Mutgeschichten aus der Bibel
Mutgeschichten aus der Bibel

17.12.2018

Mutgeschichten aus der Bibel "Von Engeln, Helden und Menschen"

Die Charaktere der Bibel sind vielfältig: der kraftvolle Engel Gabriel, der sein Schwert zückt oder Maria, die überlegt, bevor sie "Ja" zur Empfängnis des göttlichen Kinds sagt. Was sie verbindet, ist oft Furchtlosigkeit und Heldentum.

DOMRADIO.DE: Welche Geschichten aus der Bibel zeichnen sich durch Mut aus, die Sie in Ihrem Buch beschreiben?

Josef Bruckmoser (Theologe und Autor): In der Bibel werden viele mutige Menschen dargestellt, beispielsweise Maria, die sich auf das Kind eingelassen hat, auf diese ungewisse Situation. Das hat schon einmal einen großen Mut erfordert. Ebenfalls hat sie dann auch den ganzen Lebensweg ihres Sohnes Jesus begleitet und für ihn da war, obwohl sie auch sehen musste, dass sehr Schweres und große Belastungen auf sie zukommen.

Dies kommt auch in vielen Stellen der Bibel zum Ausdruck, wie zum Beispiel Anfangs, als die Eltern den Zwölfjährigen in Jerusalem verlieren und er nicht mit heim kommt. Daraufhin haben sie ihn im Tempel gesucht und anschließend auch gefunden. Er fragte, warum Sie ihn gesucht haben, denn er sei dort, wo er hingehöre. Das erfordert den Mut, sich auf einen solchen Menschen einzulassen. Ich glaube hierbei kann uns Maria ein großes Vorbild sein, wenn wir sie ganz menschlich ansehen und sie nicht nur als Gottesmutter sehen, die uns nichts mehr zu sagen hat.

DOMRADIO.DE: Oftmals beeindrucken uns diese Geschichten. Denn wir denken, dass man auf menschlicher Ebene anders entscheiden würde und nicht so viel Mut hätte. Finden Sie, dass wir ganz oft das Menschliche hinter diesen Figuren vergessen?

Bruckmoser: Ich glaube, dass wir sie zu sehr in Schubladen gesteckt haben und zu sehr von den Klischees leben, die wir um die Figuren gebildet haben. Zum Beispiel ist der Judas nur der Verräter oder die Eva ist nur die Verführerin oder die Maria Magdalena ist dann nur die Sünderin. Jedoch hat ein Mensch viele Facetten und wenn wir versuchen, diese Figuren ganz in ihrer Menschlichkeit zu sehen, dann kommen sie uns viel näher. Dadurch können sie uns ein Lebensbeispiel sein und uns ermutigen, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.

DOMRADIO.DE: In Ihrem Buch nehmen Sie ganz unterschiedliche Figuren in den Blick. Welche Figur würden Sie hervorheben, bei der Sie selbst festgestellt haben, dass diese Figur eigentlich sehr mutig ist, wenn man die Menschlichkeit berücksichtigt anstatt sie auf eine Podest zu heben.

Bruckmoser: Einerseits ist es tatsächlich Maria, die Mutter Jesu, und auf der anderen Seite aber auch Josef. Denken wir nur daran, wie viele Patchwork Familien und wie viele Väter es gibt, die auch Kinder von einer anderen Mutter in die Familie mit einzubeziehen. Hierbei kann ein Josef, der in der Bibel immer dargestellt wird, als würde er neben Maria und Jesus etwas abseits stehen, Mut machen, solche Situationen anzunehmen. Maria Magdalena, die ein sehr persönliches Verhältnis zu Jesus hatte und in gewisser Weise eine seelische intime Beziehung zu Jesus hatte, war auch mutig. Sie hatte den Mut zu ihm zu stehen und ihm bis zum Kreuz zu folgen. Letztendlich war Maria Magdalena dann auch die erste, die am Grab war und sozusagen von der Auferstehung erfahren hat. Das hat sicher auch sehr viel Mut erfordert, diesen Weg an der Seite Jesus zu gehen. Jedoch war auch immer eine große Distanz zwischen Maria und Jesus, was durch Jesus Worte am Grab deutlich wird, denn er sagte: "Maria, rühr mich nicht an."

DOMRADIO.DE: Sie haben auch Theologie studiert und sind seit 30 Jahren als Redakteur tätig. Nehmen Sie denn diese Veränderungen wahr, dass man versucht diese Figuren aus der Bibel ins Menschliche zu holen. Es erscheinen immer wieder Filme, die erklären sollen, was hinter diesen Figuren auf menschlicher Ebene gesteckt hat. Wie nehmen Sie diese Veränderung wahr?

Bruckmoser: Einerseits beruhen viele Filme auf Klischees, weshalb ich oftmals nicht ganz überzeugt bin. Ich denke allerdings, dass sich in den letzten 30-40 Jahren, in denen ich mich mit den Themen beschäftige, der Zugang etwas gelockert hat. Wir haben uns intensiver damit auseinandergesetzt und wir haben auch gelernt, in gewisser Weise diese Menschen als Menschen wie ,"du und ich" zu sehen. Daher war das für mich, ein großer Anreiz, meine theologische Ausbildung mit meiner journalistischen Praxis und Erfahrung zu verbinden. Ich wollte Geschichten schreiben, die sehr nah an den Text der Bibel herankommen, aber doch in einer freien Assoziation versuchen, diesen Figuren neue Aspekte und neue Facetten abzugewinnen.

Das Gespräch führte Beatrice Steineke.

(DR)

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