Benedikt XVI. im Jahr 2011
Benedikt XVI. im Jahr 2011
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp

15.04.2017

Weihbischof Schwaderlapp über Benedikt XVI. Der Mozart der Theologie

Benedikt XVI. wird am Ostersonntag 90. Vorher reflektiert der Kölner Weihbichof Dominikus Schwaderlapp im domradio.de-Interview, wie Benedikt ihn, sein leben und denken beeinflusst hat.

domradio.de: Sie waren erst ein knappes Jahr Generalvikar des Erzbistums Köln, als Benedikt zum Papst gewählt wurde. Wie haben Sie diesen Tag in Erinnerung?

Dr. Dominikus Schwaderlapp (Weihbischof Erzbistum Köln): An diesem Tag morgens kam ein Mitarbeiter des Presseamtes zu mir und sagte: "Wir haben das mal durchgespielt, sollte Ratzinger zum Papst gewählt werden, dann haben wir ein Problem: Der ist nicht vermittelbar." Als er dann abends gewählt war, ging sehr schnell eine Euphorie durchs Land, die Schlagzeile "Wir sind Papst" haben wir noch in guter Erinnerung und die Stimmung hat sich sehr gewandelt. Es war für mich ein sehr froher Tag und ein sehr glücklicher Tag, Kardinal Ratzinger kannte ich schon lange, ich war vor meiner Zeit als Generalvikar Sekretär von Kardinal Meisner und Kardinal Meisner und Kardinal Ratzinger waren immer schon befreundet und so gab es immer wieder Begegnungen. Für mich persönlich stellte sich tatsächlich so ein Gefühl von "Wir sind Papst" ein.

domradio.de: Die Reaktion war zumindest in der Presse euphorisch. In manchen Theologenkreisen herrschte aber auch Skepsis. In seiner Predigt vor Beginn des Konklaves sprach Ratzinger als Kardinal-Dekan von einer "Diktatur des Relativismus". Was sind denn die theologischen Züge seines Pontifikats gewesen?

Schwaderlapp: Natürlich steht Ratzinger/Papst Benedikt für eine klare theologische Profilierung und eine theologische Profilierung hat natürlich zur Konsequenz, dass sie umstritten ist. Jesus Christus war auch immer umstritten und das Christentum, unser Glaube, wird umstritten sein, bis der Herr wiederkommt, das ist also nichts Neues. Papst Benedikt ist nach dem großen Johannes Paul II., der eigentlich ein Jahrtausendpapst war mit seinen vielfältigen Begabungen und all seinen Initiativen, es ist ja ein Vulkan an Initiativen, die er in seinem über 25-jährigen Pontifikat gebracht hat, ist Benedikt der große Lehrer der Kirche. Ich glaube, er würde später sicher einmal den Titel "Lehrer der Kirche" verdienen. Er hat die Innerlichkeit sehr betont und sein Pontifikat ist weniger extrovertiert als das von Johannes Paul, auch nicht introvertier, sondern eher ins Innere, in die Mitte führend. Es gab z. B. das Jahr des Apostels Paulus, es gab das Priesterjahr, Jahre, in denen man sich auch tiefer mit theologischen Themen beschäftigt hat. Die Botschaft Benedikts ist: Glaube ist weit über die Vernunft hinausgehend, aber ruht auch auf der Vernunft, es ist vernünftig, zu glauben. Aber Gott ist größer als unsere Vernunft und Gott macht unsere Vernunft nicht klein, sondern er erfüllt eigentlich das, was unsere Vernunft nicht erreichen kann. Das wird auch in seinen Ansprachen immer wieder deutlich, da ist mir noch ein Wort von Kardinal Meisner im Ohr: "Der Mozart der Theologie, gescheit wie zehn Professoren und dabei fromm wie ein Kommunionkind", sagt er. Das bringt es gut auf den Punkt.

domradio.de: Der zwanzigste Weltjugendtag in Köln stand noch ganz im Zeichen des frisch gewählten Papstes. Setzte er dabei auch neue Akzente zu seinem Vorgänger Johannes Paul?

Schwaderlapp: Das glaube ich nicht, gerade in dieser Zeit, das war ja sein erster großer öffentlicher Auftritt außerhalb Roms, da ließ er sich von der Euphorie der jungen Menschen mitreißen, da gab es diese wunderbaren, für mich unvergesslichen Begegnungen: Als wir ihn als Domkapitulare begrüßen durften und wir mit ihm zusammen im Dom gebetet haben, dann die Begegnung mit den jungen Leuten auf dem Roincalliplatz, wie er auch sein Konzept weggelegt hat und frei gesprochen hat und seine Verbundenheit mit Köln und der Jugend deutlich gemacht hat. Das sind großartige Momente, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

domradio.de: Am Rosenmontag 2013 verkündete Papst Benedikt überraschend seinen Amtsverzicht. Seit der Wahl von Papst Franziskus hat sich vieles getan. Manch einer tut sich schwer mit zwei Männern in Weiß, die im Vatikan leben. Was denken Sie darüber: Sollte es ein klares Reglement zum Amtsverzicht eines Papstes geben?

Schwaderlapp: Das sollen die entscheiden, die sich mit dem Kirchenrecht beschäftigen. Ich muss sagen, wenn ich an diesen 11. Februar 2013 zurückdenke, war es für mich schon ein Schock, weil der Papst für mich eine Vaterfigur ist und ein Vater bleibt ein Vater, auch wenn er alt und gebrechlich ist - als Vater tritt man nicht zurück. Er hat das aber im Gebet erhoben und wie mir das Erzbischof Gänswein, mit dem ich gut verbunden bin, gesagt hat, lebt er damit ganz im inneren Frieden. Auch, wenn das für mich damals ein Schock war, muss man das respektieren und es war aus seiner Sicht und dann bestimmt auch vor Gottes Angesicht die richtige Entscheidung. Ob es da ein Reglement geben muss, weiß ich nicht. Ich hoffe immer noch, dass das nicht die Regel ist, dass es nicht zu einem Amt wird wie das eines Bundespräsidenten, was auf Zeit ist, sondern es ist eben mehr als eine solche Funktion, die ein Papst ausübt.

domradio.de: 90 Jahre Joseph Ratzinger: Was wünschen Sie dem "Papa emeritus" zu seinem Geburtstag?

Schwaderlapp: Eigentlich würde ich mir wünschen, dass er noch ein paar seiner großartigen Gedanken zu Papier bringt und uns hinterlässt, ansonsten wünsche ich ihm Wohlergehen an Leib und Seele und dass er wirklich im inneren Frieden und in Freude dankbar auf das zurückblicken kann, was er mit Gottes Hilfe alles für die Kirche Gottes geleistet hat und was bleiben wird lange über sein irdisches Leben hinaus. Er wird in Erinnerung bleiben, er hat Maßstäbe gesetzt und ich sehe ihn in einer guten Kontinuität. Jeder Papst ist sicherlich ein Unikat, aber wenn wir so die Pontifikate betrachten, dann hat Benedikt noch so mache Fäden von Johannes Paul II. weitergeführt, auch theologisch. Nun haben wir Papst Franziskus, nach dem großen Lehrer ist das der große Pastor, der große Seelsorger. Wenn man seine Predigten hört, das sind eigentlich alles auch geistliche Ansprachen, die Anregungen zum persönlichen Leben und zum persönlichen Gebet sind. So sind die gut in einer Reihe aufgefädelt und in ihrem Zusammensein werden sie über ihr jeweiliges Leben hinaus Wirkung in dieser Welt haben.

Das Interview führte Carsten Döpp
(dr)

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