Benedikt XVI. im Jahr 2011
Benedikt XVI. im Jahr 2011

28.06.2016

Benedikt XVI. - eine Chronologie Der deutsche Papst

Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., hat ein reiches Leben als Priester, Professor, Bischof, Kardinal und Papst geführt. Jetzt begeht er den 65. Jahrestag seiner Priesterweihe. Eine Übersicht einiger seiner zentralen Stationen:

16. April 1927: Joseph Ratzinger wird als Sohn eines Gendarmerie-Beamten in Marktl am Inn geboren. Kindheit und Jugend verbringt er in Traunstein im Chiemgau nahe der österreichischen Grenze.

1945: Gegen Kriegsende wird er als Flakhelfer eingezogen.

1946-1951: Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München.

1951: Priesterweihe am 29. Juni.

1953: Dozent für Dogmatik und Fundamentaltheologie in Freising. Dissertation über das Thema "Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche".

1957: Habilitation in München über "Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura".

ab 1959: Professor in Bonn (1959-1963), Münster (1963-1966), Tübingen (1966-1969) und Regensburg (1969-1977).

1962-1965: Beim Zweiten Vatikanischen Konzil ist Ratzinger theologischer Berater des Kölner Kardinals Josef Frings; er prägt zentrale Konzilsdokumente mit. Später wichtige Ämter in der Deutschen Bischofskonferenz und der Internationalen Theologenkommission im Vatikan.

1977: Berufung zum Erzbischof von München und Freising. Bischofsweihe am 28. Mai. Sein bischöfliches Motto: "Mitarbeiter der Wahrheit". 27. Juni Kardinalserhebung.

1981: Johannes Paul II. betraut ihn im November mit der Leitung der Römischen Glaubenskongregation, durch die er sich den Ruf eines strengen Glaubenswächters und insbesondere in Deutschland auch den eines Hardliners erwirbt. Ratzinger wird auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission.

1982: Verzicht auf die Leitung des Erzbistums München und Freising.

1983-1986: Für Aufsehen sorgen die Auseinandersetzungen mit der Befreiungstheologie. 1986 erscheint die Vatikan-Instruktion über Freiheit und Befreiung, die die Wogen glättet und den Weg zu einer nicht-marxistisch orientierten Befreiungstheologie ebnet.

1992: Vorstellung des neuen Weltkatechismus der katholischen Kirche, der seit 1986 unter Ratzingers theologischer Ägide erarbeitet wurde.

2000: Die von Ratzinger verfasste Erklärung "Dominus Iesus", in der er die Einzigartigkeit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und die besondere Stellung der katholischen Kirche betont, sorgt weltweit für Debatten.

2001: Ratzinger wird Amtsmüdigkeit nachgesagt. Das Leben eines Kirchenmanns in leitender Stellung sei sehr hart, sagt er im September 2001. Er sehne daher die Zeit herbei, "in der ich noch einige Bücher schreiben kann". Dennoch bleibt er auf Bitten Johannes Pauls II. im Amt.

2002: Dekan des Kardinalskollegiums

2004: Viel beachtete Diskussion mit dem Philosophen Jürgen Habermas

2. April 2005: Tod Papst Johannes Pauls II. Als dienstältester Kurienkardinal und Kardinaldekan zelebriert Ratzinger die Totenmesse (8. April) und leitet das Konklave zur Papstwahl (18. April).

19. April: In einem der kürzesten Konklave der Geschichte wird Ratzinger gewählt. Er nennt sich Benedikt XVI. - in Erinnerung an den Friedenspapst Benedikt XV. und an den Europa-Patron und Ordensgründer Benedikt von Nursia.

Mai: Benedikt XVI. gibt grünes Licht für das Seligsprechungsverfahren seines Vorgängers Johannes Paul II.

August: Bei seiner ersten Auslandsreise bereitet der Weltjugendtag in Köln dem "deutschen Papst" einen begeisterten Empfang.

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2006:

Januar: Erste Enzyklika, "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe).

Mai: Benedikt XVI. reist in die Heimat Johannes Pauls II. Im ehemaligen KZ Auschwitz gedenkt der "deutsche Papst" der Opfer des Nationalsozialismus.

September: Benedikt XVI. besucht seine bayerische Heimat. Sein Vortrag in der Regensburger Universität löst durch ein historisches Zitat über Mohammed einen weltweiten Disput aus. Der Vatikan startet Dialog-Initiativen mit dem Islam.

November/Dezember: Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen reist Benedikt XVI. in die Türkei. Besondere Beachtung finden seine Versöhnungsgesten gegenüber dem Islam, etwa sein Besuch in der Blauen Moschee in Istanbul.

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2007:

16. April: Am 80. Geburtstag erscheint "Jesus von Nazareth", der erste von drei Teilen von Ratzingers Deutung der Gestalt Jesu.

Juli: Benedikt XVI. erleichtert die Feier der alten lateinischen Messe in der vorkonziliaren Form von 1962 als "außerordentliche Form der Liturgie der Kirche". Beobachter werten dies als Zugeständnis an die Traditionalisten.

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2008

Februar/März: Die Reform der Karfreitags-Fürbitte im vorkonziliaren Messritus von 1962 sorgt für Verstimmung in der jüdischen Welt.

April: Seine achte Auslandsreise führt den Papst in die USA, unter anderem mit Reden im Weißen Haus, vor den Vereinten Nationen und am Ground Zero in New York.

Juli: Besuch beim Weltjugendtag in Sydney.

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2009

Januar: Benedikt XVI. nimmt die Exkommunikation für vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. zurück, um den Weg zu Gesprächen zu ebnen. Zeitgleich erscheint ein TV-Interview, in dem einer der vier, Richard Williamson, den Holocaust leugnet. Auf die weltweite Empörung reagiert Benedikt XVI. mit klaren Absagen an jede Form des Antisemitismus und der Relativierung der Schoah, aber auch mit Kritik an fehlendem Rückhalt in eigenen Reihen.

Mai: Der Papst unternimmt eine Pilgerfahrt ins Heilige Land, nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete.

Juli: Benedikt XVI. veröffentlicht die Sozialenzyklika "Caritas in veritate" zu Aspekten der Globalisierung und der Finanz- und Wirtschaftskrise.

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2010:

Frühjahr: Eine neue Welle des Missbrauchsskandals erfasst die katholische Kirche in Deutschland und Österreich. Viele Katholiken treten aus der Kirche aus.

September: Benedikt XVI. reist nach Schottland und England, der erste Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien. Die zuvor kritische Medienberichterstattung schlägt im Lauf der Reise um.

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2011

März: Zweiter Band der Trilogie "Jesus von Nazareth".

August: Besuch beim Weltjugendtag in Madrid.

September: Nach Verhandlungen über fast zwei Jahre legt der Vatikan der traditionalistischen Piusbruderschaft Bedingungen für eine Aussöhnung vor.

September: Dritte Deutschlandreise des Papstes.

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2012

Frühjahr: Die Verhandlungen mit den Piusbrüdern stecken in der Sackgasse.

März: Reise nach Mexiko und Kuba. Begegnung mit Fidel Castro.

Juli: Benedikt XVI. beruft den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation - jenen Posten, den er selbst bis zur Papstwahl 2005 innehatte.

September: Inmitten muslimisch-christlicher Spannungen um ein Mohammed-Schmähvideo reist Benedikt XVI. in den Libanon. Dort wirbt er für Religionsfreiheit und für einen Verbleib der Christen in der Region.

Oktober: Weltbischofssynode zum Thema Neuevangelisierung. 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils eröffnet Benedikt XVI. ein "Jahr des Glaubens".

November: Benedikt XVI. beendet seine "Jesus-Trilogie".

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2013

11. Februar: Benedikt XVI. kündigt seinen Amtsverzicht an.

28. Februar: Der Papst legt sein Amt nach sieben Jahren, zehn Monaten und neun Tagen nieder. In den Wochen vor und nach dem Konklave hält er sich in Castel Gandolfo auf.

2. Mai: Benedikt XVI. bezieht das ehemalige Kloster "Mater Ecclesiae" in den vatikanischen Gärten. Dort führt er seither ein zurückgezogenes Leben.

(KNA)

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