Hans Langendörfer im September 2020
Hans Langendörfer im September 2020

20.02.2021

Früherer DBK-Sekretär Langendörfer blickt auf Amtszeit zurück "Das Amt verlangt eine gewisse Demut"

Vier Vorsitzende hat er als Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz seit 1996 erlebt und mit ihnen zusammen gearbeitet. Vor der Frühjahrsvollversammlung blickt Pater Hans Langendörfer auf seine langjährige Amtszeit zurück.

Wenn in der kommenden Woche die katholischen Bischöfe zu ihrer Frühjahrsvollversammlung digital zusammenkommen, wird einer schmerzlich vermisst: Der langjährige Sekretär der DBK ist nicht mehr an Bord. Fast 25 Jahre lang waren die unterschiedlichsten Belange der Bischöfe bei Pater Hans Langendörfer in besten Händen. Zu Beginn dieses Jahres ist er in den Ruhestand verabschiedet worden. Im großen DOMRADIO.DE- Interview schaut der Jesuit selbstkritisch zurück und gibt als langjähriger Lotse noch mal wichtige kirchliche Postions-Angaben. Das Interview in voller Länge finden Sie hier.

Hier haben wir für Sie die Kernsätze zusammengestellt:

Manager oder Diener Gottes?

Das Sekretariat der Bischofskonferenz ist kein Priesterseminar, sondern eine Verwaltungsstelle. Aber eben auch ein gut christlich und katholisch geprägtes Haus. Hier arbeiten Katholiken gut zusammen, die ihren Glauben auch leben wollen. Da war es mir immer wichtig, auch als Seelsorger jederzeit für die Mitarbeiter da zu sein.

Hilft es, ein Jesuit zu sein? 

Es hat für einen Sekretär einer Bischofskonferenz durchaus auch Vorteile, nicht einem der Bischöfe, für die man arbeitet, in der Jurisdiktion unterstellt zu sein. Das schafft einen gewissen Freiraum. Mein Vorgesetzter ist mein Provinzial und ich habe mir auf diese Weise immer auch eine gewisse Freiheit bewahrt.

Strippenzieher im Hintergrund?

Ja, das Amt verlangt eine gewisse Demut. Mir war immer klar: Du bist hier nicht die Nummer eins und du kommst auch nicht in die Zeitung. Du wirst als Strippenzieher bezeichnet. Aber die Nummer eins ist jemand anders und das ist auch gut so. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch in einem sehr verbindlichen Sinn Mitverantwortung übernimmt für die Geschicke des Zusammenhaltes der Bischofskonferenz. 

Über seinen Chef Karl Kardinal Lehmann

Eine wirklich spannende Zeit in meinem Leben. Ich habe im Alter von Mitte 40 noch relativ jung die Aufgabe übernommen. Damals war er der liberale Professor alten Stils. Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende mit ungeheurem schöpferischem Wissen und der Bereitschaft, alles gedanklich zu durchdringen und sich auch alles anzueignen.

Über seinen Chef Erzbischof Robert Zollitsch

Einer dieser liberalen Süddeutschen und Badener, der sehr stark durch sein Bistum geprägt gewesen ist. Er ist Heimatvertriebener und es war für ihn wichtig, eine Heimat zu haben. Wir haben gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet - und das in schweren Zeiten. Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs hat er die nötige Orientierung gegeben.

Über seinen Chef Reinhard Kardinal Marx

Die Etappe mit Kardinal Marx ist für mich eine ganz wichtige neue Etappe gewesen. Wir sind gleichaltrig, wir kannten uns ewig. Als Gleichaltrige spricht man die gleiche Sprache. Er, der ostwestfälische Münchner mit starken Gesten, starken Worten und starken Taten. Das hat auch viel Spaß gemacht und war ein wirklich wichtiger Abschnitt in meiner gesamten Dienstzeit. 

Über seinen Chef Bischof Georg Bätzing 

Bischof Bätzing ist jünger als ich und da sieht man den Wandlungsprozess in Folge einer langer Amtszeit. Ich glaube, dass es der Deutschen Bischofskonferenz gutgetan hat und dass sie gut beraten war, ihn zum Vorsitzenden zu wählen. Bischof Bätzing ist dann mutig losmarschiert und wir erleben ihn ja engagiert.

Mißbrauch - die offene Wunde 

Die belastendste Herausforderung in all den Jahren war natürlich die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Eine große, harte Arbeit, die nicht nur ich, sondern andere geleistet haben. Das Zugehen auf die Opfer, die nötige Reue und Gesten der Anerkennung. Vieles davon hat in der öffentlichen Wahrnehmung keine große Rolle gespielt hat. Aber Bischof Ackermann hat hier Unendliches geleistet. 

27 Diözesen, die nur selten einer Meinung sind 

In der Struktur der Bischofskonferenz gibt es meiner Meinung nach einen Reformbedarf im Hinblick auf die Einstimmigkeit. Bis heute ist in Haushaltsfragen Einstimmigkeit erforderlich. Früher war das oft auch ein Instrument der Knebelung, wo Bischöfe gesagt haben, entweder ihr macht das jetzt so oder ich stimme dagegen. Ich stelle mir vor, dass man in den verschiedensten Fragestellungen besser wie auch in der EU mit einer doppelten Mehrheit arbeitet oder andere Mechanismen findet, um aus diesen Blockaden rauszukommen. 

Herausforderungen für die Kirche

Wir haben eine dramatische Auswanderung aus der Kirche und die hat manches mit dem Missbrauch zu tun. Aber sie hat auch mit ganz anderen Prozessen - z.B. der Säkularisierung zu tun: Wenn schon die Kinder der Eltern nicht mehr in den Glauben hineingefunden haben, dann werden deren Kinder bestimmt nicht in Glauben reinfinden. Wie finden wir richtige Wege der Kommunikation, richtige Wege der Sprache, des Glaubens, um Menschen die Freude des Christentums, die Weite des Christentums anzubieten?

Frauen nach vorne bringen 

Zum einen hat hier ein Prozess der Bewusstseinsbildung in der Bischofskonferenz stattgefunden, der ganz außerordentlich ist. Ein Ausdruck davon ist die Mitarbeit von Frauen in vielen leitenden Positionen in der Kirche. Dann haben wir die lauten Stimmen der Frauenverbände und von Maria 2.0. Die helfen uns aber, dass wir das Thema nach vorne bringen. Die Hälfte der Menschheit sind Frauen. Ich würde mir wünschen, dass wir da vielleicht auch Impulse in die Weltkirche geben. 

Professionalität ist angesagt

Das Sekretariat ist professionell aufgestellt. Das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen. Auch in den Bistümern hat sich sehr viel gewandelt. Die alten Finanzdirektoren sind Prälaten gewesen - im Wesentlichen nicht mehr. Immer mehr Bistümer machen eine Aufteilung zwischen dem Generalvikar, der irgendwie eine letzte Kompetenz hat und einer Verwaltungsdirektorin oder einem Verwaltungsleiter - wie immer das dann auch heißt. Da ist ein Prozess der Professionalisierung in Gang gekommen. Aber es muss auch in einer bischöflichen Verwaltung immer klar sein, dass es zwar um eine professionelle Verwaltungsarbeit geht, aber diese steht immer in dem einem Kontext einer religiösen Sendung.

(DR)

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