Verlässt Köln: Weihbischof Heiner Koch
Verlässt Köln: Weihbischof Heiner Koch

03.03.2013

Weihbischof Heiner Koch über seinen Abschied aus Köln "Stärkt die, die da sind"

Für Heiner Koch heißt es nun Abschied nehmen. Heute um 17 Uhr wird er feierlich im Kölner Dom mit einem Pontifikalamt verabschiedet. Im Interview mit domradio.de sprach er am Vortag über neue Aufgaben und seine Wünsche für sein altes Bistum.

domradio.de: Weihbischof Koch, Sie werden morgen in Köln verabschiedet und nach Dresden-Meißen gehen. Kann man die beiden Bistümer miteinander vergleichen?

Weihbischof Heiner Koch: Köln ist ein altehrwürdiges Bistum, das in Deutschland rein statistisch von der Zahl her das größte Bistum ist mit 2,1 Millionen Katholiken. Wir in Dresden sind 150.000 Katholiken - noch. Ich hoffe, es werden mehr. 150.000 Katholiken gegenüber 3 Millionen Menschen, die ungetauft sind. Das ist eine ganz große Herausforderung. Ungetauft heißt hier auch, dass viele Menschen die christliche Tradition kaum oder gar nicht kennen. Ich bin vor kurzem Menschen begegnet auf der Straße, einem alten Paar, die mir sagten, sie könnten sich nicht daran erinnern, dass in ihrer Familie mal ein Christ war. Das glaube ich ist etwas, das ist im Rheinland  eigentlich undenkbar. Das ist eine große Herausforderung, auch ein großes Selbstbewusstsein. Wir sind ein großes Bistum, eben nicht nur die 150.000 Katholiken, sondern zu uns  gehören auch die drei Millionen Ungetauften, für die wir da sind.

domradio.de: Vor allem junge Leute in Dresden und in Leipzig sind katholisch.

Weihbischof Heiner Koch: Das ist sicherlich eine ganz interessante Entwicklung. Durch die nationalsozialistische Herrschaft und durch die lange Zeit der DDR haben sich viele, vor allem auch ältere Menschen, von der Kirche verabschiedet, haben die Beziehung zum Glauben und der Kirche verloren, während  nun verstärkt, und das ist auffallend, junge Menschen hineinkommen. Die größte Bevölkerungsdichte von der Altersschicht her innerhalb der katholischen Kirche, der Mitglieder der katholischen Kirche, besteht in Dresden und in Leipzig, in den zwei großen Städten des Bistums, zwischen 20 und 30 Jahren. Das ist eine große Möglichkeit des Aufbruchs. Erstens ist natürlich jeder, der sich als Christ bekennt und sich taufen lässt, eine Chance, wieder weitere anzusprechen.

Zweitens denke ich aber ist dies die große Herausforderung im Pastoral. Das sind ja Menschen, die zum großen Teil wahrscheinlich in der nächsten Zeit eine Familie gründen werden. Die Förderung und Stärkung der jungen Familien wird daher auch ein Schwerpunkt für mich sein.

Drittens: Wir müssen unbedingt die Arbeit an den Orten und in den Einrichtungen fördern, wo wir in Kommunikation treten mit den Menschen, die zu uns keinen Kontakt haben. Das müssen niedrigschwellige Angebote sein, das müssen sehr persönliche und einladende Angebote sein. Das wird der dritte Schwerpunkt sein.

domradio.de: Werden Sie auch über die neuen Medien an die Menschen herantreten?

Weihbischof Heiner Koch:  Also diese Frage trage ich schon die ganze Zeit mit mir mit, ohne sie schon vor meinem Amtsantritt beantworten zu können: Wie sind wir medial aufgestellt? In der Kommunikation mit den klassischen Medien, die dort sehr weit verbreitet sind, Zeitung, Print-Medien, Fernsehen, aber natürlich auch in den neuen Formen der Kommunikation, Internet, Facebook, Web 2.0, also überhaupt diese kommunikativen Medien. Das halt ich für einen ganz großen Schwerpunkt, für eine Notwendigkeit, weil ich weiß sonst beim besten Willen nicht, wie wir Menschen erreichen wollen, die institutionell nur schwach mit uns verbunden sind.

domradio.de: Morgen um 17 Uhr findet ja die feierliche Verabschiedung im Kölner Dom statt, welches Gefühl überwiegt denn jetzt gerade bei Ihnen, der Abschied aus Köln oder die Vorfreude auf die neue Aufgabe in Dresden?

Weihbischof Heiner Koch: Also bislang verhielt sich das sehr gemischt, je nachdem, wie der Tagesablauf war. Mal war mehr Dresden, manchmal auch mehr Köln im Blick. Aber derzeit, vor dem Tag morgen, für mich eindeutig der Abschied aus Köln. Die ganze Woche geht das schon so, ich verabschiede mich überall, von Aufgaben, Gemeinschaften, Caritasverband, Dialogprozess, den internationalen Gemeinden usw. Das morgen wird sicherlich noch mal ein Höhepunkt. Ich bin dankbar, dass Kardinal Meisner seinen Abflug aus Rom verschoben hat und ich bin nicht informiert, was da alles geschieht und wer da alles kommt, das wollten die alles für mich vorbereiten, das ist auch gut so. Insofern sehe ich sehr gespannt vor allem den vielen Menschen entgegen. Es werden ja nicht irgendwelche Menschen sein, mit den meisten werden sich Erinnerungen, Begegnungen verknüpfen. Bei aller Freude, dass etwas Neues beginnt, ich auch noch mal etwas Neues in eigener Verantwortung starten kann, ist natürlich auch eine gewisse Wehmut verbunden.

domradio.de: Jetzt weiß man ja von Ihnen, dass Sie ein großer Freund des Karnevals sind, kann man da vielleicht was mitbringen nach Dresden oder werden Sie nächstes Jahr zum Karneval wiederkommen?

Weihbischof Heiner Koch: Also erst mal werde ich auch im nächsten Jahr zum Karneval wieder in Köln sein, das steht absolut fest. Das habe ich mir auch schon geschworen, als ich dieses Jahr beim Rosenmontagszug auf dem Präsidentenwagen der Prinzengarde wieder mitfahren durfte. Das ist der Wagen vor dem Prinzen, kurz vor Schluss. Das war noch mal ein Höhepunkt für mich, noch mal „Kölsch- live“ sozusagen. Aber ich will nach Dresden nicht fahren und den Karneval implantieren, da gibt es ja auch Karneval, so ist es ja nicht. Aber die haben ihr eigenes Brauchtum, ihre eigenen Traditionen, die scheinen mir in vielen Gebieten sehr lebendig zu sein, und die will ich kennenlernen und da feiere ich dann auch mit, auf ihre Weise.

domradio.de: Zum Abschluss, welche Aufgaben und Wünsche hinterlassen Sie Ihrem Kölner Bistum?

Weihbischof Heiner Koch: Ein großer Wunsch wäre für mich, dass man sehr wach die Situation sieht und sich da nicht etwas vorgaukelt. Die Situation, dass auch hier zusehends weniger selbstverständlich ist, Christ zu sein, geschweige denn auch wirklich als Christ und in dieser Kirche zu leben. Stärkt die, die da sind! Stärkt vor allem die jungen Menschen! Das ist heute manchmal schwierig, Christ zu sein. Man ist dann oftmals ein Außenseiter. Also dieses Festhalten und Stabilisieren scheint mir das Erste zu sein.

Das Zweite: überlegt Euch wirklich, wie Ihr eine Vision reinkriegt, dass Ihr expandiert, dass Ihr missionarisch werdet, dass Ihr auf die zugeht, die nicht da sind, dass Ihr die zulasst, die nicht da sind. Ohne diese beiden Pole wird es nicht weitergehen. Kernanliegen ist für mich dabei die Sprachfähigkeit, die aktive wie die passive. Reden wir so, dass die Menschen uns verstehen können. Das meine ich nicht nur verbal in unseren Gesten. Die ganzen Katastrophen in den letzten Tagen und Wochen sind da für mich auch Zeichen einer fehlende Kommunikationsfähigkeit zwischen Kirche und Gesellschaft. Und helft den Menschen, dass sie selbst sprechen können, dass der aktive Wortschatz gestärkt wird, sonst wird das nicht weitergehen.

Das Interview führte Susanna Gutknecht.

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