Die katholischen Bischöfe suchen einen neuen Vorsitzenden

Kein Weißer Rauch und auch kein Wahlkampf

Kardinal Marx tritt nicht mehr an. Gleiches gilt für seinen Stellvertreter, Bischof Bode, und den Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Die katholischen Bischöfe müssen eine neue Führungsspitze wählen.

Deutsche Bischöfe / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Deutsche Bischöfe / © Frank Rumpenhorst ( dpa )

Wenn sich die katholischen Bischöfe ab diesem Montag (02.03.2020) zur Frühjahrsvollversammlung in Mainz treffen, stellen sie die Weichen neu: Eine neue Führungsspitze muss gewählt werden. Denn der Münchner Kardinal Reinhard Marx (66) steht aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Bischofskonferenz zur Verfügung.

Ein Paukenschlag, den kaum jemand geahnt hatte. Auch der langjährige Chef des Sekretariats der Bischöfe in Bonn, Pater Hans Langendörfer (69), will nicht wieder antreten.

"Primus inter Pares"

Die Frühjahrsvollversammlung wird somit zu einer Art Konklave mit Auswirkungen auf den Kurs der Kirche in Deutschland. Das gilt insbesondere für die Zukunft des Reformprozesses, den Marx und Langendörfer unter dem Titel "Synodaler Weg" wesentlich mitgestaltet haben.

Dabei ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht der "deutsche Papst". Er ist "Primus inter Pares" (Erster unter Gleichen), was freilich im Medienzeitalter eine herausgehobene Stellung ist. Er kann zu so etwas wie dem Gesicht der Kirche werden.

Der Vorsitzende leitet die Zusammenkünfte der Bischöfe und repräsentiert die Konferenz gegenüber Staat und Gesellschaft. In der Öffentlichkeit tritt er als der Sprecher der Bischöfe auf und kann eigene Akzente setzen; in seiner Amtsführung ist er aber an deren Beschlüsse gebunden. Seinen kirchlichen und gesellschaftlichen Einfluss muss er sich erarbeiten: durch Führungs- und Vermittlungsfähigkeiten in der Konferenz, gute Kontakte nach Rom sowie zu anderen Konfessionen, und nicht zuletzt durch überzeugende Präsenz auf den Bühnen der Öffentlichkeit.

Kein weißer Rauch, kein Wahlkampf

Marx war der sechste Vorsitzende der Bischofskonferenz seit dem Zweiten Weltkrieg. Außer dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hatten alle Konferenzvorsitzenden den Rang eines Kardinals - den Frings und Lehmann allerdings erst während ihrer Zeit als Vorsitzende erhielten.

Mit Weißem Rauch ist in Mainz trotz geheimer Wahlgänge hinter verschlossenen Türen nicht zu rechnen. Öffentlichen Wahlkampf und offizielle Kandidaturen gibt es nicht. Manche Bischöfe treffen sich vorab, um über Anforderungen zu diskutieren. 2014 hatte der damalige Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, die Bischöfe und Weihbischöfe zu einer Art "Vorkonklave" eingeladen: Einen Tag vor der Wahl sollten sie über das Profil des Vorsitzenden und die Anforderungen an die Kirche beraten. In Mainz wird es das nicht geben.

Rechtlich ist die Wahl im Artikel 28 des Statuts der Bischofskonferenz kurz geregelt: "Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Stellvertretende Vorsitzende werden von der Vollversammlung aus dem Kreis der Diözesanbischöfe für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Eine Wiederwahl ist einmal möglich."

"Stunde der Weihbischöfe"​

Nach den Statuten ist in den ersten beiden Wahlgängen eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit. Überraschungen sind bei der freien und geheimen Wahl in Mainz nicht auszuschließen. Das war schon 1987 so, als nicht der Münchner Kardinal Friedrich Wetter, sondern der "einfache" Bischof Karl Lehmann aus Mainz zum Nachfolger des Kölner Kardinals Joseph Höffner gewählt wurde.

Immer wieder wird die Wahl auch als "Stunde der Weihbischöfe" bezeichnet. Zwar kann nur ein Diözesanbischof zum Vorsitzenden gewählt werden. Aber rein rechnerisch haben die Weihbischöfe - derzeit sind es 41 von 69 Mitgliedern der Bischofskonferenz - die deutliche Mehrheit.

Für Spannung ist auch bei der Wahl des Sekretärs gesorgt. Der Jesuit Langendörfer sitzt seit 1996 an dieser Schaltstelle der Kirche in Deutschland und war damit wichtigster Unterstützer des jeweiligen Vorsitzenden. Bisher waren alle vier Sekretäre Priester - doch das ist laut Satzung nicht zwingend. Erstmals könnte die Konferenz einen Laien wählen. Die katholischen Frauenverbände hoffen sogar auf eine Frau. Präzedenzfälle gibt es: In der Nordischen Bischofskonferenz, die die sieben Bistümer der skandinavischen Länder umfasst, ist Schwester Anna Mirijam Kaschner Generalsekretärin.

 

Quelle:
KNA
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