Zehn Jahre nach der Tsunami-Tragödie
Zehn Jahre nach der Tsunami-Tragödie

26.12.2014

Kirche erinnert an Tsunami-Opfer Gebete und Tränen

Mit bewegenden Gedenkgottesdiensten haben Menschen in Südasien der Opfer des Tsunami vor zehn Jahren gedacht. Rund 230.000 Menschen starben. Auch die Kirche in Deutschland gedachte der Opfer und erinnerte an die Solidarität.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erinnerte an die Opfer des Tsunami und an die große Solidarität. "Gerade angesichts der Katastrophen und des menschlichen Leids gibt uns die Weihnachtsbotschaft Hoffnung und Kraft, das Gute im Menschen stark werden zu lassen: die Fähigkeit zu lieben und sich denjenigen gegenüber solidarisch zu erweisen, denen wir zu Nächsten werden können." Solidarität gehöre zum Kern der christlichen Weihnachtsbotschaft.

Kirche half dank Spenden mit über 100 Millionen Euro

Allein bei der Sonderkollekte, die unmittelbar nach dem Tsunami in allen katholischen Pfarrgemeinden in Deutschland gehalten wurde, konnten 20,8 Millionen Euro gesammelt werden. Bei Caritas international in Freiburg sind darüber hinaus 44 Millionen Euro für die von der Flutkatastrophe verwüsteten Regionen eingegangen, beim Malteser Hilfsdienst mehr als 25 Millionen Euro und bei Misereor 4 Millionen Euro. Insgesamt konnte die katholische Kirche in Deutschland den Menschen in den Katastrophengebieten mit über 100 Millionen Euro helfen. Nach der unmittelbaren Soforthilfe unterstützen die Hilfswerke ihre Partner vor Ort beim Wiederaufbau der Infrastruktur.

"Diese Hilfe ist immer langfristig angelegt und auch dann noch notwendig, wenn die Schreckensbilder längst aus den Medien verschwunden sind", so Kardinal Marx. "Wir Bischöfe sind allen Spendern dankbar für die Solidarität, die sie angesichts der Katastrophe gezeigt haben. Dies ist ein Zeugnis für unseren weihnachtlichen Glauben an Christus, den Bruder aller Menschen. Die Liebe zu Gott ist nicht zu trennen von der Liebe zu den Armen und Bedrängten aller Art."

Bewegende Gedenkgottesdienste rund um den Indischen Ozean

Mit bewegenden Gedenkgottesdiensten und Schweigeminuten haben Tausende Menschen rund um den Indischen Ozean der Opfer des verheerenden Tsunami vor zehn Jahren gedacht. Die Riesenwellen hatten in 14 Ländern rund 230.000 Menschen in den Tod gerissen. Neben dem Erinnern an die Toten stand auch der Dank für die Hilfe aus aller Welt im Fokus. "Ich habe noch nie eine so außergewöhnliche Solidarität und Großzügigkeit erlebt", sagte Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung in Banda Aceh.

In Südthailand kamen Angehörige von Opfern sowie Überlebende zu einer Zeremonie mit deutschsprachigen Seelsorgern zusammen. Direkt am Strand von Khao Lak beteten sie. "Die Bilder von damals haben ihren Schrecken nicht verloren", verlas der deutsche Botschafter in Thailand, Rolf Schulze, ein Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck. "Die Panik, das Chaos, die Wucht, als die große Welle kam", schrieb Gauck. Unter den Tsunami-Todesopfern waren 539 Deutsche, die in Thailand und Sri Lanka Urlaub gemacht hatten.

Gauck: Hinterbliebene tragen bis heute schwer an den Ereignissen

Viele Überlebende hätten bis heute schwer an den Ereignissen zu tragen, schrieb Gauck weiter. "Die Angst vor dem Ertrinken, der Verlust von geliebten Menschen, das tage-, manchmal wochenlange Bangen um ihre Wiederkehr haben Spuren hinterlassen." Der damals 15-jährige Ben Atréu Flegel erlebte die Katastrophe in unmittelbarer Nähe des Ortes, wo nun die Gedenkzeremonie war. "Mein Blut ist in diese Erde geflossen", sagte er. Seine Großeltern kamen bei dem Urlaub vor zehn Jahren ums Leben.

In Indonesien kamen die Menschen schon in der Nacht und am frühen Morgen in zahlreichen Moscheen zusammen. Viele von ihnen weinten und klagten. Andere gingen zu den Massengräbern, um zu beten. "Ich habe im Tsunami zwei Kinder verloren, aber ich weiß nicht, wo sie beerdigt sind", sagte die 51 Jahre alte Maimunah an einem Massengrab. "Aber hier bete ich für alle Opfer", erklärte sie.

Aceh war die am schlimmsten betroffene Region. Etwa 170 000 Menschen starben dort; große Teile der Provinzhauptstadt Banda Aceh waren nur noch Trümmerteile und Mauerreste. Das gewaltige Erdbeben, das den Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag auslöste, ereignete sich vor der indonesischen Insel Sumatra, an dessen Spitze Aceh liegt. Die Wellen türmten sich an der Küste Indonesiens bis zu 20 Meter hoch auf. Ausläufer waren sogar bis Madagaskar und Tansania sichtbar.

Sri Lanka: Überlebende erinnerte an Zugentgleisung

In Sri Lanka fuhr ein Sonderzug mit Überlebenden bis zu genau der Stelle in Peraliya, wo damals eine gewaltige Welle den Zug traf. Unterwegs waren sie mit der Lok und Waggons von damals, wie Organisator Ralph Gunawardena sagte. Der Zug sei nach dem Unglück restauriert worden. Die tonnenschweren Waggons waren aus den Schienen gerissen und weit ins Landesinnere gespült worden. Rund 1600 Menschen starben in dem Zug. Die überlebenden Passagiere - darunter auch der Schaffner von damals - gedachten in einer religiösen Zeremonie der Opfer. Einige brachten alte Fahrkarten von damals und Fotos der Toten mit.

In Indien trafen sich die Menschen zu interreligiösen Gebeten, etwa auf den schwer getroffenen Andamanen und Nikobaren. Vor dem Tsunami-Denkmal in der größten Inselstadt Port Blair gedachten sie zwei Minuten lang der Toten, wie Distriktsprecher Arun Kumar Jha erklärte. Im Süden des Subkontinents setzten viele Dorfbewohner Süßigkeiten und Blumen ins Meer. In staatlichen Schulen sei der toten Kinder gedacht worden, sagte Vanaja Soundrabai von der örtlichen Hilfsorganisation Sneha.

Um sich für die Spenden aus aller Welt zu bedanken, führten junge Indonesier in Banda Aceh Tänze in traditioneller Kleidung auf. Andere trommelten auf einer Bühne auf dem Platz Blang Padang im Zentrum von Banda Aceh, direkt neben einer Tsunami-Skulptur in Wellenform. Vizepräsident Kalla sagte dort: "Sogar die Kinder aus aller Welt, von Deutschland bis zu den Vereinigten Staaten, haben ihre Sparschweine geknackt und das Geld den Tsunami-Opfern geschickt."

Bundespräsident Gauck bedankte sich im Namen der deutschen Opfer und ihrer Familien bei den Ärzten, Seelsorgern, Forensikern und Bestattern, die damals halfen. Dank ging auch an die Millionen Spender, die Soforthilfe ermöglichten. Aus Deutschland kamen im Jahr 2005 nach offiziellen Angaben 670 Millionen Euro an Spenden zusammen. Gauck erinnerte aber auch an die Menschen vor Ort, die sich selbstlos gerade um die verletzten und mittellosen ausländischen Touristen kümmerten.

(dpa, DR)

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