Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

16.02.2016

Kardinal Marx fordert europaweite Lösung in Flüchtlingsfrage "Skandal abwenden"

Vor dem EU-Flüchtlingsgipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel ruft die katholische Kirche die Regierungschefs zur intensiveren Suche nach gemeinsamen Lösungen auf. Entsprechend äußerte sich Reinhard Kardinal Marx in Schöntal.

"Es wäre für mich ein Skandal erster Ordnung, wenn wir nach dieser Woche im Grunde genommen sagen, wir haben keine Lösung, und an den Grenzen Europas geht es weiter so wie bisher, und es kümmert uns auch nicht, was an den Grenzen passiert", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Montagabend am Rande der Bischofsvollversammlung dem ZDF.

"Menschen aus der Not retten"

Bevor man um Mindestlohn für Flüchtlinge und andere Details streite, müsse man zunächst sichere Orte finden, an denen Menschen nicht mehr Verfolgung und Gewalt erleiden müssten, forderte Marx: "Jetzt geht es erst mal darum, Menschen aus der nackten Not zu retten."

Sorge wegen Rechtspopulismus

Mit Blick auf Pegida, die AfD und ähnliche Gruppierungen betonte der Kardinal, ihn beunruhige sehr, was er da alles an rechtspopulistischem Gedankengut höre: "Wo eine polarisierende Sprache gesprochen wird, eine radikale Hasssprache, und wo Gräben aufgerissen werden und Menschen in eine Ecke gedrängt werden, da kann man nicht von Versöhnung reden, da muss man sagen, so geht es nicht!"

Marx ruft Koalition zu Einigkeit in Flüchtlingsdebatte auf

Bereits zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung hatte Marx die Politiker der Großen Koalition in Berlin zu mehr Einigkeit in der Flüchtlingsdebatte aufgerufen: "Da gilt es zusammenzustehen, nicht gegeneinanderzustehen, auch in einer Großen Koalition, in einem großen Regierungsbündnis."

Aus seiner Sicht, so der Münchner Erzbischof, "haben Prinzipien nur einen Wert, wenn sie auch in stürmischen Zeiten gelten". Wer europäischen Boden betritt, der "muss menschenwürdig behandelt werden und hat Anspruch auf ein rechtsstaatliches Verfahren". Dies seien "Basics", an denen nicht gerüttelt werden dürfe. Nicht die Flüchtenden dürften zum Problem gemacht werden; die tatsächlichen Herausforderungen seien Krieg und Gewalt. Die Kirche müsse in der aktuellen hitzigen Debatte zu Besonnenheit und Einheit mahnen und zugleich mit nüchterner und engagierter Nächstenliebe anpacken.

Flüchtlingspolitik Thema der DBK-Frühjahrsvollversammlung

Die Flüchtlingspolitik steht im Mittelpunkt der bis Donnerstag dauernden Versammlung in der ehemaligen Zisterzienserabtei im Norden Baden-Württembergs. Der für Mittwoch geplante Studientag zum Thema Flucht und Migration sei allerdings schon lange geplant gewesen, so Marx. Dazu werden unter anderen der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als Gesprächspartner der Bischöfe erwartet.

(KNA)

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