Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx

28.09.2017

Herbstvollversammlung endet mit Festakt zum 150-jährigen Bestehen Politik, Umwelt, Islam und die Bischöfe

Die Palette der Themen war groß: Islam, Terrorismus, Umwelt, AfD. Und natürlich ging es den 67 katholischen deutschen Bischöfen bei ihrer Herbstvollversammlung auch um die Ökumene.

Der Beginn einer Liebe ist es ganz bestimmt nicht. Als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag in Fulda erklärte, mit Blick auf die im Bundestag vertretenen Parteien gebe es "keine generelle Gesprächsverweigerung", spiegelte das die Haltung wider, die sich bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe zum Konsens Richtung AfD entwickelt hatte: Die Rechtspopulisten sitzen jetzt im Reichstag, und es macht keinen Sinn, das zu ignorieren.

Allerdings müsse auch ein Gesprächsinteresse von der anderen Seite formuliert werden, und dann müsse geschaut werden, wie dem entsprochen werden könne. Es dürfe keinesfalls nur darum gehen, später sagen zu können, es habe einen Dialog gegeben.

Stark politische Themen

Wie das Thema AfD, so waren auch anderen Themen der Bischofsversammlung stark politisch: Am Mittwoch hatten sich die Bischöfe mit Hans Joachim Schellnhuber einen hochkarätigen Referenten eingeladen. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sprach über Ursachen und Folgen des Klimawandels. Deutlich wurde: Die Kirche sieht sich spätestens seit dem päpstlichen Lehrschreiben zu Umweltfragen aus dem Jahr 2015 auch selbst in der Pflicht zum Handeln.

Entsprechend kündigten die Bischöfe ein stärkeres Engagement an. Sie wollen dazu beitragen, persönliche, gesellschaftliche und politische Leitbilder zu wandeln. Die Kirche selbst müsse ein Ort "der Sensibilisierung für einen umweltbewussten und solidarischen Lebensstil" sein.

Dialog mit Muslimen nicht unterbrechen

Am Tag davor war es um die weitere Marschrichtung für den Dialog mit den Muslimen gegangen: Trotz einer nüchternen Bestandsaufnahme soll der christlich-islamische Gesprächsfaden nicht unterbrochen werden. Es sei nicht sinnvoll, eine Religion allgemein als gewaltbereit zu sehen, hieß es. Zugleich irritieren fundamentalistische Strömungen und der innerislamische Umgang damit.

Die Bischöfe nehmen es als schmerzlich wahr, dass kriminelle Extremisten sich auf eine Religion berufen. Deutlich erschwert bewerten die Bischöfe nach dem Putschversuch in der Türkei auch die Gespräche mit dem deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib. Doch auch die sollen weiter gehen.

Freundschaft zwischen Katholiken und Protestanten

"Sehr zufrieden" zeigte sich Marx mit dem Verlauf des Reformations-Gedenkjahres. Der "Grundwasserspiegel der Freundschaft" zwischen Katholiken und Protestanten sei eindeutig gestiegen. Ohne Freundschaft könne es kein Verstehen geben, erklärte er. Differenzen, auch im sozialethischen Bereich, sollten deswegen aber nicht verschwiegen oder zugekleistert werden.

Bei der Pressekonferenz wurde Marx dann nach einem Zitat des früheren Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, gefragt. Der hatte gesagt, er erwarte sich bis zum Ökumenischen Kirchentag 2021 einen Durchbruch mit Blick auf die wechselseitige Zulassung zur katholischen Eucharistie und zum evangelischen Abendmahl.

Zeitdruck in Ökumene bringt nicht voran

Marx Reaktion auf Huber, einst Erfinder der "Ökumene der Profile", war klar: Es sei "nicht hilfreich", konkrete Daten zu nennen. Zeitdruck bringe eine Sache nicht voran.

Auf katholischer Seite befassen sich derzeit zwei Kommissionen, nämlich die für Glaubensfragen und die für Ökumene, mit der praktischen Umsetzung: Wie soll beispielsweise künftig mit gemischt-konfessionellen Paaren umgegangen werden?

Voderholzer: "Gott verantwortlich"

Eine Rückbesinnung der katholischen Bischöfe auf ihren persönlichen Verkündigungsauftrag hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gefordert. Die Verkünder des christlichen Glaubens seien nicht dem Zeitgeist und den Medien verantwortlich, sondern Gott, betonte er in einer Predigt zum Abschluss der Herbstvollversammlung am Donnerstagabend.

Voderholzer erinnerte daran, dass schon der Heilige Bonifatius das Christentum als eine Gewissensreligion gelehrt habe.

Das Feuer des Glaubens weitergeben

"Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken", so der Regensburger Bischof.

Kirchliches Leben brauche mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder seien gefragt. "Menschen die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können."

Persönliche Verantwortung für Glaube

Der formale Kern des Glaubens sei die "persönlich verantwortete Zeugenschaft". Daher könne es in der Kirche keine anonyme Leitung geben.

"Die personale Inpflichtnahme darf nicht durch Gremien oder Synoden aufgehoben werden, durch letztlich anonyme Großen, hinter der die persönliche Zeugenschaft und auch die persönliche Verantwortlichkeit zu verschwinden droht", mahnte Voderholzer und erklärte: "Die Kollegialität der Bischöfe hebt die Personalität und persönliche Verantwortung des einzelnen nicht auf, sondern setzt sie voraus."

Festakt zum 150-jährigen Bestehen

Ganz zum Schluss und nach dem offiziellen Ende der Vollversammlung beschäftigten die Bischöfe sich dann mit sich selbst: Im Stadtschloss stand ein Festakt an, bei dem die Bischöfe der Gründung der Deutschen Bischofskonferenz vor 150 Jahren gedachten.

Der Bochumer Fundamentaltheologe Hermann Josef Pottmeyer ermunterte dabei die Christen vor Ort zu stärkerem Engagement. Papst Franziskus habe sowohl die Ortskirchen mit allen ihren Mitgliedern als auch die Bischofskonferenzen aufgewertet.

Pottmeyer: Synode steht Tür offen

Indirekt regte Pottmeyer auch eine Synode, also eine große Kirchenversammlung, an: "Sollte sich angesichts des tiefgreifenden Umbruchs, vor dem die Kirche in unserm Land steht, wieder der Wunsch und Bedarf nach einem gemeinsamen synodalen Unternehmen ergeben, in Rom würde man heute dafür auf offene Ohren und Türen stoßen."

(KNA)

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