28.09.2012

Die Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe endet Bilanz in Fulda

Mit einer live von domradio.de übertragenen Pressekonferenz ist die DBK-Herbstvollversammlung in Fulda zu Ende gegangen. Zum Abschluss zogen die Bischöfe auch eine positive Bilanz der Telefonhotline für Heimkinder. Im Steit um das Betreuungsgeld stellten sie sich hinter Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich hinter das geplante Betreuungsgeld gestellt, zugleich aber eine Ausweitung auf alle Eltern kleiner Kinder gefordert. Auch Eltern, die öffentliche Betreuung in Anspruch nähmen, sollten zumindest anteilig in den Genuss dieser Leistung kommen, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Freitag in Fulda zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe. Viele Familien nutzten einen Betreuungsmix; sie dürften nicht völlig vom Betreuungsgeld ausgeschlossen werden.

Der Freiburger Erzbischof erinnerte an ein Modell katholischer Verbände, allen Eltern mit Kindern unter drei Jahren eine Anschlussleistung an das Elterngeld in Höhe von 300 Euro zu gewähren. Er verwies auf Erkenntnisse von Entwicklungspsychologen, nach denen insbesondere die ersten beiden Lebensjahre für die Bindungsfähigkeit und die Entwicklung der Kinder eine entscheidende Bedeutung hätten.

Bischöfe ziehen positive Bilanz der Hotline für Heimkinder
"Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Arbeit ist dieses Angebot der Kirche nicht länger notwendig, weil unterdessen sehr gute andere Angebote geschaffen wurden", erklärte Zollitsch zu der Telefonhotline für Heimkinder. Die im Juni abgeschlossene Hotline richtete sich an ehemalige Heimkinder, die zwischen 1945 und 1975 in katholischen Einrichtungen schlechte Erfahrungen gemacht hatten.

Seit Januar 2010 meldeten sich den Angaben zufolge 909 Betroffene bei der Hotline, dem bundesweit ersten Angebot dieser Art. Von den 909 Personen nutzten 645 telefonisch und 264 im Rahmen einer Online-Beratung die Hotline. Insgesamt gab es 1.959 telefonische Beratungsgespräche, die meistens zwischen 15 und 60 Minuten dauerten. Unter den Anrufern, die überwiegend im Alter zwischen 40 und 70 Jahren waren, befanden sich 55 Prozent Männer.

Zollitsch bezeichnete die Hotline als einen wichtigen Schritt zur Aufklärung und Aufmerksamkeit. "Vor allem hat die Hotline ein Gesprächsangebot für Heimkinder ermöglicht, das ihnen die notwendige und in der Vergangenheit oft versagte Aufmerksamkeit geschenkt hat."

Suche nach Lösungen für geschiedene Wiederverheiratete
Außerdem kündigte Zollitsch an, die Bemühungen um einen veränderten Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche intensivieren zu wollen. Eine Arbeitsgruppe erarbeite entsprechende Vorschläge. Konkrete Beschlüsse wurden aber noch nicht gefasst. Das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen sei auch für die Bischöfe "eine drängende Frage", erklärte Zollitsch. Es werde Zeit, dass sich etwas ändere. Zugleich warb er um Verständnis, dass schwierige theologische Fragen geklärt werden müssten. Dazu will der Freiburger Erzbischof in den kommenden Wochen auch Gespräche in Rom führen.

Zollitsch verwies auf Worte des Papstes, der im Juni beim Welttreffen der Familien in Mailand das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen als "eines der großen Leiden der Kirche" bezeichnet hatte. Die katholischen Gemeinden sollten alles nur Mögliche zu tun, damit sich die geschiedenen Wiederverheirateten "geliebt und akzeptiert" fühlten. Sie seien "keine Außenstehenden, auch wenn sie nicht die Absolution und die Eucharistie empfangen" könnten. Die Bischöfe hatten zuvor mehrfach hervorgehoben, dass die Unauflöslichkeit der Ehe von Jesus vorgeschrieben sei; darüber dürfe sich die Kirche nicht hinwegsetzen. Dennoch müsse sie auf die wachsende Zahl von Menschen zugehen, die nach einer Scheidung eine zweite zivile Ehe eingegangen seien.

Handlungsspielraum sehen die Bischöfe offenbar im kirchlichen Arbeitsrecht, wie am Rand der Vollversammlung zu erfahren war. So könnten künftig Angestellte von Kirche und Caritas, etwa Kindergärtnerinnen, Ärzte oder Sozialarbeiter, nach Scheidung und neuer ziviler Heirat möglicherweise nicht mehr ohne weiteres ihre Stelle verlieren. Zu der neu eingesetzten Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz gehören die Bischöfe Franz-Josef Overbeck (Essen), Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg), Felix Genn (Münster), Franz-Josef Bode (Osnabrück), Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) und Stephan Ackermann (Trier).

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