23.09.2015

Bischöfe wollen Zusammenarbeit von Priestern und Laien Mentalitätswandel in Gemeinden

Die katholischen Bischöfe Deutschlands werben für einen Mentalitätswandel und ein partnerschaftlicheres Verhältnis zwischen Priestern und Laien in den Gemeinden. Sie seien gemeinsam verantwortlich dafür, dass der Glaube vor Ort lebendig bleibe.

Notwendig sei ein Mentalitätswandel, der von einem Versorgungsdenken zu einer Vielfalt an Verantwortung führe, heißt es in einem am Mittwoch in Fulda vorgestellten Text der deutschen Bischöfe unter dem Titel "Gemeinsam Kirche sein". Es wurde anlässlich des Endes des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren veröffentlicht.

Die Diagnose ist klar: Die Zahl der Katholiken in Deutschland ist zwischen 1990 und 2014 von 28,2 auf 23,9 Millionen zurückgegangen. Auch die Zahl der Priester geht nach unten: von 18.700 im Jahr 1995 auf 14.400 im vergangenen Jahr. Die 27 Bistümer haben darauf mit einem Umbauprogramm reagiert: Gemeinden werden zu XXL-Pfarreien oder Pastoralverbünden zusammengelegt. Manche verlieren ihre Selbstständigkeit, andere bleiben innerhalb der Großstrukturen erhalten. Bundesweit hat sich die Zahl der Gemeinden deutlich verringert: von 13.313 im Jahr 1990 auf 10.911 im Jahr 2014.

"Menschen wollen heute partizipieren. So wie sie im gesellschaftlichen und politischen Raum an Entscheidungen und Prozessen beteiligt sind, so erwarten sie dies heute auch für den Lebensraum der Kirche. Und als Bischöfe bejahen wir diesen Wunsch", sagte der Münsteraner Bischof Felix Genn bei der Vorstellung des Textes auf der Herbstvollversammlung in Fulda.

Mehr Gerechtigkeit unter den Geschlechtern

Die Bischöfe sprechen sich unter anderem für ein geschlechtergerechtes Verhältnis von Frauen und Männern in den Leitungspositionen der Kirche aus, die nicht an die Priesterweihe gebunden sind. Außerdem soll es neue Leitungsmodelle mit der Beauftragung von Ehrenamtlichen geben. Zugleich bekennen sich die Bischöfe zur Pfarrei als "dem territorialen Ordnungsprinzip der Kirche". Die Pfarrei wird dabei eine "Gemeinschaft von Gemeinschaften" verstanden.

Genn, der Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe der Bischofskonferenz ist, sprach vor Journalisten von einem grundlegenden Umdenken, das mit dem Begriff des "gemeinsamen Priestertums aller Getauften" schon in den Texten des Konzils grundgelegt sei. "Das Kirchesein der Getauften und Gefirmten kann nicht mehr gesteigert werden, auch nicht durch das Weihesakrament". 

Laien kein verlängerter Arm des Klerus

Laien dürften nicht mehr als verlängerter Arm oder Zuarbeiter des Klerus gesehen werden, ergänzte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der Vorsitzender der Pastoralkommission der Bischofskonferenz ist. Die teilweise in der Geschichte der Kirche entwickelte "Machtlogik" des Oben und Unten müsse überwunden werden, so die Bischöfe.

Dennoch sieht das Papier weiter eine Sonderrolle des Priesters: Seine mit der Weihe verliehene geistliche Vollmacht sei eine "Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen", heißt es. Priester dienten der Einheit der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands begrüßte das Dokument "Gemeinsam Kirche sein". Die Bundesvorsitzende Maria Theresia Opladen erklärte: "Die Kirche befindet sich in einem Veränderungsprozess. Die Menschen haben den deutlichen Wunsch nach aktiver Mitgestaltung von Kirche und einer besseren Kommunikation. Dem kommen die deutschen Bischöfe mit ihrem Schreiben entgegen."

ZdK: Neue Wege angesichts des Priestermangels

Als ein Schlüsseldokument für die gemeinsame Verantwortung von Laien und Priestern sowie die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Gesellschaft hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, die Erklärung der Bischofskonferenz begrüßt.

"Dieses Dokument ist eine wichtige Frucht des in Würzburg zu Ende gegangenen Dialogprozesses unserer Kirche", so der ZdK-Präsident am Donnerstag in Bonn. "Mit der klaren Ausrichtung auf die breite Beteiligung aller Getauften und Gefirmten und der Betonung der gemeinsamen Verantwortung für das Leben der Kirche folgt es dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Paradigmenwechsel im Kirchenverständnis." Damit eröffne es für die Gestaltung von Mitwirkung in Gemeinde und Seelsorge neue Wege angesichts wachsenden Priestermangels.

"Kirche braucht mehr denn je die Gestaltungskraft auch der Laien", fügte Glück hinzu. Nur so könne die Seelsorge auch in der Fläche gesichert werden. Er appellierte an die katholischen Laien, die Impulse des Dokuments "mutig und engagiert" aufzugreifen und gemeinsam mit Priestern und Laientheologen nach Wegen der Umsetzung zu suchen.

(KNA, dr)