Deutsche Bischofskonferenz trifft sich digital (Archiv)
Deutsche Bischofskonferenz trifft sich digital (Archiv)
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

22.02.2021

Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz nur digital Kirchenaustritte, Synodaler Weg und neue/r Sekretär/in

"Dieser Weg wird kein leichter sein", vermutet Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen im Hinblick auf die anstehende Vollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe. Zumal sich die Geistlichen diesmal nur digital treffen werden.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe treffen sich von diesem Dienstag bis Donnerstag nicht real, sondern digital. Das ist ein Novum, oder?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADIO.DE): Das ist in der Tat etwas Besonderes in der über 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bischofskonferenz. Das hat es so noch nicht gegeben. Und das ist natürlich für alle Beteiligten eine ganz große Herausforderung. Denn so eine Konferenz lebt von der offiziellen Tagesordnung, von den Punkten, die da drauf stehen. Sie lebt aber auch von den Begegnungen am Rande, von den gemeinsamen Gottesdiensten.

Die Bischöfe werden zwar gemeinsam eine Vesper feiern und beten, aber von Gottesdiensten via Zoom haben sie sich dann doch verabschiedet. Insofern betreten sie wirklich Neuland.

DOMRADIO.DE: Viele Probleme dürften dann doch alt sein. Was ist zum Beispiel mit dem Synodalen Weg, der Bischöfe und Laien aus der Krise führen soll?

Brüggenjürgen: Dieser Weg wird kein leichter sein. Das stellte sich beim letzten Treffen heraus - auch das war digital -, bei dem Bischöfe und Laien gemeinsam versucht haben, den sexuellen Missbrauch nach der MHG-Studie aufzuarbeiten. Der Synodale Weg ist ein wenig ins Stocken geraten, weil es in der momentanen Situation, die die Sicherheitsmaßnahmen in der Corona-Pandemie mit sich bringen, einfach schwierig ist. Die Deligierten hatten zum Beispiel gesagt, dass sie sich eigentlich in Präsenz treffen wollten, was dann nicht ging.

Schwierig wird es für die Bischöfe auch sein, ein wenig die Positionen untereinender abzustimmen. Das ist nun ein großes Problem. Die Bischöfe versuchen natürlich immer, einmütig mit einer Stimme zu sprechen. Das ist in den Fragen, in denen man manchmal diametral auseinander liegt, natürlich sehr, sehr schwer. Das erinnert mich teilweise an die EU. Da herrscht ja auch oft das Prinzip der Einstimmigkeit und das lähmt dann.

Insofern hat Pater Hans Langendörfer, der langjährige, ehemalige Sekretär der Bischofskonferenz, bei uns im DOMRADIO.DE.Interview angemahnt, hier seien dringend Reformen auch in Abstimmung und Machtgefälle notwendig.

DOMRADIO.DE: Stichwort Aufklärung sexueller Gewalt durch Kleriker - die Bistümer sind da ja überall mitten in der Aufarbeitung. Kommen denn in der Konferenz auch die speziellen Kölner Probleme auf die Tagesordnung?

Brüggenjürgen: Offiziell auf der Tagesordnung stehen sie nicht, aber man darf natürlich angesichts der Dimensionen dieser Unruhe rund um das Erzbistum Köln und den Missbrauch davon ausgehen, dass das eine Rolle spielt. Wie die Bischöfe sich da beraten, wird schwierig sein.

Aber natürlich spürt man diese Sorge nicht nur in Köln, sondern auch in den anderen Diözesen. Wie kommen wir da raus? Da müssen die Bischöfe gemeinsam eine Lösung finden. Das ist angesichts der Tatsache, dass man sich nicht real reffen kann, sicherlich eine ganz große Herausforderung.

DOMRADIO.DE: Und dann gibt es noch ein Schwerpunktthema. Was steht da im Mittelpunkt?

Brüggenjürgen: Die Bischöfe verordnen sich immer einen halben oder ganzen Studientag, wo sie dann ein Schwerpunktthema behandeln, da sie ganz viele Punkte auf der Tagesordnung haben. Das war schon lange vorher positioniert, das ist das Thema Kirchenaustritte.

Da geht es gar nicht um die aktuellen Fälle im Erzbistum Köln, sondern das ist ein grundsätzliches Phänomen, das in den vergangenen Jahren immer deutlicher wurde, da viele Menschen die Kirche verlassen, weil sie keine Heimat mehr in ihr finden. Da möchte man Erfahrungen austauschen, gleichzeitig auch den Rat von Experten hinzuholen, um zu gucken, wie man das stoppen kann.

DOMRADIO.DE: Schließlich steht noch die Wahl des neuen Sekretärs oder der neuen Sekretärin der Deutschen Bischofskonferenz an. Was passiert da?

Brüggenjürgen: Der langjährige Sekretär Pater Hans Langendörfer hat über 25 Jahre lang die Geschicke gelenkt. Er ist im Januar dieses Jahres endgültig zurückgetreten. Jetzt steht die Wahl eines neuen Sekretärs oder eben auch einer Sekretärin an. Denn dass das ein Mann sein muss, steht nirgends so festgeschrieben. Hier könnten die Bischöfe ein Zeichen setzen.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing aus Limburg, den zunehmenden Druck von der Basis viel, viel deutlicher spürt als manch anderer. Da sind die starken Frauenverbände und da ist Maria 2.0, die Druck ausüben. Bischof Bätzing gilt ja als einer, der die Zeichen der Zeit lesen kann.

Das wäre zumindest ein Signal, das die männliche Bischofskonferenz setzen könnte, wenn sie an der obersten kirchlichen Verwaltungsstelle doch vielleicht eine Frau zum Zuge kommen lassen. Das fände ich allemal ein gutes Zeichen. Vielleicht ist die Zeit reif dafür. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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