Pressekonferenz bei der Frühjahrsvollversammlung
Pressekonferenz bei der Frühjahrsvollversammlung
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

24.02.2021

Blick auf die Vollversammlung der Bischofskonferenz Ein Novum und ein Dauerthema

Am zweiten Tag der Vollversammlung der Bischofskonferenz steht ein Studientag zu den Erfahrungen mit Kirchenaustritten und Kirchenverbleib im Mittelpunkt der Beratungen. Ein "Stimmungsbericht" vom digitalen Treffen der Bischöfe.

DOMRADIO.DE: Am ersten Tag der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag stand die Wahl eines neuen Sekretärs der Bischofskonferenz auf der Tagesordnung. Wir ersetzen ab sofort das Wort Sekretär durch Sekretärin beziehungsweise nun sogar durch Generalsekretärin. Denn gewählt wurde eine Frau.

Ingo Brüggenjürgen (DOMRADIO.DE-Chefredakteur): So ist es richtig. Das ist in der Tat auch ein Novum in der Geschichte der Bischofskonferenz. Denn bisher war der Sekretär immer ein Mann, ein geweihtes Oberhaupt. Jetzt ist es eine Generalsekretärin. Das ist zumindest ein Signal, dass die männlichen Bischöfe verstanden haben, um was es geht.

An der Verwaltungsspitze sitzt jetzt die 50-jährige Beate Gillis. Sie kommt aus dem katholischen Sozialverband IN VIA und war zuletzt Dezernentin in Limburg. Eine erfahrende Rheinländerin, eine Laientheologin, die sich gestern schon sehr souverän präsentiert hat und auf der Pressekonferenz deutlich gemacht hat, dass die Reformbewegung Maria 2.0 in ihren Augen in der Mitte der Gesellschaft, in der Mitte der Kirche steht. Das war ein starker Auftritt.

DOMRADIO.DE: Welche Probleme liegen den Bischöfen bei ihrer Frühjahrsvollversammlung ganz besonders schwer im Magen?

Brüggenjürgen: Natürlich wie immer das Thema Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Das ist ja mittlerweile ein Dauerbrenner. Das war schon im Jahr 2010 so, als die ersten Fälle ans Licht kamen und geht auch seit Veröffentlichung der MHG-Studie im Jahr 2018 unvermindert weiter. Die Bischöfe bemühen sich. Sie kommen hier aber, wenn man das öffentliche Meinungsspektrum sieht, offenbar nicht richtig weiter.

Dann haben wir als weiteres Thema den Synodalen Weg. Auch da hakt es an einigen Stellen. Die Bischöfe sprechen auch hier nicht mit einer Stimme. Sie werden heute versuchen, sich abzustimmen. Heute gibt es einen Studientag, wo sie sich ganz intensiv mit den Problemen der Kirchenaustritte beschäftigen werden.

DOMRADIO.DE: Kommen denn auch die Probleme im Erzbistum Köln in Sachen Aufklärung des Missbrauchsskandal zur Sprache?

Brüggenjürgen: Nein, das hat gestern der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, nochmal deutlich gemacht. Er hat gesagt, man habe als Bischofskonferenz keine Hoheit über Köln. Denn jeder Bischof entscheidet selbstständig für seine Diözese und ist letztendlich nur dem Papst verantwortlich. Die Bischofskonferenz ist insofern ein Konstrukt, das nicht irgendwas beschließen kann, was dann in den Diözesen umgesetzt wird.

Bischof Bätzing vertraut dem Kölner Erzbischof und nimmt ihm den Willen zur Aufklärung ab. Gleichwohl wird dieses Thema, auch wenn es dann nicht auf der Tagesordnung steht, natürlich am Rande besprochen, soweit das digital möglich ist. Das Thema ist nicht nur in den Medien, sondern auch in vielen Köpfen.

Der Kölner Kardinal hat die Gläubigen gebeten, auf das zweite Gutachten zu warten. Aber die mediale Berichterstattung ist allgegenwärtig. Das Thema ist nicht vom Tisch. Das schmerzt natürlich nicht nur die Bischöfe.

DOMRADIO.DE: Wie läuft das mit der Technik? Digitale Treffen sind ja auch für andere Institutionen nicht ganz ohne.

Brüggenjürgen: Digital, haben die Bischöfe gesagt, klappt sehr schnell und sehr gut. Bischof Bätzing hat gestern auf die Frage in der Pressekonferenz dazu geantwortet, dass die Bischöfe doch schon seit einem Jahr digital unterwegs sind. Die Wahl hat auch hervorragend geklappt.

Das ist also eine gute Nachricht: Technisch scheint es zumindest alles gut zu klappen.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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