Papst Franziskus mit Synodenteilnehmern
Papst Franziskus mit Synodenteilnehmern

20.10.2014

Kölner Synodenbeobachter wertet Bischofssynode als Erfolg Angstfreie Diskussion

Die Familiensynode hat einen Richtungswechsel eingeleitet, meint der Familienbeauftrage im Erzbistum Köln. Zwei Wochen zuvor sei noch nicht so offen und transparent über Werte diskutiert worden, sagt Holger Dörnemann.

domradio.de: In der drei Seiten langen Abschlussbotschaft bringen die Bischöfe ihre besondere Solidarität mit Familien in materiellen und anderen existenziellen Notlagen zum Ausdruck. Sie sprechen voller Bewunderung von den ersten Ehepaaren und Familien, die allen Bedrohungen und Problemen zum Trotz ihre Berufung als christliche Familien leben. Aber auf das eigentlich Interessante gehen sie nicht ein - auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen. Oder steht es vielleicht doch versteckt im Text?

Holger Dörnemann (Leiter der Familienpastoral im Erzbistum Köln, der die Synode in einem Blog begleitet hat): Es gab zwei Dokumente, das eine war die Botschaft, die sie gerade angesprochen haben - das andere war das Abschlussdokument, die sogenannte relatio synodi. In dem ersten Dokument, der Botschaft, steht deutlich, dass die Bischöfe über die Frage gesprochen haben. Diese Botschaft ist mit einer mehr als Zweidrittelmehrheit angenommen worden und das ist schon einmal eine sehr sehr gute Botschaft, hier auch für Deutschland. Wir wissen, dass Kardinal Marx auch mit dieser Fragestellung nach Rom gegangen ist und diese Fragestellung ist nicht nur gehört worden, sondern sie ist angekommen und darüber wird diskutiert und das kann man dann in dem zweiten Dokument auch nachlesen. Das ist zwar nur mit einfacher qualifizierter Mehrheit angenommen worden, aber eben auch angenommen worden, dass über diesen Vorschlag diskutiert wird, dass es eine Fragestellung ist, die nicht nur uns hier in Deutschland betrifft, sondern fast die ganze Welt.

domradio.de: Diskutieren heißt nicht unbedingt, dass etwas beschlossen wird. Ein drastischer Richtungswechsel ist jetzt nicht erfolgt -

Dörnemann: Doch, ich meine schon, dass ein Richtungswechsel dahingehend wahrzunehmen ist, dass wir konkrete Ergebnisse haben, die aber nicht an diesen zwei Fragestellungen abzulesen sind - die wohlgemerkt mit qualifizierter Mehrheit ja angenommen worden sind, nicht mit Zweidrittelmehrheit, aber mit qualifizierter Mehrheit - die anzeigen, darüber muss gesprochen werden und damit kann man nicht zufrieden sein. Ich bin auch nicht zufrieden, da muss wirklich drüber gesprochen werden, da müssen wir in Deutschland drüber sprechen.

Was ich als Richtungswechsel dann unterstreichen möchte, ist, dass wir uns dieser Werte und dieser Fragestellung annehmen, dass wir darüber im Gespräch sind und dass wir transparent kommunizieren. Das war in dieser Weise vor zwei Wochen noch nicht so der Fall, wie es jetzt ist. Wir können uns allen Fragen annehmen und wir stehen auch für alle Fragen gerade. Wir kommunizieren nicht nur über Finanzwerte, das tun wir hier im Erzbistum Köln besonders transparent, wir kommunizieren auch über alle anderen Werte, vor allem die Werte, die unsere eigentlichen Kapitalanlagen sind, wo wir, sage ich mal, hier im Leben der Welt und der Gesellschaft unseren Platz haben.

domradio.de: Also wenn ich sage, es kann ohne Angst diskutiert werden, würden Sie das so unterstreichen?

Dörnemann: Unbedingt! Diese Zumutung, dieser Freiheitsraum ist jedem Mitarbeiter im Erzbistum Köln, ist jedem Christen zugemutet. Wir müssen uns einbringen, wir müssen für das einstehen, woran wir glauben und worauf wir hoffen.

domradio.de: Es heißt für Papst Franziskus, der fast jeden Synodentag schweigend verfolgt hat, war das eine große kirchenpolitische Bewährungsprobe, seine Idee kirchlich verheiratete Geschiedene wieder mit Sakramenten zu bedenken, ist erstmal gescheitert. Wenn er Politiker wäre, würde er jetzt zurücktreten müssen?

Dörnemann: Ich finde Papst Franziskus hat - und das ist in den Medien gar nicht richtig rübergekommen - am Samstag einen wirklichen Paukenschlag dadurch ausgelöst, dass er dieses Dokument in dieser Transparenz und mit diesen Abstimmungsergebnissen einfach freigegeben hat. Damit hat selbst der Pressesprecher tags zuvor nicht gerechnet. Das war eigentlich für diese Woche erst vorgesehen, ein Dokument dann möglicherweise freizugeben oder aber auch nicht - auch das wäre möglich gewesen. Aber das als lineamenta, als Arbeitspapier freizugeben, damit weiterdiskutiert werden kann, das ist ein sehr kluger Schachzug und sehr weiser Schachzug gewesen. Da kommen alle drin vor, da kommt das Bemühen drin vor, einen Kompromiss zu formulieren. Da kommt aber auch drin vor, dass dieser Kompromiss noch nicht ausgereicht hat, um es mit Zweidrittelmehrheit anzunehmen. Möglicherweise wird es in dem Bereich auch gar keine Zweidrittelmehrheit geben können, vielleicht muss man aus diesem Ergebnis lernen, dass wir in Afrika uns anders positionieren und denken und hier in Deutschland auch anders. Wir können froh sein, dass hier in Deutschland zum Beispiel Homosexualität nicht unter Strafe steht, wie in einigen afrikanischen Ländern. Da haben wir in Deutschland eine ganz andere Tradition, auch ganz andere Lernprozesse durchgemacht und das ist gut so.

Das Interview führte Tobias Fricke

(dr)

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