Kardinal Marx
Kardinal Marx
Bischof Antoine Audo
Bischof Antoine Audo

16.09.2014

Kardinal Marx befürwortet deutsche Waffenlieferungen an Peschmerga Kampf für einen "gerechten Frieden"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die deutschen Waffenlieferungen an kurdische Kämpfer im Nordirak für gerechtfertigt. Es gehe in diesem Fall um einen Kampf für einen "gerechten Frieden".

"Gewalt kann nie Frieden schaffen, Gewalt kann aber nötig sein, um unschuldige Leben zu schützen", sagte Marx der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe). "Deshalb ist es vertretbar, dass Deutschland sehr durchdacht und kontrolliert denjenigen Waffen schickt, die das Leben unschuldiger Menschen verteidigen."

Langfristig sei aber ein Friedenskonzept für den gesamten Nahen und Mittleren Osten notwendig, damit sich dort kein Terror-Staat etabliere, betonte Marx. Besonders die Christenverfolgung durch den Terror der IS-Miliz berühre ihn sehr, sagte der Kardinal: "Es ist eine unglaubliche Tragödie, wie Christen, aber auch andere Volksgruppen verfolgt werden und teilweise sogar von der Auslöschung bedroht sind." Bischöfe der Region sagten ihm, dass es seit 1.800 Jahren keine Christenverfolgung wie diese gegeben habe. "Das dürfen wir nicht hinnehmen."

Den Satz "Es gibt keinen gerechten Krieg" der evangelischen Theologin Margot Käßmann könne er unterschreiben, sagte Marx. "Der Satz stammt allerdings von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 2003." Ein Krieg sei immer ein Unglück. Es gebe aber Fälle, in denen Gewaltanwendung als letztes Mittel notwendig ist und legitim sei, um Menschen zu schützen. "Wir kämpfen für einen gerechten Frieden", sagte der Kardinal.

Syrischer Bischof gegen US-Luftschläge ohne Zustimmung Assads

Die katholische Kirche in Syrien lehnt US-Luftangriffe auf die Terrormilizen des "Islamischen Staats" (IS) ohne die Zustimmung von Machthaber Baschar al-Assad ab. Ohne die Zustimmung des syrischen Staates "sollte es keine solchen militärischen Interventionen geben", sagte das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, Antoine Audo, dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstagsausgabe). Er warnte auch davor, sich von militärischen Mitteln eine Lösung des Konflikts zu erhoffen: "Krieg ist keine Lösung."

US-Präsident Barack Obama hatte zusätzlich zu den Luftangriffen auf IS-Kämpfer im Irak auch Luftschläge gegen die islamistische Terrormiliz in Syrien angekündigt. Zudem sollen gemäßigte syrische Rebellen ausgebildet werden.

Christen "in großer Angst"

Die Christen in Syrien sind nach den Worten Audos, der Bischof von Aleppo im Norden des Landes ist, zwar "in großer Angst" vor den IS-Milizen. "Ich persönlich glaube aber nicht, dass es dem IS gelingen wird, bis zu uns vorzustoßen", sagte der 68-Jährige. Die syrische Armee werde alles tun, um das zu verhindern. "Das ist es jedenfalls, was die Autoritäten uns jeden Tag aufs Neue versichern."

 

Positiv äußerte sich der chaldäisch-katholische Bischof, der sich zurzeit auf Einladung eines Hilfswerks in Deutschland aufhält, zu den deutschen Waffenlieferungen an die IS-Gegner im Nordirak. "Alles, was diese Terror- und Mordmaschine stoppen kann, ist zu begrüßen" sagte er mit Blick auf den "Islamischen Staat". Allerdings sei die Lage sehr unübersichtlich.

Audo bat dringend um humanitäre Hilfe aus Deutschland. "Wir Bischöfe setzen alles daran, dass christliche Gemeinden in der Region eine Zukunft haben", sagte er. "Wir wollen bleiben." Es sei aber das Recht jedes Einzelnen, "sich in Sicherheit zu bringen und das Land zu verlassen".

Die christliche Minderheit in Syrien stellte bis zum Beginn des Bürgerkriegs etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Sie ist inzwischen auf den Raum Damaskus sowie die Städte Homs und Aleppo konzentriert.

Erzbischof von Mossul fordert Hilfe für Christen und Jesiden

Christen und Jesiden im Irak haben derweil die Weltgemeinschaft zu rascher Hilfe aufgerufen. Die Menschen würden beraubt, entführt, vergewaltigt und ermordet, Kirchen würden zwangsweise in Moscheen umgewandelt, sagte der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Mossul, Mor Nikodimus Daoud Matti Sharaf, am Montagabend in der Katholischen Akademie Hamburg. "Wir haben keine Zeit mehr, der Winter steht bevor und Zehntausende Christen leben buchstäblich auf der Straße."

Er selbst sei aus seiner Kirche und seinem Bischofssitz "hinausgeworfen" worden, sagte Sharaf. Leider habe die Gewalt der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) auch viele Nachbarn, mit denen bisher ein friedliches Miteinander möglich gewesen sei, aufgestachelt und radikalisiert. Ilyas Yanc vom Yezidischen Forum Oldenburg berichtete, die Jesiden im Irak und im syrischen Kurdengebiet seien gänzlich auf sich allein gestellt. Für den in wenigen Wochen beginnenden Winter befürchte er das Schlimmste.

Der frühere Direktor des Deutschen Orientinstituts, Udo Steinbach, warf Europa und den USA vor, zu lange die Augen vor den Entwicklungen im Irak, Syrien und den Kurdengebieten verschlossen zu haben. Erst nach den grausamen Morden an zwei US-Journalisten und einem britischen Entwicklungshelfer habe es "einen Aufschrei der Weltgemeinschaft" gegeben. Frühere Gewalt an Christen, Jesiden und anderen Minderheiten, die teils seit Jahren bekannt seien, hätten dagegen Reaktionen zu deren Schutz vermissen lassen. Auch nach "Überschreiten der roten Linie" seien die angekündigten Sanktionen von US-Präsident Barack Obama in Syrien ausgeblieben, so Steinbach.

Übereinstimmend sprachen sich die Referenten auch für ein militärisches Eingreifen aus, das längst überfällig sei. "Eine andere Sprache verstehen sie nicht", sagte Erzbischof Sharaf mit Blick auf die IS-Terroristen. Ebenso müsse für Christen und Jesiden eine sofortige internationale Schutzzone eingerichtet werden, bis die Lage einigermaßen befriedet sei. Seit geraumer Zeit verließen diese Menschen ihre Heimat, deren Kultur sie seit Jahrhunderten maßgeblich mitgeprägt haben. Ob und wohin Erzbischof Sharaf in den Irak zurückkehren kann, ist nach seinen Worten momentan fraglich. Auch bestehe eine massive Bedrohung seiner Person.

(epd, KNA)

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