Benedikt XVI. trägt auch nach seinem Rücktritt weiß
Der emeritierte Papst Benedikt XVI.

17.05.2019

Wiener Rabbiner würdigt Benedikt XVI. "Ein sympathischer und profunder Denker"

Der Wiener Rabbiner Arie Folger hat seinen Austausch mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zu Fragen des jüdisch-christlichen Verhältnisses gelobt. "Er ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber noch immer intellektuell voll engagiert."

In ihm fand ich einen sehr sympathischen und profunden Denker, dem der Antisemitismus und Antijudaismus in allen ihren Gattungen abscheulich ist", sagte Folger am Donnerstag in Rom. Er äußerte sich an der Lateranuniversität bei der Vorstellung seines Briefwechsels über Fragen des jüdisch-christlichen Verhältnisses mit dem emeritierten Papst in italienischer Übersetzung.

Der Austausch habe auch den Dialog bestärkt: "Wenn ich eine Freundschaft entwickele mit Kardinal Schönborn aus Wien, mit Benedikt – natürlich entsteht da der Wunsch, einander besser zu verstehen", so Folger. Er sagte zugleich, der christlich-jüdische Dialog leide unter einer Vorbelastung, die nicht verschwinde, da Juden jahrhundertelang gezwungen worden seien, sich Predigten anzuhören, um von der Christologie überzeugt zu werden. "Trotzdem finden wir Wege, miteinander in großer Brüderlichkeit, Freundschaft und großem Interesse zu reden."

"Brüderlichkeit vertiefen"

Über seine persönliche Begegnung mit dem emeritierten Papst im Vatikan Mitte Januar sagte der Wiener Rabbiner, sie habe fast eine Stunde gedauert. Man sei sich in vielen Themen nicht einig, es gebe jedoch den gegenseitigen Wunsch, "die Brüderlichkeit zu vertiefen und unsere jeweilige Frömmigkeit auszuleben und Gott zu dienen – jeder, wie er das nach seiner Tradition versteht".

Im April 2018 hatte der emeritierte Papst in der Theologischen Zeitschrift "Communio" einen kontrovers diskutierten Beitrag veröffentlicht, mit dem er den Dialog mit den Juden theologisch vertiefen wollte. Der Wiener Oberrabbiner hatte darauf in der "Jüdischen Allgemeinen" eine Replik veröffentlicht, auf die Benedikt XVI. seinerseits in einem persönlichen Brief ausführlich antwortete. Rabbi Folger reagierte darauf seinerseits wieder; Mitte Januar kam es zu einem persönlichen Treffen im Vatikan.

(KNA)

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