Manfred Rekowski
Manfred Rekowski

24.09.2017

Präses Rekowski über Sorgen und Kontrolle Auch Christen dürfen sich Sorgen machen

Sorgen machen - das sei ein ganz menschliches Verhalten, betonte der rheinische Präses Manfred Rekowski am Sonntag in Bonn. "Wir dürfen das auch", sagte er. Aber: Die Sorge dürfe den Menschen nicht ausmachen.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat die Menschen davor gewarnt, das eigene Leben zu sehr kontrollieren zu wollen. "Die Einstellung, selbst das Leben meistern und alles kontrollieren zu müssen und zu können, ist ebenso gefährlich, wie das Gefühl, wehr- und verantwortungslos ein Spielball namenloser Kräfte zu sein", sagte er am Sonntag in einer Predigt in Bonn.

Der Mensch dürfe sich zwar Sorgen machen, diese dürften ihn aber nicht ausmachen. Auch die Bibel gestehe dem Menschen die Sorge zu. Nirgendwo verfahre die Bibel nach dem Bestseller-Motto "Sorge dich nicht - lebe!", sagte Rekowski in einem Festgottesdienst zur Eröffnung der Vertreterversammlung des Gustav-Adolf-Werks (GAW) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Zwischen Sorge, Kontrolle und Ohnmacht

"Immer wieder stellt die Bibel fest, dass wir uns Sorgen machen, dass wir Angst haben, dass wir manchmal verunsichert und mutlos sind", sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Und wir dürfen das." Es sei nicht die Sorge an sich, vor der Jesus etwa in der Bergpredigt warne, sondern die übertriebene Sorge, die leicht zu Ohnmachtsgefühlen und Kontrollverlust oder aber zu Selbstüberschätzung und Überforderung führen könne. Anlass zur Besorgnis böten vielen aktuell etwa der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA und die andauernde Migration von Menschen nach Europa.

Das Gustav-Adolf-Werk habe Kontakte zu Partnergemeinden in aller Welt, die sich Sorgen machten, sagte Rekowski in der Bonner Lutherkirche: "Wie sie das Dach der Kirche decken sollen, wie sie die Pastorin, den Pastor bezahlen sollen, wie sie Material für die Jugendgruppe anschaffen können, vielleicht auch ganz existenziell, ob und wie sie den Anfeindungen und Nachstellungen von Obrigkeit und Umgebung entgehen". Diese Gemeinden hätten allen Grund, sich Sorgen zu machen, wüssten aber oft, dass sie nicht alles unter Kontrolle haben. "Sie sind im guten Sinne demütig, weil sie wissen, dass sie Gott brauchen in allen Lagen", erklärte der Präses.

Über das Gustav-Adolf-Werk

Das GAW wurde 1832 in Leipzig gegründet und unterstützt im Auftrag der EKD protestantische Kirchen in der Diaspora. Jährlich fließen nach Angaben des Werks rund zwei Millionen Euro Spendengelder an 49 Partnerkirchen. Neben der Sanierung von Kirchen und Pfarrhäusern zählen zu den unterstützten Projekten etwa auch evangelische Schulen in Syrien. Das Hilfswerk erinnert mit seinem Namen an den lutherischen schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632), der als Verteidiger des Protestantismus gilt. Präsidentin des GAW ist die Ulmer Regionalbischöfin Gabriele Wulz.

Bei der Vertreterversammlung in Bonn beraten die Delegierten des Diasporawerkes aus ganz Deutschland bis Dienstag unter anderem über die Fördermittel für 2018 und wählen neue Vorstandsmitglieder, wie das GAW Rheinland in Bonn als Gastgeber ankündigte.

(epd)

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