Pater Hans Langendörfer, Geschäftsführer des VDD
Pater Hans Langendörfer

18.04.2015

Die katholische Kirche will in der Hauptstadt präsenter werden Neue "Brückenköpfe" an der Spree

Die katholische Kirche hat große Pläne in der Bundeshauptstadt. Sie will präsenter werden, auf den unterschiedlichsten Feldern. Eine Arbeitsgruppe soll ausloten, wie.

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, kündigte vor dem Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin an, die Kirche wolle "in Kultur und Wissenschaft, dem gesellschaftlich-sozialen Dialog und auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen präsenter werden". So prüfe eine Arbeitsgruppe der Bischöfe die Möglichkeiten, ein Wissenschaftskolleg zu gründen. Das Gremium wolle bis zum Herbst 2016 ein Konzept vorlegen.

"Eine sehr viel bessere Vernetzung der vorhandenen Aktivitäten ist dringend erforderlich", erklärte Langendörfer mit Blick auf die schon vorhandenen überdiözesanen Institutionen. Bisher laufe "zuviel nebeneinander her". Überdies gebe die Bischofskonferenz "zumeist nur einzelne Zuschüsse, aber keine planvolle Hilfe".

"Neue Debatten anstoßen"

Langendörfer bezeichnete es als Aufgaben eines katholischen Wissenschaftskollegs, sich in ethisch bedeutsamen Fragen zu Wort zu melden "und auch neue Debatten anzustoßen". Erforderlich sei zudem, die katholische Soziallehre "stärker zur Geltung zu bringen" und sie an die heutigen Anforderungen anzupassen. In Zusammenarbeit mit dem Kolleg sei auch eine "außenpolitische Denkfabrik" in katholischer Trägerschaft denkbar, so Langendörfer. Als mögliche Kooperationspartner nannte er die Hochschulen seines Ordens in München und Frankfurt/Main.

Langendörfer betonte zugleich, die letzte Entscheidung über solche Schritte trage der künftige Berliner Erzbischof. Nach dem Wechsel von Kardinal Rainer Maria Woelki nach Köln wird er derzeit in einem mehrstufigen Verfahren gewählt. Es sei notwendig, dass die Pläne von der Ortskirche mitgetragen würden, sagte der Jesuit. Nur wenn diese in Seelsorge und Caritas "gut aufgestellt" sei, würden die in den gesellschaftlichen Debatten vertretenen katholischen Positionen auch eingelöst.

Gewichtige Besetzung

Die zuständige Arbeitsgruppe hatte die Bischofskonferenz schon im vergangenen Sommer aus ihrer Mitte eingesetzt. Welches Gewicht ihr beigemessen wird, zeigt die Besetzung. Dem Arbeitskreis gehören der frühere Berliner und heutige Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff an. Weitere Mitglieder sind der Augsburger Weihbischof Anton Losinger sowie der Diözesanadministrator des Erzbistums Berlin, Prälat Tobias Przytarski. Die Gesamtverantwortung trägt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Die operative Leitung übernimmt der stellvertretende Konferenz-Vorsitzende, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim).

Der Prüfauftrag ist weit gespannt - von Kultur, über Gesellschaft und Wissenschaft bis hin zu internationalen Beziehungen. Damit könnten Überlegungen Gestalt annehmen, die bereits seit Jahren die Runde machen. Schon bald nach dem Fall der Mauer stellte sich die Frage nach den Konsequenzen, die sich aus der deutschen Einheit für überdiözesane Institutionen der Kirche ergeben, die seit Jahrhunderten ihre Schwerpunkte im Westen und Süden Deutschlands hat. Spätestens nach dem Umzug von Bundesregierung und Parlament 1999 nach Berlin wurde das Problem dringlicher. Zwar war etwa die Caritas schon lange mit einem Büro in West-Berlin präsent, doch für eine erfolgreiche Lobbyarbeit nach der Wende reichte dies nicht. 1995 eröffnete der Deutsche Caritasverband wie andere kirchliche Organisationen eine echte Hauptstadt-Vertretung. Doch die Verbandszentrale des größten kirchlichen Arbeitgebers hat noch immer ihren Sitz weitab in Freiburg im Breisgau.

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Umzug von Bonn nach Berlin?

Auch die Bischofskonferenz ist seit dem Jahr 2000 durch das Katholische Büro (offiziell: Kommissariat der deutschen Bischöfe) vertreten, das die Bundespolitik beobachtet und katholische Interessen vertritt. Dabei ist der Leiter des Büros, Karl Jüsten, bei den Mitarbeitern des politischen Betriebs auch als Seelsorger gefragt. Ein Wechsel des personell breiter aufgestellten Bonner "Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz" kam im selben Jahr nach knapper Abstimmung im Episkopat nicht zustande, weil eine Stimme zur Zweidrittelmehrheit fehlte. Das Sekretariat blieb in Bonn, findet dort aber nur selten Ansprechpartner aus Politik und Verbänden. Die Frage nach einem Berlin-Umzug stellt sich nun erneut, wie Langendörfer betonte. 

Ein Umzug an die Spree war dagegen für den Apostolischen Nuntius selbstverständlich, als Berlin wieder echte Hauptstadt wurde. Heute residiert der Papst-Botschafter etwas abseits vom Politik-Betrieb in Neukölln. Wie die Nuntiatur zog auch das Militärbischofsamt nach Berlin - obwohl das Verteidigungsministerium zunächst in Bonn blieb.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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