Spitzen des Kölner Doms
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Msgr. Dr. Markus Hofmann
Msgr. Dr. Markus Hofmann
Pater Hans Langendörfer
Pater Hans Langendörfer

20.07.2018

Bistümer veröffentlichen Statistik für das Jahr 2017 Kirche soll wachsen

Die Kirchenstatistik für 2017 ist da: 28 Prozent der Deutschen sind in der Katholischen Kirche, die Zahl der Austritte steigt. Für den Kölner Generalvikar eine Herausforderung für alle Christen, auch im Erzbistum. Ein selbstkritischer Blick sei nötig.

Alle Zahlen im Überblick hier.

Als Herausforderung für alle Christen im Erzbistum Köln bezeichnet Generalvikar Markus Hofmann die "Zahlen des kirchlichen Lebens" für das Jahr 2017, die das Erzbistum Köln gemeinsam mit den anderen deutschen Bistümern Freitag vorgelegt hat. "Unser Erzbistum wird sich verändern. Deswegen machen wir uns auf einen ‚Pastoralen Zukunftsweg‘."

1.971.823 Katholiken gehörten 2017 zum Erzbistum Köln. Die Zahl der Katholiken ist im vergangenen Jahr um 21.141 Menschen gesunken. Der Rückgang hat sich verlangsamt - im Vorjahr war die Zahl der Katholiken noch um 25.760 zurückgegangen. 13.931 Menschen sind aus der Kirche ausgetreten. Es sind 5.894 mehr Menschen gestorben, als getauft wurden. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Umzüge in ein anderes Bistum.

Acht Prozent feiern sonntags Gottesdienst

Die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher ist nahezu gleich geblieben. Sonntags feiern 166.037 Menschen (rund 8,42 Prozent der Katholiken) die heilige Messe mit (2016: 172.877/ 8,67 %). In dem Jahr wurden 14.051 Kinder getauft, 15.101 gingen zur Erstkommunion und 8.525 Jugendliche zur Firmung. Damit liegen die Zahlen mit leichten Verlusten nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.

Entscheidende Weichenstellungen

Im Rahmen des "Pastoralen Zukunftsweges" sei nun ein selbstkritischer Blick auf das Erzbistum nötig, sagt Generalvikar Markus Hofmann. "Beim Diözesanpastoralrat im Juni wurden schon entscheidende Weichenstellungen für den ‚Pastoralen Zukunftsweg‘ gesetzt." In fünf Arbeitsfeldern sollen sich nun alle Kirchenmitglieder beteiligen und eine Zukunftsperspektive für das Erzbistum entwickeln. "Beim Diözesanpastoralrat und alltäglich merke ich, mit wieviel Herzblut sich Menschen für die Kirche einsetzen. Dieses Engagement für eine Gestaltung der Kirche macht mir Mut, positiv in die Zukunft zu schauen", erklärt Generalvikar Hofmann und hofft sogar auf eine Umkehrung: "Im Moment sinken die kirchlichen Zahlen bei uns, aber wir dürfen trotzdem an eine wachsende Kirche glauben, weil Gott selbst es ist, der sie wachsen lässt, wie man seit 2000 Jahren weltweit sehen kann".

So sieht es in deutschlandweit aus

Die Katholiken machen in Deutschland 28,2 Prozent der Gesamtbevölkerung aus (23.311.321 Kirchenmitglieder). Wie bereits in den vergangenen Jahren wird aufgrund von Strukturveränderungen in den Bistümern die Zahl der Pfarreien geringer: 10.191 (2016: 10.280). Insgesamt gibt es 13.560 Priester (2016: 13.856). Davon sind 6.740 Pfarrseelsorger (2016: 6.844). Außerdem gibt es 3.308 Diakone (2016: 3.296, 2015: 3.304), 3.238 Pastoralreferentinnen und -referenten (2016: 3.200) und 4.557 Gemeindereferentinnen und -referenten (2016: 4.537).

Weitgehend stabil bleibt der Sakramentenempfang. So lagen die Taufzahlen 2017 bei 169.751 (2016: 171.531) und die Bestattungen bei 243.824 (2016: 243.323). Leicht zugenommen hat die Zahl der Erstkommunionen mit 178.045 (2016: 176.297). Die katholische Kirche konnte im Jahr 2017 bei den Eintritten und Wiederaufnahmen einen geringen Zuwachs verzeichnen. So lag die Zahl der Eintritte bei 2.647 (2016: 2.574), die Zahl der Wiederaufnahmen bei 6.685 (2016: 6.461). Die Zahl der Kirchenaustritte ist in 2017 leicht gestiegen: 167.504 Menschen haben die Kirche verlassen (2016: 162.093).

Katholikentag machte Hoffnung

Zur Statistik erklärt der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Dr. Hans Langendörfer SJ: "Wir sind dankbar, dass rund 28 Prozent der Bevölkerung in unserem Land zur katholischen Kirche gehören. Die Möglichkeiten, das Leben individuell zu gestalten – und damit auch die religiöse Ausrichtung –, sind so vielfältig wie nie. Manche Menschen fühlen sich der Kirche dadurch noch enger verbunden. Andere Menschen wählen für sich einen anderen religiösen Weg – oder auch keinen –, sodass wir diese Menschen leider verlieren. Die Anzahl der Kirchenaustritte schmerze, so Langendörfer, zudem verbleibe sie auf einem hohen Niveau. 

Langendörfer sieht dennoch ein großes Potential der Gemeinschaft, auch wenn die Zahlen des Sakramentenempfangs in den vergangenen Jahren immer leicht nach unten gingen. Beispielsweise habe der Katholikentag in Münster die Kraft des Christentums gezeigt. Gerade bei der Taufspendung, der Erstkommunion und der Firmung sei das Engagement von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, aber auch von vielen anderen Kirchenmitgliedern verlangt, um junge Menschen von der Kraft des christlichen Glaubens und eines Lebens in der Kirche zu überzeugen. Dazu werde schon jetzt vieles geleistet, gerade in den Jugendverbänden oder als aktuelles Beispiel durch die bevorstehende Ministrantenwallfahrt nach Rom, an der aus Deutschland über 50.000 junge Menschen teilnehmen.

Hinsichtlich der Zahl der Gottesdienstbesucher (2017: 9,8 Prozent) verweist Langendörfer auf den Umstand, dass all jene Gläubigen, die zwar nicht jeden Sonntag, wohl aber häufiger oder ab und zu kommen und so ebenfalls praktizierende Gläubige sind, nicht mitgezählt würden. Zudem seien an den wichtigen Festen wie Weihnachten und Ostern die Kirchen nahezu überfüllt. Das zeige, dass an diesen Tagen Kirche dazugehört.

Weniger junge Priester

Die geringer werdende Zahl von jungen Priestern zeige, so Langendörfer, dass die Erwartung gesunken ist, im Wirken als Seelsorger Freude und Erfüllung zu finden. Die Bistümer in Deutschland nähmen zahlreiche Strukturveränderungen vor, die allerdings für das Profil des Priesterberufs teils einschneidende Änderungen bewirken. Umso erfreulicher sei es, dass die Zahlen von Diakonen, Gemeindereferentinnen und -referenten sowie Pastoralreferentinnen und -referenten weiterhin auf einem stabilen Niveau bleiben.

Die Zahlen zeigten insgesamt, dass Kirche in einer Welt der Individualisierung, der pluralen Religiosität – in einer Welt des Umbruchs – lebe. Sie zeigten aber auch, dass die Verantwortlichen sich kritisch reflektieren müssten. Langendörfer: "Wir müssen neue Wege finden, wie wir Menschen erreichen, sie begleiten und ihnen nah sein können. Als Christen sind wir eine starke Gemeinschaft mit einer starken Botschaft."

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