Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn

19.10.2019

Kardinal Schönborn über die Amazonas-Synode "Wir Europäer sind Gäste der Lateinamerikaner"

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn ist einer der erfahrensten Teilnehmer von Bischofssynoden. Im Interview äußert er sich zu seinen Eindrücken vom dreiwöchigen Bischofstreffen zum Thema Amazonien im Vatikan.

KNA: Vor einem Jahr haben Sie über die Jugendsynode gesagt, diese sei "die beste Synode", die sie je erlebt haben. Was unterscheidet nun die Amazonas-Synode und ihren Stil von früheren?

Kardinal Christoph Schönborn (Erzbischof von Wien): Sie ist vor allem eine ausgesprochen regionale Synode - mit allen Bischöfen von Amazonien, ebenso die sogenannten Hörer und Experten. Wir Europäer sind eine winzige Minderheit, Afrika, Asien mit je zwei Bischöfen präsent. Das heißt: Wir sind Gäste einer Regionalsynode, die aber weltkirchlichen Charakter hat, weil der Papst sie einberufen hat. Ähnlich, aber nicht wirklich vergleichbar war die Libanon-Synode 1995.

KNA: Gibt es einen neuen Umgangsstil?

Schönborn: Der Umgangsstil ist so, wie wir es in der Jugendsynode erlebt haben: von einer großen Freiheit geprägt. Wer behauptet, hier bestünden Redebeschränkungen, der hat dies nicht erlebt.

KNA: Warum hat der Papst Sie ins Redaktionskomitee für das Schlussdokument der Amazonas-Synode berufen?

Schönborn: Überraschend ist, dass er mich überhaupt zu dieser Synode berufen hat. Gut - ich bin europäisches Mitglied im Synodenrat, der zwischen den Synodenversammlungen tagt. Vielleicht war das der Grund.

Oder weil ich in den letzten vier Synoden manchmal vielleicht ein bisschen eine vermittelnde Rolle spielen konnte. Auf jeden Fall war ich überrascht über die Berufung ins Redaktionskomitee. Andererseits auch hatte ich in meiner schon etwas langen Kirchengeschichte relativ viel mit Redaktion tun gehabt - etwa als Redaktionssekretär des Katechismus.

KNA: Die Amazonas-Synode ist eine Regionalsynode zu Lateinamerika. In den 1980er Jahren gab es eine große Begeisterung für die Theologie der Befreiung, die etwas abgeklungen ist. Wie nehmen Sie heute die Rezeption lateinamerikanischer Theologie und Kirche im deutschsprachigen Raum wahr? Versteht man die Lateinamerikaner tatsächlich?

Schönborn: Das ist schwer zu beantworten, weil nicht ganz klar ist: Was ist lateinamerikanische Theologie? Die sehr profilierten Vorgehensweisen der Theologie der Befreiung sind ja in dieser Form heute nicht mehr so präsent. Daher wäre ich etwas vorsichtig, von einer lateinamerikanischen Theologie zu sprechen. Was sicher prägt und zu spüren ist bei der Synode, sind die Nachwirkungen der lateinamerikanischen Bischofsversammlungen von Medellin 1968 bis Aparecida 2007. Diese letzte Versammlung ist sehr präsent, weil dort erstmals Amazonien, die Indigenen und die Ökologie richtig deutlich in den Blick der Kirche kamen. Das prägt diese Synode.

KNA: Werden die Themen und Anliegen dieser Synode im deutschsprachigen Raum angemessen wahrgenommen? Manche meinen ja, man picke sich hierzulande nur das aus den Themen, was der jeweils eigenen Agenda nützt.

Schönborn: Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich nicht sagen kann, wie die Rezeption im deutschsprachigen Raum ist, weil ich in den letzten Wochen nicht die Tageszeitungen und erst recht nicht die Blogs verfolgt habe, die sich dazu geäußert haben. Aber das Interesse scheint mir vergleichsweise groß zu sein. Wobei ich nicht weiß, was vorherrscht: das Interesse an den innerkirchlichen Organisationsfragen oder ist es die ökologische Frage. Beide sind präsent; die ökologische Herausforderung hat sicher durch die Ereignisse der letzten Monate zugenommen. Aber die innerkirchlichen Themen scheinen mir in unserem Sprachraum mehr Gewicht zu haben.

Das Interview führte Roland Juchem.

(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 05.07.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Erinnerungen an Georg Ratzinger
  • Über die Autobiografie von Kardinal Meisner
  • Zusätzliche Sonntagsöffnungen - was sagt die KAB dazu?
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Kureinrichtungen dürfen wieder öffnen
  • Rubens-Ausstellung in Paderborn eröffnet bald
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Kureinrichtungen dürfen wieder öffnen
  • Rubens-Ausstellung in Paderborn eröffnet bald
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…