Papst Franziskus: Jeder soll sagen, was er fühlt und denkt
Papst Franziskus: Jeder soll sagen, was er fühlt und denkt
Kardinal Schönborn in Madrid: Der WJT schafft eine persönliche Stärkung im Glauben
Kardinal Schönborn

09.10.2014

Kardinal Schönborn: Familie ist Überlebensfabrik der Zukunft Kekse vom Papst und Zeugnisse von Paaren

In den ersten Tagen der Familiensynode macht sich ein neuer Geist bemerkbar: Latein wurde verbannt, Franziskus verteilt Schokoladenkekse und Paare erzählen offen von ihrer Lust. Worum es vor Ort geht, erklärt Kardinal Schönborn.

Das muss man sich erst mal trauen: Vor dem Papst und gut 180 katholischen Bischöfen zu sagen, dass man eigentlich am Anfang seiner Ehe nur Sex im Kopf hatte. Ron und Mavis Pirola, ein katholisches Ehepaar aus Sydney, haben sich getraut - und die Weltbischofssynode über Ehe und Familie hörte zu. Der Vatikan veröffentlichte ihre Stellungnahme sogar im Wortlaut. Nur ein Beispiel für eine "neue Offenheit", die nach Aussage vieler Teilnehmer und Beobachter bei der Synode herrscht. Jeder solle sagen, was er fühlt und denkt, hatte Franziskus den Teilnehmern zu Beginn am Montag nochmals eingeschärft.

Von den Diskussionsinhalten dringt kaum etwas nach außen, die Synodenteilnehmer haben sich zu Verschwiegenheit verpflichtet, aber sie dürfen allgemeine Angaben über das Thema Familie geben. Wie zum Beispiel der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Die Weltbischofssynode in Rom stelle die "Familie in jener Zeit auf ein Podest, in der sie für viele als überholtes Auslaufmodell gilt", sagte er in einem Interview mit Radio Vatikan. Die Wortbeiträge der ersten drei Synodentage hätten dargelegt, wie zentral die Familie "für die Gesellschaft, aber vor allem für den Menschen in seiner Verwirklichung und in seinem Glück" sei. Schönborn zitierte den verstorbenen Publizisten Frank Schirrmacher, die Familie sei die "Überlebensfabrik der Zukunft".

Schluss mit "Vorlesungen auf Latein"

Das Grundsatzreferat zu Beginn der Synode, das bislang eine der letzten Bastionen des gesprochenen Latein im Vatikan war, hielt Kardinal Peter Erdö diesmal auf Italienisch. Das habe der Papst so entschieden. Die eineinhalbstündige "Vorlesung auf Latein", die es früher gegeben habe, sei "für alle" nicht leicht gewesen, erläuterte Erdö den Schritt. Den Bedarf an Kopfhörern für die Simultanübersetzung reduzierte dies erheblich. Freilich hatte die gänzliche Abschaffung des Lateinischen mehr symbolische Bedeutung: Gesprochen wurde die Sprache Julius Cäsars ohnehin allenfalls nur noch in kleinen Sprachzirkeln.

Von der Synode erwartet sich Kardinal Schönborn "vor allem eine intensive Debatte über die Wichtigkeit der Familie für eine Gesellschaft, die in schwierige Zeiten kommt". Familie sei "ein spontanes, natürliches und selbstverständliches Auffangnetz". Ihr könne niemand mehr Unterstützung geben als die Glaubensgemeinschaft.

Schönborn erwartet Impulse für gescheiterte Ehen

Als weitere Erwartungen an die Synode nannte Schönborn "Impulse für Situationen des Scheiterns", ebenso aber auch für den Umgang mit Paarbeziehungen außerhalb der kirchlichen Ehe. Bei den "unveränderlichen" Zehn Geboten gebe es eine Abstufung hinsichtlich ihrer Umsetzung. "Wir können uns in unserem Leben dem Wort Jesu mehr oder weniger annähern", so der Erzbischof. Ähnlich würden auch viele Menschen "diese volle Gestalt der Ehe, so wie sie im Plan Gottes vorgesehen ist, erst allmählich erreichen". Bei Paarbeziehungen sollte die Kirche stärker als bisher "auf das, was bereits da ist", blicken, so Schönborn.

Die Teilnehmer selbst dürfen keine Kurzbotschaften aus der Synodenaula per Twitter versenden, dafür twittert aber das vatikanische Presseamt ausgewählte Inhalte der Beratungen und diese Botschaften finden offenbar große Resonanz. Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, selbst verantwortlich für deutsche Tweets, spricht von einem "gelungenen Experiment".

 

Erstaunlich ist das besondere Interesse an der Synode ausgerechnet in Venezuela. Allein zwölf Prozent der Besuche, Retweets etc. entfällt auf das südamerikanische Land. Größer ist die Resonanz nur in den USA und Italien.

Franziskus hört zu und verteilt Kekse

Und was macht der Papst während der Synode? Er hört zu, schweigt und macht sich Notizen, wie anwesende Beobachter berichten. Oder er verteilt, wie am Dienstag, eine Art argentinische Prinzenrolle unter den Sitzungsleitern. Die Schokoladenkekse sollen sehr gut angekommen sein, ist zu hören."Extremly good", habe der Manilas Kardinal Luis Antonio Tagle die unverhoffte Kalorienzufuhr gefunden. Auch der Humor treibt ungewöhnliche Blüten: Der argentinische Erzbischof Viktor Manuel Fernandez scherzte am Mittwoch vor Journalisten im vatikanischen Presseamt, Franziskus habe darauf hingewiesen, alle könnten frei reden, "ohne dass ihnen gleich Kardinal Müller auf den Leib rückt". Solche Äußerungen über einen amtierenden Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation machten Bischöfe früher allenfalls hinter vorgehaltener Hand.

Freilich brauchen manche Veränderungen Zeit: Mit der freien Rede vor der Synode hapert es nach Aussage eines Beobachters noch etwas. Die Mehrheit der Bischöfe halte sich doch lieber an den vorbereiten schriftlichen Text, so ist zu hören. Und auch, dass ein Redner auf seine Vorredner eingeht, komme bislang nur in den allabendlichen freien Aussprachen vor.

Ungeachtet der allseits beschworenen neuen Offenheit: Über das, was während der Synode im Einzelnen gesagt wurde, erfährt die Öffentlichkeit weniger als bei früheren Synoden. Denn anders als früher macht das vatikanische Presseamt nur allgemeine Angaben zum Verlauf der Beratungen und zu Inhalten; Namen nennt es jedoch nicht. Und bislang sickerte auch weniger durch andere Kanäle in die Presse.

Thomas Jansen
(KNA, dr)

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