Bischof Michael Gerber
Bischof Michael Gerber

23.09.2019

Bischof Gerber vor der Vollversammlung der Bischöfe "Schöpferisch nach vorne gehen""

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber ist nicht nur jüngster Diözesanbischof in Deutschland. Nun wird er auch erstmals die Gastgeberrolle bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz übernehmen, die ab diesem Montag tagt.

Der neue Fuldaer Bischof Michael Gerber gilt als naturverbunden und unkonventionell. Es ist nicht nur so, dass der aus dem Schwarzwaldort Oberkirch stammende katholische Geistliche gern wandert und pilgert. Auch Interviews mit Journalisten führt er bei schönem Wetter schon mal auf Gartenstühlen im Bischofsgarten - und nicht nur in den repräsentativen historischen Räumen des Bischofshauses.

Erstmals Gastgeber bei Herbstvollversammlung der Bischöfe

Gerber klammert sich nicht an Althergebrachtes. Schon bei seiner Predigt zur Amtseinführung Ende März bekam er von den eintausend im Fuldaer Dom versammelten Menschen spontanen Beifall für seinen Satz: "Manches Neue passt einfach nicht in die vorgefertigten Formen."

Nun ist er erstmals Gastgeber der ab Montag in Fulda tagenden Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. Die Diözesan- und Weihbischöfe aus den 27 Bistümern beraten und übernachten im Bischöflichen Priesterseminar neben dem Fuldaer Dom - auch diesmal geschützt von einem starken Polizeiaufgebot.

Wird es seitens der Bischöfe mehr Offenheit nach außen geben als bisher? Immerhin wollen katholische Frauengruppen die Bischöfe mit ihren Forderungen nach mehr Gleichberechtigung konfrontieren. Gerber sagt im Vorfeld auf Anfrage nur soviel: Er werde sich bemühen, ein ebenso guter Gastgeber zu sein wie sein Amtsvorgänger, der emeritierte Bischof Heinz Josef Algermissen.

Bischof Geber traf sich mit Maria 2.0-Vertreterinnen

Noch hat Gerber den Bonus des jugendlich-dynamischen Bischofs. Der jüngste Diözesanbischof in Deutschland ist er mit 49 Jahren ohnehin. "Das war ich auch mal - das geht vorüber", scherzte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, bei Gerbers Amtseinführung. Damals zeigte sich Marx beeindruckt von der "Lebendigkeit", "Offenheit" und "geistlichen Tiefe" des neuen Fuldaer Bischofs. Gerber sei ein Bischof, "der Freude ausstrahlt".

Gerber ragt schon durch seine Körpergröße von 1,92 Metern aus jeder Gruppe heraus. Als Diözesanbischof legt er Wert darauf, andersartige Meinungen anzuhören - auch wenn er sie am Ende nicht teilt.

Im Mai hatte er fünf Vertreterinnen der Frauenprotestaktion "Maria 2.0" getroffen. "In einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung" seien Gemeinsamkeiten und Unterschiede offen benannt worden. Sehr skeptisch zeigt sich Gerber gegenüber der auch von Maria 2.0 erhobenen Forderung nach einer Zulassung von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte er dazu: "Ich halte diese konkrete Forderung für wenig realistisch." Das gelte insbesondere, "wenn man die Tradition der katholischen Kirche sieht, die ja eine weltweite Kirche ist".

Er betont aber auch: "Wir müssen Frauen in der katholischen Kirche stärker als bisher ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht einräumen." Gerber verwies darauf, dass Frauen beispielsweise schon länger Schwesterngemeinschaften leiten.

Bischof Ackermann: Bischofskonferenz "ein bisschen wie ein Hühnerhof"

Die Frauenfrage dürfte nur eines der Themen sein, die die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung umtreiben werden. Insgesamt gibt es innerhalb der Bischofskonferenz durchaus unterschiedliche Ansätze, welche Konsequenzen aus den erschreckenden Ergebnissen der Missbrauchsstudie zu ziehen sind.

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, gewährte hierzu im Februar einen kleinen Einblick in seine Seele. Bei einer Podiumsdiskussion sagte Ackermann, die Bischofskonferenz sei zuweilen "ein bisschen wie ein Hühnerhof". Andererseits wäre es auch nicht richtig, wenn die Bischöfe eine "Schein-Einmütigkeit" vorgäben, so Ackermann.

Gerber sieht die Rolle der Kirchen generell darin, "den Horizont zu weiten", nicht nur im Umgang mit Rechtspopulisten. Die Gesellschaft ist nach seiner Einschätzung in einem unumkehrbaren Veränderungsprozess. "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass der Umbruch ein Dauerzustand ist", sagte Gerber mehrfach.

Und: "Es wird nicht mehr ruhiger auf der Erde werden in unserer Lebenszeit." Die Kirche müsse sich fragen, wie sie in diesen Umbruchzeiten "schöpferisch nach vorne gehen" könne. Hier befinde sich die katholische Kirche heute in bester Gesellschaft mit den ersten Christen.

Von Norbert Demuth

(KNA)

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