22.09.2015

Bischofskonferenz mit Strategie für Flüchtlingshilfe Fairness, Schutz und Bildung

Die Bischöfe wollen ihr Engagement für Flüchtlinge weiter ausbauen. Mit Erzbischof Stefan Heße gibt es einen Koordinator. Investiert wird auch in die Ausbildung von Flüchtlingen, so Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Als "Ansprechpartner und Koordinator für bistumsübergreifende Fragen" soll künftig der Hamburger Erzbischof Stefan Heße fungieren. Das teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, am Dienstag in Fulda mit. Ein erstes Schwerpunktthema von Heße werde die Sorge um Wohnraum für die Neuankömmlinge sein. Marx wies darauf hin, dass katholische Bistümer und Gemeinden im laufenden Jahr bereits fast 100 Millionen Euro an Sondermitteln für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt hätten.

Trelle: Recht auf faire Asylverfahren

Zugleich mahnten die Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung Gesellschaft und Politik zu Offenheit. "Unsere Identität verlieren wir als Christen, wenn wir uns abgrenzen", betonte Marx. Der für Migrationsfragen zuständige Hildesheimer Bischof Norbert Trelle wandte sich gegen eine Verschärfung des Asylrechts. Jeder Mensch, der in Deutschland um Schutz bitte, habe ein Recht auf ein faires Asylverfahren.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sprach sich dafür aus, die Aufnahme von Flüchtlingskindern in katholischen Kitas und Schulen sowie die akademische Laufbahn von Flüchtlingen stärker zu fördern.

Mit Blick auf die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge aus den Balkanstaaten sagte Woelki, für die Betroffenen könne das Asylrecht nicht greifen. "Die berechtigten Anliegen dieser Menschen dürfen jedoch nicht vorschnell in Abrede gestellt werden."

Kritik an CSU-Treffen mit Viktor Orban

Kritisch äußerte sich der Kölner Kardinal zu dem von der CSU geplanten Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Er wolle die Einladung zu dem Gespräch, das am Mittwoch im Rahmen der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz stattfinden soll, nicht pauschal verurteilen, betonte Woelki. Es stelle sich aber die Frage, welches Signal von einem solchen Gespräch ausgehe. "Stacheldraht, Schlagstöcke und Nagelbomben können jedenfalls kein Mittel sein, um traumatisierte Flüchtlinge von der Grenze abzuhalten", sagte der Kölner Kardinal unter Verweis auf das umstrittene Vorgehen der Sicherheitskräfte an Ungarns Grenzen.

Ursachen von Migration bekämpfen

Ausdrücklich riefen die Bischöfe die Bundesregierung dazu auf, gemeinsam mit den internationalen Partnern gegen die Ursachen von Flucht und Migration vorzugehen. Solange es weiter Kriege und Konflikte oder schwere soziale, wirtschaftliche und ökologische Missstände in den Ländern des Nahen Ostens oder etwa in Afrika gebe, würden sich Flüchtlinge weiter auf den Weg nach Europa machen.

Der "Außenminister" der Bischofskonferenz, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, unterstrich, dass die Bischöfe im Rahmen ihrer Möglichkeiten darüber hinaus alles dafür tun würden, den in Syrien und Irak verbliebenen Christen Perspektiven für einen dauerhaften Verbleib in der Region zu schaffen. Es gehe darum, dass orientalische Christentum, das dort seit 2.000 Jahren ansässig sei, vor der Vernichtung zu bewahren.