Der Beweis: Mehr Frau als Männer in den Bänken
Der Beweis: Mehr Frau als Männer in den Bänken
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

20.02.2013

Post aus Trier Als Mann und Frau schuf er sie

domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen ist in Trier und blickt hinter die Kulissen der Bischofsvollversammlung. Seine Post lesen Sie hier täglich neu. Heute: Die Bischöfe und die Frauen...

In der ältesten Stadt Deutschlands ist es am frühen Morgen noch bitter kalt. Jugendliche Schülerinnen und Schüler vom Schulorchester des Angela Merici Gymnasiums Trier passieren in ihren Winterjacken den Dom und verschwinden in der benachbarten Liebfrauenkirche. Auf ihren Rücken haben sie ihre Instrumente geschnallt, die gleich die Gottesdienst feiernde Gemeinde in ihren Bann ziehen werden. Innen im Kirchenraum ist es Gott sei Dank geheizt und auch der in warmem Licht hell erstrahlende Sandstein sorgt für eine perfekte Atmosphäre an diesem zweiten Arbeitstag der Frühjahrsvollversammlung. Die katholischen Bischöfe kommen wieder mit ihrem großen Gelenkbus mit Polizeieskorte und werden direkt vor dem Gotteshaus abgesetzt. Ein Paderborner Weihbischof scherzt mit den wenigen anwesenden Journalisten: Auch wenn die Bischöfe wieder im einheitlichen Schwarz unterwegs sind, könne von Schwarzfahren keine Rede sein.

Heute hat der Mainzer Kardinal Lehmann die liturgische Leitung übernommen. Mit seinen Krücken fällt ihm das Gehen sichtbar schwer. Heute nehmen seine Mitbrüder im bischöflichen Amt Rücksicht auf sein Tempo – beim Eröffnungsgottesdienst am Montag hatten sie ihren langjährigen Vorsitzenden beim Auszug noch aus den Augen verloren, so dass er alleine mit seinen Krücken hinterherhumpeln musste. Aber der große, alt gewordene Kardinal hat nichts von seiner Ausstrahlung und geistigen Frische verloren. In seiner Predigt spüren das die Anwesenden. Unter Hinweis auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel legt Kardinal Lehmann quasi die Basis, das Fundament, für den heute anstehenden Studientag, den sich die Bischöfe verordnet hatten. Seit sieben Jahren steht bei den Beratungen immer ein Schwerpunktthema im Mittelpunkt. Dieses Mal geht es also um das Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche. Wer bei diesem Thema zugkräftige Schlagzeilen erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Gleich zu Beginn in seinem Eröffnungsstatement hatte Erzbischof Zollitsch schon eine rote Linie gezogen, die nicht überschritten werden soll: Weiheämter für das weibliche Geschlecht sollen erst gar nicht diskutiert werden. Man will keinen, oder wohl besser gesagt keine enttäuschen oder falsche Erwartungen wecken. Man will sich beschränken auf das, was "in der gegenwärtigen Ordnung möglich ist“. Natürlich sieht man auch in den eigenen Reihen die Schwierigkeiten. Frauen entscheiden sich immer weniger für ein Theologiestudium, und nur noch 1/5 derjenigen, die in diesem Fach promovieren, sind weiblichen Geschlechts. Offenbar ist hier Kirche für die Frauen als Arbeitgeber nicht sonderlich attraktiv. Dem will man entgegenwirken: Es soll ausgelotet werden, ob und wie nicht doch mehr Frauen an geeigneten Stellen, z.B. in der Verwaltung, in der Caritas und Öffentlichkeitsarbeit der Kirche Verantwortung übernehmen können. In den Arbeitsgruppen, die an diesem Tag gebildet werden, um die vielen Fragen zu besprechen, haben sich die Bischöfe Verstärkung geholt: Jeweils ein Bischof wird in seiner Arbeitsgruppe von zwei Frauen flankiert. Das ist doch ein erstes Signal!

Und auch das Verhältnis stimmt. Wer sich im Gottesdienst am Morgen umsieht, der erkennt schnell: In der Kirche sind (die Bischöfe mal nicht mitgezählt) deutlich mehr Frauen als Männer. Im Altarraum sind neben den vielen Herren aber nur eine Messdienerin und eine Lektorin zu entdecken. Dafür ist in den Bänken das weibliche Geschlecht ganz klar in der Überzahl. Und auch im Schulorchester geben die vielen jungen Schülerinnen den guten und richtigen Ton an. Und der macht ja bekanntlich die Musik …