23.02.2015

Reinhard Kardinal Marx zu den Themen des Bischofstreffens Volles Programm

Kirchenasyl, Soziale Medien, Familiensynode und Dialogprozess. Das Programm der katholischen Bischöfe für die kommenden Tage ist vielfältig und dicht. Kardinal Marx stellte es vor Beginn der Presse vor.

Zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe in Hildesheim hat Kardinal Reinhard Marx die gängige Praxis des Kirchenasyls verteidigt. Das Kirchenasyl sei eine "Tradition, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Montag in Hildesheim. Zugleich betonte er, es bestehe kein Rechtsanspruch auf das Kirchenasyl. Bei der Vollversammlung, die bis zum Donnerstag tagt, sollen auch drei Delegierte für die ordentliche Familiensynode im Herbst im Vatikan gewählt werden.

Zum Thema Kirchenasyl sagte Marx: Die katholische Kirche wolle nicht als Staat im Staat den Rechtsstaat aushebeln. Vielmehr gehe es darum, die Einzelfälle in den Blick zu nehmen. Die seit etwa einem Jahr steigenden Zahlen hatten für heftige Kritik bei Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gesorgt. Er sei "prinzipiell und fundamental" gegen das Kirchenasyl, sagte er. Inzwischen gibt es nach Angaben der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche" 226 Kirchenasyle mit mindestens 411 Flüchtlingen, wie die Zeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) berichtete. Anfang 2014 waren es lediglich 34 Kirchenasyle.

Bei ihrer Vollversammlung werden die Bischöfe zudem über die vatikanische Familiensynode im Herbst beraten. Streitthemen hier sind vor allem die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Eucharistie sowie der Umgang mit Homosexuellen in der katholischen Kirche. Marx betonte, die Diskrepanz zwischen Lehre der Kirche und Leben der Gläubigen sei "nicht so groß". Die überwiegende Mehrheit der Menschen wolle verlässliche Beziehungen mit Kindern, sagte Marx. "Und ich werde es den jungen Leuten nicht ausreden."

Zur vatikanischen Bischofssynode zum Thema Familie sagte er, es gehe nicht darum, eigene Positionen durchzusetzen. Die Synode sei "kein Parlament, sondern wir müssen eine Einmütigkeit finden, die 90 Prozent mitnehmen kann", sagte der Kardinal. "Vielleicht ist die Synode gar nicht der Endpunkt." Viele theologische Fragen zum Thema Ehe und Familie ließen sich nicht einfach abhaken. Zur Vorbereitung der Synode hat der Vatikan einen Fragebogen an die Kirchen weltweit verschickt, mit dem er die Lebenswirklichkeit der Katholiken in Erfahrung bringen möchte.

Die Bischöfe werden hinter verschlossenen Türen zudem über den Gesprächsprozess sprechen, der vor fünf Jahren in Folge des Missbrauchsskandals innerhalb der katholischen Kirche gestarteten worden war. Marx warnte vor, dass dieser Dialogprozess ohne Folgen bleibe. Der Prozess, bei dem es immer wieder zu Gesprächen zwischen Laienvertretern und Bischöfen gekommen war, soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Er hoffe, dass aus dem Prozess ein positiver Impuls für die Zukunft entstehe.

Hoffen auf Papstbesuch

Zu der Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an den Papst, Deutschland zu besuchen, sagte Marx, er habe vor der Privataudienz mit der Kanzlerin über eine Einladung gesprochen. Marx begrüßte die ausgesprochene Einladung an den Papst. "Ich möchte, dass das in absehbarer Zeit geschieht", sagte er.

Bei einem Studientag wollen sich die Bischöfe überdies mit dem Thema Kirche und Soziale Medien beschäftigen. "Die digitale Revolution wird exponentiell an Entwicklung zunehmen", sagte Marx. Der Münchner Erzbischof betonte, es müsse über die ethischen Folgen dieser Entwicklung diskutiert werden.

(epd)

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