Bischof Michael Gerber
Bischof Michael Gerber
Deutsche Bischöfe
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18.09.2019

Fuldaer Bischof Gerber ist "Gastgeber" der Bischofsvollversammlung "Ringen in einem geistlichen Prozess"

Für ihn ist es eine aufregende Premiere: Zum ersten Mal empfängt Fuldas Bischof Michael Gerber kommende Woche - quasi als "Gastgeber" - alle deutschen Bischöfe zur Herbstvollversammlung in seiner Bistumsstadt.

DOMRADIO.DE: Sie sind zum ersten Mal vom kommenden Montag bis Donnerstag "Gastgeber" der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Wie fühlen Sie sich dabei?

Michael Gerber (Bischof von Fulda): Das ist natürlich ein besonderer Moment. Ich war ja selbst fünfmal bei der Herbstvollversammlung bei Bischof Heinz-Josef Algermissen zu Gast. Damals habe ich die Gastfreundschaft in Fulda und auch die Stadt, soweit ich sie damals wahrnehmen konnte, sehr schätzen gelernt. Von daher ist es natürlich auch etwas Besonderes, jetzt selber "Gastgeber" zu sein.

Wobei ich auch sagen darf, dass ich da auch sehr auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertraue. Das ist ein ganz eingespieltes Team im Priesterseminar. Das wird in den nächsten Tagen auch durch weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Generalvikariat ergänzt. Da ist eine Routine und Professionalität gegeben.

DOMRADIO.DE: Müssen jetzt bestimmte Vorbereitungen getroffen werden? Putzt sich das Bistum ganz besonders heraus, wenn jetzt alle Bischöfe kommen?

Gerber: Ich habe den Eindruck, dass man hier im Bistum gewohnt ist, damit gut umzugehen. Das Priesterseminar wird soweit hergerichtet, wie wir das auch sonst für Tagungen machen. Sehr schön ist immer, dass wir die Gottesdienste im Dom feiern. Hervorzuheben ist da vielleicht der Dienstagmorgen, die feierliche Eröffnung, wo auch unser Jugendkathedralchor mitwirkt. Das ist ein Chor mit hundert jugendlichen Sängerinnen und Sängern. Wir haben gerade vor zwei Wochen deren 30-jähriges Bestehen gefeiert. Es ist ein sehr aktiver Chor, ein Chor aus dem auch schon eine ganze Reihe von professionellen Sängerinnen und Sängern hervorgegangen sind.

Sehr schön ist natürlich auch die Vesper am Donnerstagabend, eindrucksvoll ist der Segen mit der Bonifatius-Reliquie - ein Einzelsegen für alle anwesenden Bischöfe. Und dabei sind dann auch ganz viele Abordnungen aus dem Bistum, von den verschiedenen Verbänden, von den geistlichen Gemeinschaften, die dann mit ihren Fahnen aus- und einziehen. Es feiern auch viele Gläubige mit.

DOMRADIO.DE: Haben Sie als "Gastgeber" der Bischöfe besondere Aufgaben? Vielleicht abends nochmal auf Wunsch eine kleine Stadtführung oder Ähnliches machen. Kommt so etwas auf Sie noch zu?

Gerber: Nein, das tatsächlich nicht, da wir oft sehr stark außerhalb des Programms in Kommissionssitzungen eingebunden sind. Was wir jetzt tatsächlich neu eingeführt haben, sind nochmal Gebetszeiten von der Innenstadtgemeinde. Wir wollen ganz bewusst die Bischofskonferenz hier im Gebet begleiten.

Es gibt von der Citypastoral und von der Innenstadtgemeinde eine Initiative, das auch durch begleitende Gebetszeiten zu tun, damit einfach spürbar wird, dass wir miteinander im Gespräch sind. Wir sind natürlich in diesen Tagen auch mit ganz unterschiedlichen Menschen im Volk Gottes im Gespräch. Und wir sind vor allem im Gebet mit dem Herrn immer wieder auf der Suche danach, wie jetzt der Weg der Kirche für die Zukunft aussieht.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe werden alle im Priesterseminar untergebracht sein. Das heißt, in ganz schlichten Zimmern. Aber Sie ziehen während der Zeit nicht dort ein, sondern bleiben zu Hause. Wie ist das?

Gerber: Ich bleibe daheim. Aber das liegt fußläufig gerade Mal hundert Meter vom Priesterseminar entfernt. Für mich ist es ganz praktisch, denn im Haus ist auch das Büro. Je nachdem, wenn vielleicht auch noch im Hintergrund für die Bischofskonferenz etwas zu regeln ist, das ist auch ganz sinnvoll. Aber ich bin natürlich bei allen Mahlzeiten, allen Gottesdiensten und allen Sitzungen genauso dabei wie alle anderen Bischöfe. Da bin ich dann einfaches Mitglied der Bischofskonferenz, wie alle anderen auch.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich für die Bischofskonferenz in Fulda?

Gerber: Ich wünsche mir das, was der Wunsch sehr vieler Bischöfe ist: Nämlich, dass wir unsere Diskussionen, unser Ringen in einem wirklich geistlichen Prozess vollziehen. Geistlicher Prozess heißt für mich: Ein tieferes Hinhören für das, was Gott uns auch gerade durch denjenigen sagen möchte, die vielleicht eine andere Position vertreten als man selbst. Ich wünsche mir, dass man dann nochmal gut hinhört und sich fragt, wo einem Gott da möglicherweise einen Impuls geben möchte.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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