Papst inmitten franziskanischer Nonnen (Symbolbild)
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Sr. M. Katharina Ganz OSF
Sr. M. Katharina Ganz OSF

17.10.2018

Ordensfrauen fordern Stimmrecht bei Synoden "In unserer Zeit nicht mehr nachvollziehbar"

An der Bischofssynode in Rom zum Thema Jugend nehmen auch Ordensfrauen teil - jedoch ohne Stimmrecht. Die internationale Union der Generaloberinnen fordert, dass Frauen bei zukünftigen Synoden mitbestimmen dürfen.

DOMRADIO.DE: Ist das nicht längst überfällig, dass Frauen auch bei Synoden ein Stimmrecht haben - denn es wird doch immer gesagt, dass auch Frauen eine größere Teilhabe in der katholischen Kirche bekommen sollen?

Schwester Katharina Ganz (Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen): Das halte ich für sehr wichtig, dass das jetzt mal umgesetzt wird. Also bei der Familiensynode gab es einige Äbte, die Stimmrecht hatten, aber keine Ordnensvertreterinnen. Und wenn sie generell vatikanische Synoden anschauen, da ist ja sowieso die Repräsentanz von Frauen schon sehr verschwindend gering. Erst recht, wenn man dann nicht mit abstimmen darf, dann kann man nicht mitentscheiden. Von daher sollte sich da dringend etwas ändern.

DOMRADIO.DE: Was sollte sich noch ändern?

Ganz: Es sollte sich zum Beispiel ändern, dass es mal eine Frauensynode gibt. Jetzt hatten wir eine Familiensynode, eine Jugendsynode. Ich halte es für ganz wichtig, dass sich insgesamt mal eine Synode mit dem Thema Frauen in der katholischen Kirche beschäftigt. Es müssen alle Themen auf den Tisch kommen: Was Frauen in kirchlichen Leitungspositionen betrifft, die keine Weihe verlangen, aber auch grundsätzlich das Thema "Frauen in kirchlichen Ämtern".

Das müsste dringend auf die Tagesordnung. Nachdem sich Ende 2017 in Osnabrück ein ökumenischer Frauenämter-Kongress mit dem Thema befasst hat - da gibt es jetzt auch eine Publikation - wird einfach deutlich, dass wir auch in der Ökumene zurückbleiben, wenn sich die katholische Kirche in dieser Frage nicht noch einmal grundsätzlich dem Thema stellt.

DOMRADIO.DE: Zum Beispiel auch das Thema Frauendiakonat, was ja schon immerhin diskutiert wird?

Ganz: Das wäre zumindest ein Anfang, dass man sagt Frauen gab es schon als Diakoninnen, auch mit Weihe. Da gibt es unterschiedliche Auslegungen, das wird ja auch gerade noch mal untersucht. Aber da weiß man zumindest schon sehr sicher, das gab es schon. Warum sollte es das nicht wieder geben? Und es gibt darüber hinaus natürlich noch ganz andere Fragen was das Priestertum betrifft, auch das Bischofsamt.

Die Osnabrücker Thesen, die am Ende dieses Kongresses 2017 verabschiedet wurden - unter anderem auch unter Beteiligung von Bischof Bode, dem Ortsbischof - haben auch gesagt, dass nicht die Zulassung von Frauen zu diesen Ämtern begründungspflichtig ist, sondern ihr Ausschluss. Das halte ich für eine wichtige These. In unserer Zeit ist es eigentlich nicht mehr nachvollziehbar, warum Frauen nicht zu allen Ämtern und zu allen Positionen zugelassen werden.

DOMRADIO.DE: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie als Generaloberin - oder auch andere Generalenoberinnen - diese Themen ja auch bilateral immer besprechen werden, wenn Sie Bischöfe mal unter vier Augen sprechen. Was sagen die Ihnen dann?

Ganz: Das ist nicht unbedingt so, dass wir da uneingeschränkten Zugang haben zu den Bischöfen. Unsere Vereinigungen sind päpstlichen Rechts. Das heißt, dass wir dem Orts-Ordinarius im Grunde nicht unterstellt sind. Das heißt, auf der Diözesanebene sind wir im Grunde auch wenig gefragt und haben keine Mitsprache.

Wir sind selbstständige Leiterinnen von katholischen Organisationen und auch deswegen setze ich mich dafür ein, weil ich als Generaloberin, Geschäftsführerin und geistliche Leiterin einer Gemeinschaft bin, mit allen Werken, mit allen Finanzen, mit allen Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Und da wird ja sichtbar, dass Frauen durchaus Leitung wahrnehmen können. Warum soll das nicht in anderen Bereichen geschehen?

DOMRADIO.DE: Es ist aber so, dass es bistumsweit unterschiedlich ist, oder?

Ganz: Das ist unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel, jetzt auch als Beraterin in der Pastoralkommission mit Bischöfen rede, dann sehe ich, es gibt unterschiedliche Bewusstseinsebenen für das Thema. Es gibt Bistümer, da ist schon sehr viel getan worden, auch was die Frauenförderung auf Leitungspositionen betrifft.

Da hat sich 2013 die Deutsche Bischofskonferenz auch ganz konkrete Vorgaben gemacht, dass sie Frauen mehr fördern möchte. Das wird gerade evaluiert. Was ist da geschehen? Die Zahlen werden meines Wissens bald vorgelegt. Es tut sich etwas, aber es tut sich natürlich sehr langsam und es tut sich aus meiner Sicht - ich kann das nicht ganz einschätzen - aber es tut sich mehr in den nördlicheren Bistümern, als in den süddeutschen Bistümern.

DOMRADIO.DE: Wie optimistisch oder pessimistisch sind Sie, dass sich in der katholischen Kirche zeitnah in den nächsten 20 Jahren etwas tut in Sachen mehr Rechte für Frauen?

Ganz: Ich bin momentan wieder sehr frustriert, auch wenn ich jetzt miterleben muss, wie das Nihil obstat für den Pater Ansgar Wucherpfennig als Rektor verweigert wird, wegen schwulenfreundlicher Äußerungen. Da wird dann immer wieder doch nochmal versucht, über einen Machtzugriff etwas zu unterbinden, was eigentlich diskutiert gehört, wo man Debatten braucht, wo man eben synodale Strukturen braucht - Auseinandersetzungen, Fortschritte.

Solange da noch irgendwie sanktioniert wird, wenn sich jemand nach vorne wagt - auch mit einer neuen Einsicht - habe ich keine großen Hoffnungen, denn die Menschen warten nicht mehr. Sie verlassen in Scharen unsere Kirche - und 20 Jahre glaube ich, kann die katholische Kirche nicht mehr warten, zumindest nicht in unseren Breitengraden, bis sich strukturell definitiv auch im Frauenthema etwas verändert.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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