Schild mit der Aufschrift "Welcome to Chad" - "Willkommen im Tschad"
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Erzbischof Ludwig Schick
Die Entwicklungsarbeit für das Reich Gottes habe kein Verfallsdatum, betont Erzbischof Ludwig Schick in seiner Predigt.

27.11.2019

Erzbischof Schick warnt vor Bedrohung durch radikalislamistische Gruppen Boko Haram verfolgt und tötet Christen

Die Deutsche Bischofskonferenz setzt sich für verfolgte Christen in aller Welt ein. Am Mittwoch hat sie eine Infobroschüre über die Christen in der Sahelzone veröffentlicht. Wie bedroht sind Christen dort?

DOMRADIO.DE: Zur Sahelzone gehören Länder südlich der Sahara wie Mali, Burkina Faso, der Sudan oder der Tschad. Lassen Sie uns mal den Tschad herausgreifen. Das ist ein Land, mit dem die wenigsten von uns zu tun haben. Sie sind selbst erst dagewesen. Was kann man über die Lage der Christen vor Ort sagen?

Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz): Es gibt ganz viele Ethnien in diesem Land, das das fünftgrößte in Afrika ist. Die Christen sind zwar eine beträchtliche Anzahl, also fast 40 Prozent der Gläubigen, die eine Hälfte katholisch und die andere protestantisch. Sie leisten wichtige Beiträge für das Land, die Erziehung und die Gesundheitsfürsorge. Aber sie werden bedrängt, derzeit mehr und mehr durch Boko Haram, die aus dem Norden Afrikas kommen und im Tschad Einfluss suchen. Das macht die Lage der Christen sehr schwierig. Aber auch die Lage der anderen, friedlichen Muslime.

DOMRADIO.DE: Wie sieht das in den anderen Ländern der Sahel-Region aus?

Schick: Dort versuchen auch Boko-Haram-Gruppen, einen islamischen Staat zu errichten, und alle, die sich ihnen nicht unterwerfen und andere Auffassungen vertreten, werden verdrängt, bedrängt, verfolgt und auch getötet.

DOMRADIO.DE: Ländern der Sahelzone werden meist mit Schlagzeilen über Armut, schlechter Lebenssituation und wirtschaftlichen Problemen erwähnt. Spielt das eine Rolle, dass es eine von Armut betroffene Region ist?

Schick: Es gibt wirklich große Armut. Alle diese Länder von Mauretanien über Niger, auch die Länder wie der Tschad und die Zentralafrikanische Republik haben große Armutsprobleme, wodurch die Migration innerhalb der Länder wächst. Die Menschen versuchen, Weide- oder Ackerflächen zu finden und vertreiben sich dann gegenseitig. Das wird dann manchmal noch religiös aufgeheizt. Dann kommt es zu tödlichen Konflikten untereinander - zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

DOMRADIO.DE: Früher war es so, dass die Christen und die Muslime in der Region relativ friedlich zusammengelebt haben. Was hat sich geändert?

Schick: Das ist nicht mehr so, weil dieser Einfluss von außen kommt. Es ist wirklich eine Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, das friedliche Miteinander der Religionen in verschiedenen Ländern zu bewahren und nicht durch radikale islamistische Gruppen stören zu lassen, die überall versuchen, ihr Herrschaftsgebiet auszuweiten. Das ist auch im Tschad im Augenblick so. Das macht die Situation schwierig und stachelt auch die Christen und die Muslime gegeneinander auf. Man muss halt versuchen, dass die radikalen und fundamentalistischen Einflüsse von außen eben nicht eindringen können und dort stören.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielen wir als deutsche Kirche? Sie wollen ja nicht bloß die Missstände feststellen, sondern auch etwas dagegen unternehmen. Wie funktioniert das denn?

Schick: Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Einmal: Wir müssen die Politik mit einbeziehen. Die Bundeskanzlerin hat ja in der vorvorigen Woche einen Afrika-Gipfel gehalten. Sie bezieht uns da auch immer ein. Wir sagen: Stärkt die Regierungen dort, aber auch so, dass sie die demokratischen Strukturen erhalten und feindliche und störerische Elemente auch abhalten können. Es gibt ja auch deutsche und internationale Truppen in diesem Gebiet. Die bewirken, dass die Menschen friedlich dort weiterhin zusammenleben können, das muss verstärkt werden.

Zum anderen: Wir müssen innerkirchlich die Christen stärken, dass sie auch ihre interreligiösen Dialog führen können. Darin sind die Christen führend. Sie versuchen, mit allen friedliebenden Religionen, vor allen Dingen mit Muslimen in dieser Region, interreligiöse Foren zu schaffen, die den Frieden unter den Religionen propagieren und voranbringen. Wenn Konflikte auftauchen, dass sie fähig sind, sie wieder zu lösen, sodass der Friede bewahrt bleibt.

Wir müssen die Einrichtungen der Kirche unterstützen. Bildung ist mit der wichtigste Faktor gegen Radikalisierung und gegen Religionskriege. Das wissen wir. Da müssen wir die Kirche unterstützen. Das tun wir durch missio, durch Misereor und alle unsere Aktionen.

DOMRADIO.DE: Was haben Sie im Tschad gesehen, das Ihnen Hoffnung bereitet hat?

Schick: Hoffnung bereitet mir vor allen Dingen die Aktivitäten der Kirche. Sie haben ganz viele Schulen, auch Schulen für Nichtchristen. Dadurch entsteht Bildung und das Verständnis untereinander. Da wird halt auch die christliche Botschaft des Friedens, der Gleichheit aller Menschen, der gleichen Würde und Rechte aller Menschen propagiert. Das ist sehr hoffnungsvoll, was da geschieht, auch wenn es jetzt in Bedrängnis geschieht. Aber das bringt auch Früchte.

Die Kirche ist ein ganz wichtiger Faktor und kann helfen, dass auch Armut überwunden wird, dass die Menschen friedlich miteinander umgehen und leben. Das müssen wir unterstützen und das ist hoffnungsvoll. Dieser Hoffnung muss man Flügel geben, damit Bildung, Krankenfürsorge, Verständnis und das vom christlichen Geist getragene Miteinander weitergehen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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