Bischof Oster mit Jugendlichen in Rom
Bischof Oster mit Jugendlichen in Rom

04.10.2018

Jugendbischof Oster über die Jugendsynode "Wenn wir am Ende wirklich etwas gelernt haben, dann bin ich heilfroh"

Wann hören Jugendliche zum Thema Sex von einem Pfarrer mal ein Statement, das nicht nur moralisch abgehoben ist? Das fragt sich auch Jugendbischof Oster, der zurzeit in Rom nach Wegen sucht, junge Menschen für die Kirche zu begeistern.

DOMRADIO.DE: Herr Bischof, Sie kommen gerade von der Pressekonferenz der deutschen Delegation auf der Jugendsynode. Bei einigen Themen haben die anwesenden Jugendlichen geklatscht und sich richtig gefreut. Bei anderen weniger. Wie haben Sie das empfunden?

Stefan Oster (Bischof von Passau und Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz): Immer dann, wenn spürbar war, dass die Bischöfe sich sehr stark in die Jugendlichen hineinversetzt haben, kam das gut an. Das war auch so, wenn Institutionen kritisiert und über Themen wie ungleiche Bildungschancen, Suchtprobleme oder Krankheiten gesprochen wurde. Wenn die Jugendlichen gespürt haben, dass die Bischöfe mit Leidenschaft dabei waren, dann ist da auch schon mal Jubel und lautstarker Applaus ausgebrochen.

DOMRADIO.DE: Im Vorfeld der Synode hat es eine große Umfrage unter 200.000 Jugendlichen gegeben. Sie haben viel Kontakt zu jungen Leuten. Wo drückt denn der Schuh am meisten?

Oster: So unterschiedlich die Jugend heute ist, so viele verschiedene Schuhe drücken auch. Wir müssen auf jeden Fall das Thema Beziehungen und Gemeinschaft stärker anbieten. Wir brauchen Menschen, die fähig sind mit ihnen Wege zu gehen, junge Menschen gern zu haben, sie auch manchmal auszuhalten. Erst in guten Beziehungen kann guter Glauben entstehen. Anders wird es schwierig.

Wir haben in den Bereichen unserer Verkündigung, die die Jugendlichen am meisten betreffen, oft eine gewisse Sprachlosigkeit. Natürlich interessieren sich die Jugendlichen für Themen rund um die Sexualität. Wann hört man da mal etwas Substantielles von einem Pfarrer, das nicht nur einfach ein moralisch abgehobenes Statement ist? Es müsste so sein, dass es die Jugendlichen hören können, dass sie mitgehen, darum ringen und verstehen.

Auch bei dem Thema Wissenschaft und Glaube gibt es eine gewisse Sprachlosigkeit. Ein weiteres wichtiges Thema ist Gerechtigkeit. Wir werden oft als diejenigen wahrgenommen, die zuerst mit Moral und dem Dogma kommen, und nicht zuerst mit "Du gehörst erst mal dazu, egal wer und woher du bist."

DOMRADIO.DE: Wie kann Kirche das ändern?

Oster: Das hängt an einzelnen Menschen. Es ist ja immer so, dass Jugendliche, die einen Weg in der Kirche finden, ganz stark von bestimmten Menschen geprägt sind. Wir brauchen einfach Menschen, die für junge Menschen ein Herz haben.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielen da die sozialen Medien?

Oster: Es ist in vielerlei Hinsicht ein Riesenthema. Auf der einen Seite besteht die Gefahr der Sucht. Auf der anderen Seite besteht aber auch die Möglichkeit, sie dort zu erreichen. Aber auch das ist nicht so einfach. Es ist ja nicht so, dass einem dort sofort alle Jugendlichen folgen. Man muss es irgendwie attraktiv machen. Da gibt es einige gute Beispiele. Da haben wir Luft nach oben.

DOMRADIO.DE: Authentisch sollte es sein, oder?

Oster: Ein ganz wichtiges Stichwort. Nur, wir nehmen das Wort ganz oft in den Mund. Aber ich frage mich immer: Wie wird man eigentlich authentisch? Wie werden Sie und ich authentischer? Wir sollten uns einmal fragen, wie das denn eigentlich geht. Für mich als Christ ist ganz stark Thema: "Bin ich ein Mensch der Innerlichkeit? Lebe ich aus der Gegenwart des Herrn? Ist das etwas, das sich auch in meine Lebenspraxis mit Menschen überträgt? Das sind Dinge, wo in der Kirche Authentizität wächst. Das ist auch noch ein richtig schwieriges Thema.

DOMRADIO.DE: Was muss passieren, damit Sie in drei Wochen nach der Synode zufrieden sein können?

Oster: Ich hoffe, dass wir ein Dokument bekommen oder vielleicht auch Beispiele, die wirklich geeignet sind, sie in die Jugendpastoral in Deutschland einspielen zu können. Ich glaube nicht, dass wir automatisch etwas machen, was die Jugendlichen unmittelbar anspricht. Sondern wir werden eine Botschaft oder einen Text produzieren, womit dann gearbeitet werden kann. Vatikanische Texte werden unter jungen Menschen kaum wahrgenommen. Aber ich hoffe auf etwas, womit man dann wirklich arbeiten kann: Eine neue Perspektive oder ein Best-Practice-Beispiel. Wenn wir am Ende wirklich etwas gelernt haben, dann bin ich heilfroh.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch in Rom.

(DR)

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