Vollversammlung der DBK
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21.02.2018

Neue Dialoginitiativen in Richtung Mittel- und Osteuropa Bischöfe leisten europäische Pionierarbeit

Ost- und Westeuropa entfernen sich wieder voneinander - knapp 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Diesen Trend umzukehren gelang der Politik bisher nicht. Nun versuchen es die katholischen Bischöfe.

"Es ist wie bei der ersten Liebe, da läuft alles ganz flott", sagt Bambergs katholischer Erzbischof Ludwig Schick. Die erste Liebe, das war die Zeit nach 1989, der Eiserne Vorhang war gefallen, die Zukunft zwischen Ost und West schien rosig.

"Euphorie-Phase" nennt es der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Mittlerweile gleicht die Beziehung der Westeuropäer zu Mittel- und Osteuropa schon eher einer längeren Ehe mit allen Schwierigkeiten im Alltag. Und eine Verbindung, die gerade in Krisenzeiten gepflegt werden muss.

Zuhören und verstehen

Das zumindest haben sich die Bischöfe vorgenommen. Dabei könnten sie Pionierarbeit für die gesamte EU leisten. Beim Studientag der Frühjahrsvollversammlung am Mittwoch in Ingolstadt geht es erst einmal um das Verstehen des Partners. Das heißt zuhören, und zwar nicht anderen Bischöfen, sondern Experten, die nicht nur die Kirchen, sondern auch die Gesellschaften der jeweiligen Länder kennen. Konkret sind es Ungarn, Polen und Tschechien.

Tomas Halik ist so einer: Theologe, Philosoph und Soziologe. Der Tscheche erklärt nicht nur die Logik der Populisten, die für ihn kein reines mittel- und osteuropäisches Phänomen sind. Er verweist auf Donald Trump, den Brexit und die AfD. Er räumt auch gleich mit der von Populisten immer wieder bemühten Idee eines früheren christlichen Europa auf. Dies war, so analysiert er, "nie eine Realität, das war ein Traum der Romantik des 19. Jahrhunderts".

Ehrlicher Austausch gefragt

Unerlässlich sei es daher, dieser Nostalgie mit einer gründlichen, kulturellen Debatte über die eigene Identität zu begegnen, rät Halik. Denn die fehle vielfach den durch die Globalisierung verunsicherten Menschen. Gefragt seien keine "Phrasen", sondern ein ehrlicher Austausch. Theologen müssten sich einmischen, fordert er von seinem eigenen Berufsstand, auch wenn Christen nicht nur in Tschechien eine Minderheit seien, "aber wir sollten eine kreative Minderheit sein".

Verstehen müssen die Westeuropäer aber auch die Empfindlichkeiten ihrer Dialogpartner. Das fordert mit Nachdruck der ungarische Religionswissenschaftler Andras Mate-Toth. Für ihn ein zentraler Schlüssel: die noch nicht aufgearbeiteten 40 Jahre des Kommunismus in seinem Land. Ganz verständlich findet er das und verweist darauf, wie lange Deutschland für die Aufarbeitung der zwölf Jahre NS-Herrschaft gebraucht habe.

"Kein Freibrief für einfache Etikettierungen"

Aus der kommunistischen Epoche rührten starke Ängste in Ungarn, gerade wenn viele fremde Menschen anklopften: die Furcht vor dem Verlust der eigenen Autonomie, aber auch die vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Das alles rechtfertigt für Mate-Toth nicht die populistische Politik oder gar eine Verbreitung von Hass- und Angst-Parolen. "Das ist auch in Ungarn sehr unappetitlich." Aber es gebe westlichen Kommentatoren auch keinen Freibrief für einfache Etikettierungen, etwa mit Blick auf Ministerpräsident Viktor Orban, der immer wieder als Nationalist, Populist oder korrupter Oligarch gebrandmarkt werde.

"Wir müssen Empfindlichkeiten verstehen für einen erfolgreichen Dialog", erklärt Mate-Toth. Dazu hat der Studientag der Bischofskonferenz sicher beigetragen. Es bleiben aber trotzdem die unterschiedlichen Auffassungen, nicht nur in theologischen Fragen wie etwa Ehe, Familie und Sexualität, sondern auch handfeste politische Differenzen. Dazu zählt etwa die schleichende Abschaffung der Gewaltenteilung in Polen.

"Dialog hat kein Verfallsdatum"

Über solche Tendenzen müsse "sehr deutlich" gesprochen werden, sagt Schick. Das betreffe nicht nur die staatliche Ebene, etwa in Form der Europäischen Union, sondern auch die Kirche. Trotzdem: Solche Schwierigkeiten dürfen für den Erzbischof kein Hindernis sein für den Austausch. "Dialog hat kein Verfallsdatum", unterstreicht der Vorsitzende der Kommission Weltkirche.

Auf allen Ebenen bis hin zu Pfarrgemeinden soll der Austausch nun stattfinden - auch mit Hilfe des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Wie ernst den Bischöfen dieses Anliegen ist, zeigt eine Initiative von ganz oben: Ende August wird Kardinal Reinhard Marx als Bischofskonferenz-Vorsitzender ins polnische Danzig reisen, um den polnisch-deutschen Dialog voranzubringen.

Christian Wölfel
(KNA)

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