Pater Klaus Mertes SJ
Pater Klaus Mertes SJ

27.06.2016

Kurze Chronik des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche Tiefe Vertrauenskrise

Ende Januar 2010 wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Nun gaben Wissenschaftler Zwischeninformationen zu einem Forschungsprojekt der Deutschen Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch durch Geistliche bekannt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Stationen aus der Geschichte des Skandals, der die Kirche in eine längere Vertrauenskrise stürzte.

Ende Januar 2010: Der damalige Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, bringt die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche durch einen Brief an ehemalige Schüler ins Rollen. Darin räumt der Schulleiter ein, Patres des Ordens hätten in den 1970er und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht - und zwar systematisch und über Jahre. Bald folgen neue Berichte über meist ältere Fälle an anderen Orten.

22. Februar 2010: Die Bischöfe entschuldigen sich auf ihrer Vollversammlung in Freiburg wegen der Missbrauchsfälle. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird Sonderbeauftragter für Missbrauchsfälle. Eine Hotline für Opfer wird eingerichtet.

24. März 2010: Die Kirche beteiligt sich am Runden Tisch, der von der Bundesregierung eingerichtet wird.

31. August 2010: Die Bischöfe verschärfen ihre "Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch".

20. September 2010: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, schlägt bei der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda einen "breiten Reflektionsprozess" von Bischöfen, Priestern und Laien vor. Damit soll angesichts des Missbrauchsskandals Vertrauen in die Kirche wiedergewonnen werden.

23. September 2010: Die Bischöfe stellen ein Konzept zur Vorbeugung vor. Es sieht unter anderem vor, dass jedes Bistum eine Stelle einrichtet, die sich um Präventionsfragen kümmert. Gegründet wird auch ein "Präventionsfonds" für besonders innovative Projekte innerhalb der Kirche.

30. September 2010: Die Bischofskonferenz legt am Runden Tisch in Berlin ein Konzept zur Entschädigung der Opfer sexuellen Missbrauchs vor. Dazu gehört die Zahlung eines Geldbetrags, der als "finanzielle Anerkennung" des zugefügten Leids gelten soll.

8. Juli 2011: In Mannheim startet die Bischofskonferenz ihren bundesweiten Dialogprozess.

13. Juli 2011: Die deutschen Bischöfe kündigen zwei Forschungsprojekte zur wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche an.

7. Dezember 2012: Die Ergebnisse des ersten Forschungsprojekts werden vorgestellt. Der Forensiker Norbert Leygraf kommt darin zu dem Schluss, dass nur wenige katholische Priester, die Minderjährige missbraucht haben, im klinischen Sinne pädophil seien.

31. Dezember 2012: Die Bischofskonferenz stellt die Hotline für Missbrauchsopfer ein, weil es kaum noch Anfragen gebe. Im Januar 2013 wird der Abschlussbericht vorgestellt.

9. Januar 2013: Die Bischofskonferenz beendet die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer. Das von seinem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen 2011 begonnene Forschungsprojekt sollte durch umfangreiche Aktenstudien belastbare Zahlen zum Missbrauch erbringen.

26. August 2013: Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht überarbeitete und teilweise verschärfte Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch. Danach sollen Kleriker, die Schutzbefohlene missbraucht haben, nicht mehr in den Seelsorgedienst zurückkehren dürfen, wenn "dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft". Ein ausnahmsloses Beschäftigungsverbot für sexuell straffällig gewordene Priester nach dem Beispiel der US-Kirche lehnt die Bischofskonferenz damit ab. 

24. März 2014: Die Bischöfe beauftragen einen Forschungsverbund aus sieben Wissenschaftlern um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Wesentliche Ziele sind eine Erhebung quantitativer Daten zur Auftretenshäufigkeit und zum Umgang mit sexuellen Missbrauchshandlungen an Minderjährigen durch Geistliche. Darüber hinaus sollen Täterstrategien, Opfererleben und das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche untersucht werden.

(KNA)