Oliver Voigt
Oliver Voigt

10.01.2013

Kölner Präventionsbeauftragter kritisiert Entwicklung der Missbrauchsaufarbeitung "Ein Schlag ins Gesicht der Opfer"

Das Ende der Zusammenarbeit zwischen der DBK und Prof. Pfeiffer ist ein Rückschlag für die Opfer des Missbrauchs, glaubt Oliver Vogt. Der Kölner Präventionsbeauftragte bedauert im domradio.de-Interview das Verhalten der Deutschen Bischofskonferenz.

domradio.de: Es lag an Einzelnen, die aussteigen wollten; die Ängstlichen und Kontrollversessenen haben gewonnen, sagt Professor Pfeiffer. Wie ist das denn bei uns im Erzbistum Köln?

Vogt: Wir haben eine Aufarbeitung gewollt; wir bedauern sehr, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung sich jetzt wieder weiter verzögern wird. Das ist zunächst einmal für die Betroffenen von sexuellen Übergriffen in der Vergangenheit ein Schlag ins Gesicht, der wenig Verständnis bei ihnen hervorruft. Wir wären im Erzbistum Köln bei den neun deutschen Diözesen gewesen, die sich an der Aufarbeitung beteiligt hätten. Wir hätten die Personalakten bis 1945 zurück zur Verfügung gestellt, und wir sind jetzt in der Situation, abwarten zu müssen, wie sich die Deutsche Bischofskonferenz in ihrem weiteren Vorgehen entscheidet.

domradio.de: Haben Sie eine Einschätzung, was da passiert ist?

Vogt: Ich denke - ohne genaue Hintergründe zu kennen, weil das ein interner Prozess ist, der auf der Ebene der Bischofskonferenz passiert ist - hier sind mehrere Faktoren zusammengekommen. Zum Einen geht es sicherlich um Bedenken innerhalb der katholischen Kirche; ich möchte auch nicht ausschließen, dass einzelne Bistümer auch Sorgen haben, was bei einer solchen Untersuchung herauskommt. Zum Anderen spielen sicherlich auch persönliche Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen Beteiligten eine Rolle. Das alles führt dann dazu, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist und damit jetzt auch die geplante Aufarbeitung ins Stocken gerät.

domradio.de: Ist nach der Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen auch wieder ein massiver Image-Schaden für die katholische Kirche die Folge?

Vogt: Da bin ich sehr sicher. Wir haben es in den letzten anderthalb, zwei Jahren geschafft, wieder Vertrauen aufzubauen, gerade auch durch einen sehr konsequenten Umgang mit präventiven Maßnahmen. Das ist jetzt im Zuge einer solchen Diskussion natürlich sehr schwierig zu vermitteln, weil der Ansehensverlust und der Vertrauensverlust in Kirche sicher wieder groß ist, und auch nachvollziehbar ist.

domradio.de: Was bedeutet das jetzt auch für die Opfer? Welchen Eindruck muss das bei ihnen hinterlassen?

Vogt: Das ist für die Betroffenen ein weiterer Schlag, weil sie sehr lange darauf gehofft haben, dass Kirche sich dieser Aufarbeitung stellt, um einfach auch nachvollziehen zu können, was damals passiert ist. Jetzt wieder mit dieser Verzögerung leben zu müssen, ist sehr schwierig und stellt die Betroffenen wieder vor große Probleme.

domradio.de: Die Bischöfe betonen, dass die Aufarbeitung jetzt nicht gestoppt ist. Haben Sie Vorstellungen oder Wünsche, wie es weitergehen soll?

Vogt: Aus meiner Sicht ist absolut wünschenswert, dass schnellstmöglich ein neuer Kooperationspartner gefunden wird, der dieses Projekt fortführt, um an die Aufarbeitung heranzugehen. Zum einen ist das für die Betroffenen wichtig, zum anderen ist es aber auch für uns als Präventionsbeauftragte wichtig, aus dem, was gewesen ist, Rückschlüsse ziehen zu können, um für die Zukunft zu verhindern, dass solche Fälle wieder vorkommen können.

domradio.de: Sie sind ja im Erzbistum Köln nicht nur dafür zuständig, bekannt gewordene Fälle sexuellen Missbrauchs aufzuarbeiten, Sie widmen sich auch der Vorsorge, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern - wie gehen Sie da vor?

Vogt: Wir setzen im Bereich der Prävention schwerpunktmäßig auf Schulung und Information. So sind wir derzeit in Schulungsmaßnahmen für fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weil wir der festen Überzeugung sind, dass nur ein gutes Wissen über die Problematiken im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt dazu führt, dass die Mitarbeiter angemessen mit solchen Situationen umgehen können, und so in die Lage versetzt werden, die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu schützen.

domradio.de: Ist die Aufkündigung des Projektvertrages auch ein Rückschlag für Ihre Arbeit?

Vogt: Ich hoffe, dass sie für die Präventionsarbeit kein Rückschlag ist. Insgesamt ist sie mit Sicherheit ein Rückschlag, aber ich denke, dass wir in unserem Erzbistum mit den eingeleiteten Maßnahmen allen Beteiligten auch gezeigt haben, wir wollen einen konsequenten Weg weitergehen und wir werden diesen Weg auch weitergehen. Wir werden in der Prävention nicht von unseren geplanten Maßnahmen abrücken, sondern das genauso weiterführen, wie wir es geplant haben. Von daher hoffe ich, dass sich der Schaden, oder der Vertrauensverlust, nicht auf die Prävention auswirken wird.

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