Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode

01.10.2015

Plädoyer für eine differenzierte Sexuallehre Bischof Bode wünscht sich von Synode offene Auseinandersetzung

Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet Selbstbefriedigung, Prostitution und anderes gleichrangig als Sünde. "Drastisch gesagt: Das kann man doch nicht machen", meint der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Vor der am Sonntag in Rom beginnenden Familiensynode hat sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode für eine differenziertere Diskussion der innerkirchlichen Konfliktthemen ausgesprochen. "Ich glaube, die Auseinandersetzungen in der Kirche müssen offener geführt werden", sagte Bode am Mittwochabend bei einer Talkveranstaltung in Osnabrück. "Bei aller Disparität sollten wir uns bemühen, den Weg zu einem gemeinsamen Ziel gemeinsam zu gehen. Wenn am Ende herauskommt, was wir immer schon gesagt haben, dann ist der Aufwand für die Synode verkehrt." Er hoffe auf ein ehrliches Ringen um die Positionen, damit Papst Franziskus nach dem Treffen auch ein differenziertes Schreiben herausgeben könne.

Ehe ein Sakrament und ein Zeichen der Liebe Gottes

Bode bekundete die Überzeugung, dass eine im Glauben geschlossene Ehe ein Sakrament und ein Zeichen der Liebe Gottes ist. Diese sei unauflöslich. "Aber wenn es, aus welchen Gründen auch immer, trotzdem zu einem Scheitern kommt, dann muss ich fragen, ob eine neue Beziehung, die vielleicht auch mit einer neuen Reife entsteht, immer und immer von der Kommunion ausgeschlossen bleibt?" Das sei keine Anpassung an den Zeitgeist, wie es die Kritiker meinten. Es gehe vielmehr um einen anspruchsvolleren Weg, bei dem man mit den Menschen ins Gespräch komme.

Die Kirche habe auf die heute hochkomplexen positiven wie negativen Erfahrungen der Menschen mit Offenheit und Differenzierung zu reagieren, so der Bischof. Als Beispiel nannte er die im Katechismus formulierte Definition einer Sünde. "Dort findet man Selbstbefriedigung, Prostitution und anderes gleichrangig aufgeführt. Drastisch gesagt: Das kann man doch nicht machen." 

Sexualität darf nach den Worten des Bischofs weder vergötzt noch verteufelt werden. Vielmehr finde sie in einen personalen Zusammenhang statt. "Überspitzt formuliert können wir nicht sagen: Vor der Ehe geht nichts und in der Ehe dann alles", sagte Bode. Schon vor der Ehe müsse eine personale Beziehung eingeübt werden, die sich dann mit der Heirat weiterentwickle. "Wir Bischöfe in Deutschland und ich auch persönlich sehen auf den Prozesscharakter des Weges und nicht auf den Zeitpunkt der Eheschließung", so der Geistliche.

Homo-Ehe im Sinne der Kirche kein Sakrament

Die sogenannte Homo-Ehe sei im Sinne der Kirche kein Sakrament. Deswegen gebe es für gleichgeschlechtliche Paare auch keine öffentliche Liturgie, stellte der Bischof klar. "Aber wir gehen doch Wege mit ihnen, begleiten sie und beten mit ihnen." In der Auffassung von Homosexualität müsse die Kirche auch weiter lernen. Homosexualität sei eine Prägung eines Menschen, die dieser nicht ändern könne. "Da muss ich doch das, was die Natur ihm geschenkt hat, auch anerkennen."

Papst Franziskus hat über 300 Bischöfe aus aller Welt zur Synode nach Rom eingeladen. Sie wird drei Wochen zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" tagen. Aus Deutschland nehmen neben Bode als Leiter der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz auch deren Vorsitzender, Kardinal Reinhard Marx, und der für Familienfragen zuständige Berliner Erzbischof Heiner Koch teil.

Sie werden begleitet von Petra und Aloys Buch aus dem niederrheinischen Korschenbroich. Sie gehören zusammen mit 16 weiteren Paaren aus aller Welt zu den wenigen Laien der Zusammenkunft. Als Gasthörer sollen sie den Kardinälen, Bischöfen, Ordensleuten und auch dem Papst selbst von ihren persönlichen Erfahrungen berichten.

 

Stefan Buchholz
(KNA)

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