Pater Bernd Hagenkord
Pater Bernd Hagenkord

22.08.2013

Pater Hagenkord über mystische Erfahrungen "Das klingt überhaupt nicht nach Benedikt"

Es sei eine "mystische Erfahrung" gewesen, die ihn zum Rücktritt bewogen habe. Das soll der emeretierte Papst Benedikt XVI. gesagt haben. Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan rät zur Vorsicht bei der Bewertung.

domradio.de: Was ist an den Spekulationen dran? Kann man der anonymen Quelle trauen?

Hagenkord: Es ist schwierig: Auf der einen Seite klingt es recht plausibel, dass Benedikt jemandem sagt, warum er zurückgetreten ist. Auf der anderen Seite ist es eine anonyme Quelle, da sollte man vorsichtig sein.

domradio.de: Wie könnte das ausgesehen haben, so eine "mystische Erfahrung"? Benedikt soll gesagt haben, der Rücktritt sei keine Flucht vor der Welt, sondern eine "Flucht in Gott und in ein Leben von seiner Liebe."

Hagenkord: Letzteres halte ich für einen O-Ton Benedikts. Das klingt so, als ob er es gesagt haben könnte. Die Sache mit der mystischen Erfahrung ist zu pathetisch, das klingt überhaupt nicht nach Benedikt. Ich kann mir vorstellen, dass Benedikt im Gebet lange mit sich gerungen hat, und dass er dann in der "Unterscheidung der Geister" meinte, Gottes Willen erkennen zu können, dass es für ihn Zeit sei zurückzutreten wegen seiner körperlichen Verfassung. Das hatte er im Vorfeld ja auch schon angedeutet und dieses Motiv halten eigentlich die meisten Vatikankenner für plausibel.

domradio.de: Und was ist mit den Gründen, die sonst angeführt wurden, z.B. Vatileaks?

Hagenkord: Über die Komplotte wird natürlich noch spekuliert, und geheimnisvolle Geschichten machen sich im Vatikan ja immer ganz gut. Ich glaube aber wirklich, dass sein Körper einfach nicht mehr mitmachte und das der Grund war. Er hat wohl gesehen, dass er seinem Amt nicht mehr gerecht werden konnte und ist dann aus freien Stücken zurückgetreten.

domradio.de: Benedikt wird zitiert, dass er sehr zufrieden mit der Entscheidung sei und auch die Beliebtheit des neuen Papstes Franziskus als Bestätigung sehe. Ist das also wirklich ein göttliches Zeichen?

Hagenkord: Es klingt wie etwas, was er gesagt haben könnte. Er mag gesehen haben, dass das Amt bei Franziskus in guten Händen ist. Das könnte eine Beruhigung und eine nachträgliche Bestätigung seiner Entscheidung sein: Dass der Heilige Geist sowohl bei Benedikts Rücktritt als auch bei Franziskus´ Wahl gewirkt hat.

domradio.de: Das Interesse an Benedikt scheint nach wie vor groß zu sein. Kann er auf Dauer "im Verborgenen" leben, wie er es angekündigt hat?

Hagenkord: Er könnte verborgen leben, wenn bestimmte Leute aufhören würden, sich als anonyme Quellen den Medien zu offenbaren. Ich würde mir wünschen, dass er guten Besuch bekommt, aber nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen muss und dass die Leute mit dem Quatschen aufhören!

Das Interview führte Christian Schlegel.

(dr)

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