Peter hat als Bischof, der von außen kam, manch verkrustete Struktur, sei sie im modernen, wie auch im konservativen Stil, zu hinterfragen. Ein von außen Gekommener stört ja an sich schon. Wenn er dann auch noch mit Vorgaben, die die Weltkirche an Liturgie anlegt, kommt, dann ist das eine doppelte Störung. Auch da wären Gespräche und liturgische Bildung vielleicht das bessere Mittel gewesen, als Direktorien und Handlungsanweisungen zu versenden.

Er hat auch hier in Liebfrauen einen großen Pontifikalgottesdienst gehalten, das war eine ganz normale katholische Messe, wo sich der Bischof, wie es sich gehört, zurückhält, weil die Mitte jeder Liturgie Christus ist.

domradio.de: Dann gibt es noch die sogenannte Flugmeilenaffäre. Dort läuft ein Ermittlungsverfahren.

Bruder Paulus: Ein Ermittlungsverfahren kann ich noch heute gegen Sie oder gegen Kardinal Meisner anstrengen und irgendetwas in die Luft setzen. Dann muss ein Ermittlungsverfahren angestrengt werden und so etwas liest sich gut in der Zeitung. Das muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, wie sie mit diesem Vorwurf umgehen wird. Der Bischof und der Generalvikar haben vor den versammelten Ordensleuten des Bistums noch einmal ihre Position klargemacht. Ich selber habe mir bei Vorwürfen, die meinen Lebensstil betreffen, angewöhnt, dass ich nicht anfange, mich auf juristische Dinge zurückzuziehen, sondern auch mal sage, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Aber ob der Bischof wirklich einen Fehler gemacht hat, weiß ich gar nicht. Ich habe ja nicht neben ihm gesessen.

domradio.de: Wie kann man denn nun die Gräben zwischen den Priestern und dem Bischof überwinden?

Bruder Paulus: Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht einen Sondergesandten geben könnte, vielleicht sogar geschickt vom Nuntius oder Papst. Jemand, der deutlich macht, dass wir Menschen des Friedens sein wollen. Und dazu gehört es, dass wir miteinander über Vorwürfe sprechen. Oder warum lädt man nicht evangelische Amtskollegen ein, um als Außenstehende Gesprächsmediatoren zu spielen. Auch andere Bistümer könnten ihre Hilfe anbieten. Für solche Konflikte gibt es Mediationsverfahren und die Kirche ist gut beraten, wenn sie die Erkenntnisse von Psychologie, Therapie und Soziologie aufgreift, um dann Dialogprozesse in Gang zu setzen. Das könnte in Limburg durchaus eine Hilfe sein.

Das Interview führte Matthias Friebe. Bruder Paulus Terwitte OFMCap ist katholischer Ordensmann, Priester, Moraltheologe und Medienfachmann. Er ist Guardian des Kapuzinerklosters Liebfrauen in Frankfurt am Main und Leiter des dortigen Franziskustreffs, einer Hilfseinrichtung für wohnungslose Menschen.

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