16.09.2011

Kardinal Meisner erwartet vom Papst heilende Worte für Deutschland "Wir bedürfen wirklich des Arztes"

Er ist einer der engsten Vertrauen des Papstes: Im domradio.de-Interview blickt Joachim Kardinal Meisner dem Deutschlandbesuch Benedikt XVI. entgegen. Der Heilige Vater werde vor allem die christlichen Wurzeln Europas betonen, so der Kölner Erzbischof.

domradio.de: Herr Kardinal, Bei Ihnen stellt sich die Vorfreude auf den Besuch des Heiligen Vaters bestimmt schon ein?
Meisner: Natürlich, ich bin eigentlich noch gar nicht rausgekommen aus der Freude. Ich bin dem Papst ja begegnet in Madrid. Und dann habe ich ihn dazwischen noch in Rom besucht. Und ich erinnere mich jetzt immer, wenn ich die ganzen Vorbereitungen sehe und höre in Berlin, Erfurt und Freiburg: Das war alles schon bei uns in Köln vor sechs Jahren.

domradio.de: Wird der Heilige Vater bei seinem Besuch 2005 und der Stimmung beim Weltjugendtag anknüpfen können?
Meisner: Der Papst hat nicht die Absicht, eine Weltjugendtags-Stimmung hier hineinzubringen. Sondern er wird als Bote es des Evangeliums und der Frohen Botschaft kommen. Und da werden die Menschen guten Willens schon froh werden.

domradio.de: Diesmal ist es offiziell ein Staatsbesuch. Macht das Situation schwieriger für den Heiligen Vater?
Meisner: Eigentlich leichter. Denn jetzt kommt er wirklich als Staatsgast. Und da hat er natürlich zu rechnen mit all den Verpflichtungen, die der Gastgeber auf sich nimmt, wenn er jemanden einlädt. Wenn ich jemanden in mein Haus einlade, muss ich dafür sorgen, dass ich der Würde und dem Status des Gastes gerecht werde.

domradio.de: Sie haben die die Papst-Proteste einiger Bundestagsabgeordneter deutlich kritisiert. Welche Resonanz haben Sie darauf erhalten?
Meisner: Noch gar nichts. Und ich erwarte auch keine Resonanz. Ich kann immer nur sagen: Ich verstehe das nicht. Ich bin als Bischof ein Mann, der aus der Bibel lebt. Mich erinnert das manchmal daran, wenn Jesus gekommen ist und Besessene waren da. Da fingen die Geister, die die Menschen in Besitz genommen haben, an zu schreien: Was haben wir mit Dir zu schaffen! Und dann hat Jesus die Geister ausgetrieben. Und dann heißt es immer: Es kehrte Ruhe und Frieden ein. Die letzten Reaktionen erinnern mich an eine rational nicht nachvollziehbare Anti-Papst-Besessenheit.

domradio.de: Was sind die besonderen Herausforderungen in Berlin?
Meisner: Als ich schon Kölner Erzbischof war, habe ich einmal einen Papstbesuch in Berlin erlebt, den von Johannes Paul II. Das hat ihm damals schon sehr viel bedeutend. Die Berliner Mauer war das Symbol der Teilung der Welt. Als ich ihn besuchte, sagte er: Ach, jetzt kommt Meisner, die linke Seite ist bei ihm kommunistisch, die rechte kapitalistisch, aber sein Herz ist katholisch. Das habe ich immer als eine sehr deutliche Charakterisierung empfunden. Die Kirche ist dazu da, Gegensätze zu überbrücken und über Mauern zu springen.

domradio.de: Welche Brücken kann der Papst in Deutschland bauen?
Meisner: Er wird gerade rücken, dass das Christentum nicht ein Störenfried Europas ist, sondern seine Wurzeln darstellt. Und indem sich Europa von seinem Wurzelgrund abschneidet, verdorrt der Baum. Und dann kommen die großen Schwierigkeiten, mit denen wir uns hier rumschlagen müssen. Wenn es ihm gelingt, den Baum zu verwurzeln, mit seinem Mutterboden in Verbindung zu bringen, dann ist er wie Arzt, der die psychische Lage unseres Volkes heilt. Heile, was verwundet ist. Wenn man die Zeitung aufschlägt, liest man nur von Streit, Hass und Unglücken. Wir bedürfen wirklich des Arztes. Der Papst kommt nicht, um Gegensätze aufzureißen, aber auch nicht um zu verkleistern. Er wird die Dinge schon beim Namen nennen.

Das Gespräch führte domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen - schauen Sie es im domradio.de-Interview in voller Länge nach.

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