Papst Benedikt XVI. grüßt vom Balkon
Papst Benedikt XVI. grüßt vom Balkon
11. Februar 2013: Papst Benedikt XVI. verkündet seinen Rücktritt
11. Februar 2013: Papst Benedikt XVI. verkündet seinen Rücktritt
Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan
Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan
Der emeritierte Papst Benedikt XVI (l) und sein Bruder Georg im April 2017
Der emeritierte Papst Benedikt XVI (l) und sein Bruder Georg im April 2017

28.02.2018

Seit fünf Jahren lebt Benedikt XVI. als Emeritus Kein Schattenpapst

Als sich Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 von den Gläubigen verabschiedete, endete erstmals seit Jahrhunderten ein Pontifikat durch Rücktritt. Als Emeritus lebt er zurückgezogen, doch Schlagzeilen produziert er ab und zu immer noch.

"Danke und gute Nacht." Mit diesen Worten sagte der scheidende Papst Lebewohl zu den zahlreichen Gläubigen, die auf das Gelände der päpstlichen Sommerresidenz gekommen waren. Um 20 Uhr war es soweit: das Portal von Castel Gandolfo wurde als symbolisches Zeichen für das Ende des Pontifikats geschlossen. Der Fischerring des Papstes und das päpstliche Siegel wurden zerstört, die Sedisvakanz, die Zeit ohne Papst, begann. Zugleich fing auch das "neue" Leben des emeritierten Papstes an.

Weiße Kleidung und Rückkehr in den Vatikan

Weiß als Kleidung behält Benedikt bei, ebenso den Papstnamen und die Anrede "Heiliger Vater". Nur auf die Mozzetta, den Schulterkragen, verzichtet er und auf die roten Schuhe. Als das Kloster Mater Ecclesiae renoviert ist, kehrt Benedikt wieder in den Vatikan zurück. Seit dieser Zeit betreuen ihn mehrere Frauen des geweihten Lebens, auch Erzbischof Georg Gänswein bleibt in den Diensten des ehemaligen Papstes.

Wenige Wochen nach seinem Rücktritt wählen die Kardinäle erstmals einen Südamerikaner zum Oberhaupt der Katholischen Kirche. Franziskus setzt durch einen neuen Stil und eigene theologische Schwerpunkte schnell Akzente. Benedikt bleibt im Hintergrund. Er wolle im Gebet der Kirche dienen und unsichtbar für die Welt seine letzte Etappe des Lebens verbringen. So hatte es der scheidende Papst angekündigt.

Doch Benedikt bleibt präsenter als gedacht – das liegt auch an seinem Nachfolger. Franziskus lädt den Emeritus immer wieder ein, bei besonderen Anlässen wie der Eröffnung des Heiligen Jahres 2015 öffentlich teilzunehmen.

Zwei Männer in Weiß

Zwei ältere Männer legen sich herzlich die Arme um die Schultern – eigentlich kein ungewöhnliches Bild – wäre der eine nicht der amtierende Papst und der andere der emeritierte. Die ersten Fotos der beiden Männer in Weiß nach der Wahl von Franziskus im März 2013 zum Oberhaupt der Katholischen Kirche sind nicht nur für Katholiken gewöhnungsbedürftig. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf kritisiert die optische Nähe zwischen Vorgänger und aktuellem Papst. Nur dieser eine habe das Recht, "mit 'Heiliger Vater' angeredet zu werden und die weißen Gewänder zu tragen". Auch andere Theologen vertreten diese Auffassung, doch vom Vatikan aus gibt es keine neue Kleiderregelung für zurückgetretene Päpste.

Viele Besuche und ein letztes Buch

Nicht nur Franziskus besucht Benedikt – der langjährige Bischof und Theologieprofessor bekommt oft Besuch von ehemaligen Kollegen aus dem universitären Bereich oder von langjährigen Weggefährten. Auch deutsche Bischöfe oder Politiker wie Horst Seehofer schauen gerne vorbei. Möglichst oft reist sein Bruder Georg aus Regensburg in den Vatikan. Sein Bruder sei wirklich erleichtert, dass "er das Gewicht der Kirche nicht länger auf seinen Schultern tragen muss", sagt Georg Ratzinger zwei Monate nach Benedikts Rücktritt 2013.

Die Zeit verbringt Benedikt mit der täglichen Messfeier, kurzen Spaziergängen, Klavierspielen, Gebet und den zahlreichen Besuchern. Eigene Werke schreibt er dem Vernehmen nach nicht mehr und doch sorgt ein Buch vor allem in Deutschland für Ärger.

Benedikt als Gegenpapst?

Unter dem Titel "Letzte Gespräche" veröffentlicht der Journalist Peter Seewald 2016 ein Gesprächsbuch mit Benedikt nach dessen Emeritierung. Darin kritisiert der eine "ungeistliche Bürokratie" und zu wenig "Dynamik des Glaubens" in der deutschen Kirche. Die Frage taucht auf, ob sich mit dem Buch der Papst im Ruhestand nicht zu sehr in die Amtsgeschäfte von Franziskus einmischt – der hatte aber der Veröffentlichung im Vorfeld zugestimmt.

Auch bei anderer Gelegenheit werden Aussagen des Papstes so interpretiert, als wolle er den aktuellen Kurs des amtierenden Papstes oder den der deutschen Bischöfe beeinflussen oder kritisieren. Jedes Mal weist Benedikt das zurück – sowohl im Zuge der Debatte um den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen als auch bei seiner Grußbotschaft zur Beerdigung des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner 2017. Den Gläubigen sei klar, "wer der wahre Papst ist", sagt Benedikt schon 2014 der Frankfurter Sonntagszeitung. Auch Spekulationen um die Gültigkeit des Rücktritts oder geheime Gründe für den Rückzug weist Benedikt in einem Brief an den Journalisten Andrea Tornielli zurück.

Ausgerechnet sein langjähriger Privatsekretär befeuert 2016 Spekulationen um ein geteiltes Papstamt. Erzbischof Gänswein hatte in einer Rede an der römischen Universität Gregoriana gesagt, nach Benedikts Amtsverzicht gebe es keine zwei Päpste, "aber de facto ein erweitertes Amt – mit einem aktiven und einem kontemplativen Teilhaber".

Es kann nur einen geben

Dem Eindruck eines erweiterten Amtes widerspricht auf Nachfrage von Journalisten Papst Franziskus. Benedikt XVI. sei "der emeritierte Papst, nicht ein zweiter Papst". Das Verhältnis zwischen den beiden scheint davon unbelastet. 2017 bezeichnet Franziskus Benedikt als "Meister und freundlichen Gesprächspartner". Die erste Enzyklika von Franziskus 2013 basiert auf einem Text seines Vorgängers, immer wieder lobt er die Gegenwart Benedikts im Vatikan, dessen "Ehrfurcht und Gehorsam".

Spekulationen um den Gesundheitszustand

Seit sich Benedikt erschöpft von seinem Amt zurückgezogen hat, gibt es Spekulationen um seinen Gesundheitszustand. Noch im Februar 2018 stellte der Vatikan klar, der emeritierte Papst leide nicht an einer Krankheit, sondern spüre eine altersübliche Schwäche. Im Laufe der Jahre fällt Benedikt das Laufen immer schwerer, Besucher bestätigen immer wieder, dass der emeritierte Papst geistig hellwach sei. Der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" schreibt der fast 91-jährige im Januar 2018 dann persönlich – denn viele Leser sorgen sich um ihn: "Langsam schwinden die physischen Kräfte, innerlich bin ich auf dem Pilgerweg nach Hause." Sein Privatsekretär Gänswein fasste 2016 die Lebenssituation von Benedikt  so zusammen: Er sei "im Frieden mit Gott, sich selbst und der Welt". Der emeritierte Papst sei "wie eine Kerze, die langsam und friedlich abbrennt".

Mathias Peter
(DR)

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