Jugendbibel des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend
Jugendbibel des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

18.02.2020

Neue Bibelausgabe mit ungewöhnlicher Perspektive "Bibel für alle Altersklassen"

Für viele junge Leute ist die Bibel alt und unverständlich. Deshalb hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend die alten Geschichten in die heutige Zeit übersetzt. Herausgekommen ist eine jugendlich aussehende Ausgabe für alle Altersklassen.

DOMRADIO.DE: Wir reden von einem Taschenbuch. Passt die Bibel da überhaupt rein?

Christian Linker (Jugendbuchautor): Ja, fast. Es ist eine Auswahlbibel. Das war gar nicht so einfach, zu überlegen, welche Texte unbedingt hinein müssen, weil eigentlich müssen alle Texte rein. Aber damit es besser lesbar ist, haben wir doch ein paar weggelassen.

DOMRADIO.DE: Das Alte Testament zum Beispiel?

Linker: Nein, das ist uns natürlich sehr wichtig. Das Alte Testament hat, glaube ich, ein besonders starkes Gewicht in dieser Ausgabe.

DOMRADIO.DE: Vor fünf Jahren ist die Jugendbibel Youcat mit einem Vorwort von Papst Franziskus erschienen. Ich erinnere mich an die Volxbibel, in der stark mit Jugendsprache gearbeitet wird – Gott macht Ansagen, findet Dinge cool und so. Braucht es da denn noch eine weitere Jugendbibel von Ihnen?

Linker: Absolut. Bibeln kann man gar nicht genug haben. Es gibt ja in der Theologie den schönen Begriff der Inkulturation. Das bedeutet, die Botschaft immer auf das zu beziehen, was man gerade in der eigenen Lebenswelt oder in der Gesellschaft vorfindet. Also die Botschaft, die einige hundert oder tausend Jahre alt ist, immer wieder zu aktualisieren. Die gilt natürlich zeitlos, aber in verschiedenen Zeiten hat sie unterschiedliche Bedeutungen. Und mit dieser Bibelausgabe haben wir eben nochmal ein ganz anderes Angebot für Leute, darüber nachzudenken, für sich und mit anderen ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Wie ist da Ihre Herangehensweise? Rühren die Bibeltexte selber Sie nicht an?

Linker: Es sind die bekannten Texte, wie wir sie auch in der Einheitsübersetzung seit 2016 haben. Wir haben allerdings die Reihenfolge umgestellt – das ist eigentlich sehr spannend. Wir beginnen nicht mit Genesis 1,1 – wie es sonst ist, wenn man eine Bibel aufschlägt. Wir haben versucht, mithilfe unseres exegetischen Teams aus Passau, Sandra Huebenthal und Bernhard Klinger, eine chronologische Reihenfolge zu finden, wie die Texte höchstwahrscheinlich entstanden sind. Teilweise ist das in der Forschung noch offen. Aber bei einigen Texten kann man auch relativ sicher sagen, wo und wann sie entstanden sind – und aus welcher Situation.

Und so sind auch die Einführungstexte vor den einzelnen biblischen Büchern gehalten, dass wir ein sogenanntes lyrisches "Wir" entwickelt haben. Das heißt, wir haben versucht, uns vorzustellen, wer diese Menschen waren, die das aufgeschrieben haben, und was der Anlass war. Zudem haben wir betrachtet, warum es ihnen in ihrer historischen Situation wichtig war, diese Erinnerungen und Traditionen aufzuschreiben, die das Volk Israel hat.

Was das Neue Testament betrifft, wird geschaut: Warum sind die Evangelien entstanden? Wieso war die junge christliche Gemeinde genau zu dem Zeitpunkt in der Position, dass sie gesagt hat: Wir müssen das jetzt aufschreiben. Und wieso ist es einige Jahre später abermals aufgeschrieben worden? Was hat die Leute dazu bewegt? Was hat sie inspiriert? Selten waren es schöne Ereignisse, sondern eher erschütternde Momente und Situationen von Unsicherheit, bei denen man für sich zu dem Schluss kommt, nochmal festzuhalten, was da wichtig ist.

Sie wollten bekennen, was sie eigentlich als Gemeinschaft von ihrer Identität und von ihrem Glauben her  ausgemacht hat. Das ist eine Situation, in der wir heute auch wieder stehen. Deswegen ist es eigentlich eine Bibelausgabe, die ganz hervorragend in die Zeit passt.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich also überlegt, in welcher Zeit oder in welchen Zusammenhängen diese Texte damals entstanden sind. Für wen ist diese Bibel geeignet?

Linker: Für alle! Sie werden nirgendwo auf dem Umschlag oder im Innenteil das Wort "Jugendbibel" finden. Sie ist natürlich, wenn man so will, vom Aussehen und vom Gefühl her eine sehr jugendliche Bibelausgabe. Aber wir sehen das schon sehr klar als eine Bibel für alle Altersklassen. Ich glaube, junge Menschen können das gut lesen. Es ist das perfekte Firmgeschenk zum Beispiel. Aber ich glaube, dass es für jedes Lebensalter Impulse bereithält.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Anmerkung: "Wir erzählen die Bibel: Texte der Einheitsübersetzung aus ungewöhnlicher Perspektive lesen", erschienen bei Herder in Zusammenarbeit mit dem BDKJ.

(DR)

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