Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

21.09.2016

Kardinal Marx kritisiert Flüchtlingsdebatte "Auf christliches Grundprinzip besinnen"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat scharfe Kritik an der Flüchtlingsdebatte in Deutschland geübt. Zudem geht er davon aus, dass künftig noch ganz andere Dimensionen zu stemmen sind.

Die Diskussion der vergangenen Monate erwecke den Eindruck, als sei es das Wichtigste, möglichst viele Schutzsuchende wieder loszuwerden, sagte Marx am Dienstagabend am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda im ZDF-"heute journal". "Wir können diese Menschen nicht einfach als Menschen sehen, die wir am liebsten am schnellsten von uns wegschieben." Man könne den Armen nicht den Rücken zukehren.

Keine erneute Reaktion auf CSU-Äußerung

Marx wollte sich nicht zu den abfälligen Worten von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer über Asylbewerber äußern. "Ich bin nicht der Meinung, ich müsste jeden Tag kommentieren, was da gesagt wird", sagte er. Er vermisse vielmehr grundsätzlich eine Diskussion darüber, wie Fluchtursachen bekämpft werden könnten und den Millionen Menschen in Flüchtlingslagern zu helfen sei.

Mehr Anstrengungen nötig

Marx zeigte sich überzeugt, dass Deutschland und Europa noch sehr viel größere Anstrengungen unternehmen müssten, um Schutzsuchenden in aller Welt zu helfen. "Es kommen noch ganz andere Dimensionen auf uns zu", betonte er. "Da gibt es ein paar christliche Prinzipien: Jeder, der an unsere Grenzen kommt, wird menschenwürdig behandelt. Jeder bekommt ein faires Verfahren. Niemand wird zurückgeschickt in eine Situation von Krieg und Verfolgung." Dies seien Grundprinzipien, auf die sich Christen einigen sollten.

Klare rote Linien

Gegenüber dem ARD-Morgenmagazin am Mittwoch ergänzte Marx, man dürfe den Armen, den Flüchtlingen - auch emotional, auch von der Tonlage her - nicht den Rücken zukehren. Da müsse man immer wieder mahnen - "und das tue ich".

"Viele Hunderttausende sind im letzten Jahr gekommen. Viele werden hierbleiben", so der Geistliche. Und es sei etwas Großartiges, dass viele Christen sich in der Flüchtlingsarbeit engagierten. Zwar gebe es stets unterschiedliche politische Meinungen. Aber es gebe "klare rote Linien", auf die man sich einlassen müsse. "Da kann man nicht einfach sagen, das ist völlig egal, wie ich mich dazu verhalte."

Die CDU/CSU machte der Kardinal auf den "großen, großen Anspruch" aufmerksam, den das für "christlich" stehende C im Parteinamen bedeute. "Das Christliche wird nicht von uns bestimmt", sagte er. Vielmehr seien das Evangelium und die Person Jesus von Nazareth verpflichtend. Er halte es für "durchaus möglich", diese Maßstäbe bei Alltagsentscheidungen in der Politik zu beachten.

(DR, dpa)

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