Pressekonferenz zur Amazonassynode und zur Klimadebatte
Pressekonferenz zur Amazonassynode und zur Klimadebatte

25.09.2019

Bischof Overbeck knüpft hohe Erwartungen an Amazonas-Synode Symbolische Bedeutung für die Weltkirche

Bereits im Oktober tagt in Rom die Amazonas-Synode. Auch in den Reihen der Deutschen Bischofskonferenz gibt es große Erwartungen an das Treffen. Es habe gar eine "hohe symbolische Bedeutung" für die gesamte katholische Kirche.

Das sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen) am Mittwoch in Fulda. Das gelte nicht nur wegen des für alle Menschen bedeutsamen Umwelt-Themas. Wichtig sei auch die innerkirchlich intensiv geführte Debatte darüber, wie die katholische Weltkirche künftig stärker regional unterschiedlich aufgestellt werden könne. Overbeck äußerte sich am Rande der Herbstvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe.

Streitthema Zölibat

Zum Thema der innerkirchlichen Differenzierung erklärte der Bischof: "Wir brauchen eine neue Form der Regionalisierung." Künftig müsse man auch darüber nachdenken, welche Konsequenzen die Kirche aus den sehr unterschiedlichen kulturellen und seelsorgerischen Voraussetzungen in Ost-, West-, Nord-, und Südeuropa ziehen sollte.

Das Verhältnis von Weltkirche und Ortskirche, von Einheit und Verschiedenheit könne neu austariert werden, ohne die Einheit der Kirche zu gefährden. Dies müsse auf der Grundlage der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) geschehen.

Zur verpflichtenden Ehelosigkeit der Priester, dem Zölibat, meinte Overbeck, er halte es für möglich, dass es in der Amazonas-Region künftig Ausnahmegenehmigungen für die Priesterweihe verheirateter Männer geben werde. Der Priestermangel dort sei so dramatisch, dass in manchen Gemeinden nur einmal im Jahr eine Messe gefeiert werden könne.

In Deutschland stelle sich dieses Problem in dieser Form noch bei weitem nicht, Amazonien und Deutschland seien aus Sicht der Seelsorge äußerst unterschiedlich.

Misereor: "Amazonien hat eine Lungenentzündung"

Kurz vor Beginn der Amazonas-Synode in Rom hat der Hauptgeschäftsführer des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, unterdessen die prekäre Lage Amazoniens angeprangert. "Die Region ist zerrieben zwischen diversen Interessen", sagte Spiegel am Mittwoch während der Herbst-Vollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. "Amazonien hat eine Lungenentzündung. Wälder in Amazonien brennen", sagte er. Völker und Menschen in der Region würden aus ihrer Heimat vertrieben.

Auch Kaufentscheidungen in Deutschland hingen mit dem Leben dort zusammen: "Unsere Autos fahren mit Eisen aus Amazonien, auf unseren Tellern liegt Fleisch aus Amazonien. Amazonien ist sozial, kulturell und ökologisch bedroht", warnte Spiegel.

Die Amazonas-Synode beginnt am 6. Oktober in Rom. Sie ist eine Sonderversammlung von Bischöfen und Ordensvertretern aus Ländern der Amazonasregion im Vatikan - auch Spiegel wird an der Synode teilnehmen. Misereor unterstützt nach eigenen Angaben mehr als 100 Projekte lokaler Partner in Amazonien mit insgesamt rund zehn Millionen Euro pro Jahr.

Spiegel, der 15 Jahre lang als Pfarrer in Brasilien gearbeitet hat, berichtete, dass an manchen Orten im Regenwald Priester nur einmal im Jahr ein Messe feiern könnten. Er selbst habe ein Gebiet mit 40.000 Gläubigen betreut und zur Regenzeit manche Orte nur auf einem Esel reitend oder zu Fuß erreichen können. "Die geografischen Entfernungen haben auch zu pastoraler Entfernung geführt", sagte Spiegel.

Weihbischof Lohmann: Greta und der Papst ergänzen sich

Große Bewunderung für die schwedische Schülerin und Klima-Aktivistin Greta Thunberg hat der Münsteraner katholische Weihbischof Rolf Lohmann währenddessen zum Ausdruck gebracht. "Ich finde dieses Mädchen toll, wie sie ihre gottgegebenen Gaben einsetzt, um die Menschen in einem so wichtigen Anliegen wachzurütteln!" Gretas Verhalten habe "etwas Prophetisches", so Lohmann, der in der Deutschen Bischofskonferenz für Umweltfragen zuständig ist, am Mittwoch in Fulda.

Der Weihbischof erklärte, selbst schon an einer Demonstration der Bewegung "Fridays For Future" teilgenommen zu haben. Die Appelle Thunbergs und die von ihr ausgehende weltweite Mobilisierung seien eine ideale Ergänzung zu dem, was Papst Franziskus bereits im Jahr 2015 mit seiner viel beachteten Umwelt-Enzyklika "Laudato Si" auf den Weg gebracht habe. Allerdings sei das Aufmerksamkeits-Potential eines 16-jährigen Mädchens derzeit offenbar größer als das des 82-jährigen Papstes.

Thunberg, die die weltweite Bewegung "Fridays for Future" ins Leben gerufen hat, wird in diesem Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, wie die in Stockholm ansässige Right-Livelihood-Stiftung am Mittwoch mitteilte. Mit ihr werden die Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar aus der Westsahara, die chinesische Frauenrechtlerin Guo Jianmei sowie der brasilianische Ureinwohner Davi Kopenawa und seine Vereinigung Hutukara Yanomami ausgezeichnet.

(KNA, epd)

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