Kardinal K. Koch, Bischof Bode und Kardinal Marx (v.l.)
Kardinal K. Koch, Bischof Bode und Kardinal Marx (v.l.)
Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Schönborn

06.10.2015

Hohe Beachtung für prominent besetzte deutsche Arbeitsgruppe Arbeit im kleinen Kreis

Die Bischofssynode setzt mehr auf die Arbeit im kleinen Kreis als im großen Plenum. Gespannt wird beobachtet, welches gemeinsame Votum die deutschsprachigen Kardinäle und Bischöfe einreichen.

Schon die ersten Beratungsrunden machen deutlich, dass bei dieser Synode vieles anders ist als bei früheren Weltbischofstreffen. Die gründliche Vorbereitung durch zwei weltweite Umfragen, durch eine kleine Synode im Herbst 2014 und ein ganzes Jahr der Reflexionen haben die Erwartungen gesteigert. Am Ende der drei Wochen müssen die 270 Synodalen dem Papst einen Katalog mit Empfehlungen zur "Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der heutigen Welt" übergeben. Und Franziskus muss auf dieser Grundlage eine der wichtigsten Entscheidungen seines Pontifikats treffen.

Angespannte erste Sitzungen

Entsprechend angespannt wirkten die ersten Sitzungen. Teilnehmer sprachen von einem abwartenden Abtasten. Das Einführungsreferat habe den Akzent besonders auf die Kontinuität der geltenden Lehre zu Ehe und Familie gelegt. In der folgenden Aussprache seien dann freilich sehr unterschiedliche Positionen, Erfahrungen und pastorale Anregungen eingebracht worden. Und Kardinal Reinhard Marx soll italienischen Medien zufolge bemängelt haben, das Grundlagenreferat habe die Diskussionen der vergangenen zwölf Monate zu wenig berücksichtigt.

Die ersten 72 Wortmeldungen der Synodalen deckten ein breites Spektrum von Themen ab. Besonders häufig tauchte die Forderung nach einer zeitgemäßeren Sprache der Kirche auf. Ihre Aussagen zu Ehe und Familie erreichten die Menschen heute allein wegen der verwendeten Begriffe oft nicht mehr. Ein zweiter Schwerpunkt war die Belastung der Familien durch Migration, Flucht und Vertreibung. Wobei es nicht nur um die Kriegsgebiete im Nahen Osten, sondern auch um Probleme in Europa ging.

Schwerpunkt in den 13 Sprachgruppen

Die Plenardebatten sind diesmal freilich weniger wichtig als früher. Denn die neuen Spiegelregeln der Synode verlagern den Schwerpunkt aus der Aula in die 13 kleinen Sprachgruppen. Dort können sich nicht nur die Mitglieder zu Wort melden, dort haben auch die Berater und Experten Rederecht. Und die Redezeit ist hier nicht von vorneherein beschränkt.

13 Mal - und für insgesamt fast 40 Stunden - treten diese Sprachgruppen zusammen: Vier diskutieren auf Englisch, je drei auf Französisch und Spanisch, zwei auf Italienisch und eine auf Deutsch.

Kardinal Schönborn im deutschsprachigen Zirkel

Gerade dieser Zirkel lässt eine intensive und interessante Sachdiskussion erwarten. Denn aus dem deutschen Sprachraum gehören der Synode neben den drei Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz - Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode - auch die römischen Kardinäle Walter Kasper, Gerhard Ludwig Müller und Kurt Koch teil. Als theologisches Schwergewicht mit internationalem Einfluss ist weiter der Wiener Kardinal Christoph Schönborn Mitglied der Synode. Die Regie der Synode wollte es, dass die meisten von ihnen - die dank guter Fremdsprachenkenntnisse früher durchaus auch andere Zirkel auswählten - diesmal dem deutschen zugewiesen wurden.

Auch wenn die deutschsprachigen Kardinäle, die unbestritten unterschiedliche theologische und pastorale Akzente setzen, durchaus und regelmäßig miteinander im Gespräch sind, dürfte ein so langer und intensiver Meinungsaustausch eine Premiere sein. Wie alle Sprachgruppen müssen sie jede Woche einen gemeinsamen Bericht im Plenum präsentieren. Vermutlich wird dieser dort aufgrund der besonderen Zusammensetzung eine ganz eigene Aufmerksamkeit finden.

Wird Franziskus den Abschlusstext vorab veröffentlichen?

Und er dürfte auch angemessen in die Zusammenfassungen eingehen, aus denen das zehnköpfige Redaktionskomitee die drei Wochenberichte und dann den Endbericht der Synode erstellt. Der geht zum Abschluss der dreiwöchigen Beratungen an den Papst. Ihm bleibt es überlassen, wie er damit weiter verfährt: ob und wann er daraus ein Dokument für die Weltkirche erstellt. Und ob er den Bericht selbst vielleicht schon vorab veröffentlichen lässt - wie er es nach der Synode 2014 spontan veranlasste.

Mit einer ungewöhnlichen Intervention hat Franziskus in die Debatte eingegriffen und die Kontinuität zwischen der Vorgänger-Synode und der jetzigen Bischofsversammlung betont. Die offiziellen Texte von 2014 seien seine Reden zur Eröffnung und zum Abschluss sowie das Schlussdokument (relatio finalis). Die kirchliche Ehelehre sei durch die damalige Synode nicht verändert worden, wies er anderslautende Interpretationen zurück.

Johannes Schidelko
(KNA)

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