Reinhard Kardinal Marx (r.) gibt den DBK-Vorsitz ab
Reinhard Kardinal Marx (r.) gibt den DBK-Vorsitz ab
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

11.02.2020

Kommentar zum Amtsverzicht von Kardinal Marx Alles hat seine Zeit!

Kardinal Reinhard Marx steht nicht für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung. Ist das eher ein stiller Rückzug oder ein glanzvoller Abgang? DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen kommentiert.

Ein schöner Abgang krönt die Kür! Das gilt nicht nur beim Eislaufen. Mit seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit gönnt sich Reinhard Kardinal Marx einen glanzvollen Abgang. Er tritt nicht mehr zur Wahl an und möchte "die jüngere Generation" ans Ruder lassen. Das war selbst für viele seiner Mitbrüder, die ihn vor sechs Jahren in großer kirchlicher Missbrauchsnot gewählt hatten, eine echte Überraschung.

Während man bei seiner Wahl in Münster noch gefeixt hatte, wie viele kirchliche Ämter der neue Vorsitzende denn noch alle schultern wolle, setzt Marx jetzt selber ein ganz deutliches Signal. Wo nicht nur beim Synodalen Weg alle kirchliche Welt heftig über die Kontrolle und Begrenzung der Macht diskutiert, verzichtet der Erzbischof von München und Freising auf ein Amt, das rein formal recht wenig Macht hat, weil jeder Bischof letztendlich für sich und seine Diözese die Verantwortung trägt.

Aber gerade Marx hat es nach dem zögerlichen Amtsstil seines Vorgängers, des Alt-Erzbischofs Robert Zollitsch, wie kein anderer verstanden, der katholischen Kirche eine Stimme im gesellschaftlichen Dialog zu geben. Seine unkonventionelle, bisweilen raumfüllende Amtsführung war bestimmt nicht immer jedermanns Sache – aber er war als Vorsitzender unübersehbar und immer da, wo man ihn brauchte.

Zudem war und ist Marx ein Netzwerker, der nicht nur die Wege nach Rom kennt. Sein Nachfolger wird es nicht einfach haben und muss das Ruder in mehr als unruhigem Fahrwasser übernehmen: Der weitere Verlauf des Synodalen Weges ist nur eine von vielen Baustellen. Da geht es der Kirche wie der CDU. Vorsitzende, die sich selber ins Amt drängen, müssen nicht unbedingt die erste Wahl sein.

Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur

(DR)

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