Bischöfe mit gefalteten Händen und Brustkreuz
Bischöfe mit gefalteten Händen und Brustkreuz
Kardinal Reinhard Marx
Reinhard Kardinal Marx beim Michael-Jahresempfang

12.02.2020

Die katholischen Bischöfe suchen einen neuen Vorsitzenden Wie läuft so eine Wahl ab?

Kardinal Marx tritt aus selbst gewählten Altersgründen nicht mehr an. Die katholischen Bischöfe müssen deshalb Anfang März einen neuen Vorsitzenden wählen. Eine Weichenstellung für die Kirche. Aber wie läuft so eine Wahl eigentlich ab?

Es scheint die Woche der Rücktritte zu sein: Am Montag kündigte Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Abschied auf Raten als CDU-Parteivorsitzende an. Am Dienstag warf Jürgen Klinsmann nach nur zehn Wochen als Trainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC hin. Und am selben Tag teilte der Münchner Kardinal Reinhard Marx (66) mit, dass er bei der Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Mainz in drei Wochen nicht für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Bischofskonferenz kandidieren will. Ein Paukenschlag, den kaum jemand geahnt hat.

"Primus inter Pares": Erster unter Gleichen

Die Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe vom 2. bis 5. März wird somit zu einer Art Konklave mit Weichenstellung für die Geschicke der katholischen Kirche in Deutschland. Das gilt insbesondere für die Zukunft des Reformprozesses, den Marx unter dem Titel "Synodaler Weg" wesentlich mitgestaltet hat.

Dabei ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht der "deutsche Papst". Er ist "Primus inter Pares" (Erster unter Gleichen), was freilich im Medienzeitalter eine herausgehobene Stellung ist.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz leitet die Zusammenkünfte der Bischöfe und repräsentiert die Konferenz gegenüber Staat und Gesellschaft. In der Öffentlichkeit tritt er als der Sprecher der Bischöfe auf; in seiner Amtsführung ist er aber an deren Beschlüsse gebunden. Seinen kirchlichen und gesellschaftlichen Einfluss muss er sich erarbeiten: durch Führungs- und Vermittlungsfähigkeiten in der Konferenz, gute Kontakte nach Rom sowie zu anderen Konfessionen, und nicht zuletzt durch überzeugende Präsenz auf den Bühnen der Öffentlichkeit.

Geheime Wahl

Marx ist der sechste Vorsitzende der Bischofskonferenz seit dem Zweiten Weltkrieg. Außer dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hatten alle Konferenzvorsitzenden den Rang eines Kardinals - den Frings und Lehmann allerdings erst während ihrer Zeit als Vorsitzende erhielten.

Mit Weißem Rauch ist in Mainz trotz geheimer Wahlgänge hinter verschlossenen Türen nicht zu rechnen. Öffentlichen Wahlkampf und offizielle Kandidaturen gibt es nicht. Allerdings lud 2014 in Münster der damalige Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, die Bischöfe und Weihbischöfe zu einer Art "Vorkonklave" ein: Einen Tag vor der Wahl sollten sie über das Profil des Vorsitzenden und die Anforderungen an die Kirche in Deutschland beraten. Vorbild war die Papstwahl von 2013: Dort hatten die Kardinäle mehrere Tage lang ihre Erwartungen an den neuen Papst formuliert. Ob es auch in Mainz zu solch einem Brainstorming kommt, steht noch nicht fest.

Ebenso Wahl des DBK-Sekretär

Rechtlich ist die Wahl im Artikel 28 des Statuts der Bischofskonferenz kurz geregelt: "Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Stellvertretende Vorsitzende werden von der Vollversammlung aus dem Kreis der Diözesanbischöfe für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Eine Wiederwahl ist einmal möglich." Zugleich wird auch der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz gewählt, der das Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn leitet. Seit 1996 ist das der Jesuit Hans Langendörfer (69).

Nach den Statuten ist in den ersten beiden Wahlgängen der Vorsitzenden-Wahl eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit. Überraschungen sind bei der freien und geheimen Wahl in Mainz nicht auszuschließen. Das war schon 1987 so, als nicht der Münchner Kardinal Friedrich Wetter, sondern der "einfache" Bischof Karl Lehmann aus Mainz zum Nachfolger des Kölner Kardinals Joseph Höffner gewählt wurde.

Immer wieder wird die Wahl auch als "Stunde der Weihbischöfe" bezeichnet. Zwar kann nur ein Diözesanbischof zum Konferenzvorsitzenden gewählt werden. Aber rein rechnerisch haben die Weihbischöfe - derzeit sind es 41 von 69 Mitgliedern der Bischofskonferenz - die deutliche Mehrheit. Schlägt also in Mainz die Stunde der "Hilfsbischöfe", wie die Weihbischöfe nach dem Kirchenrecht genannt werden?

Christoph Arens
(KNA)

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