Benedikt XVI. und Papst Franziskus
Benedikt XVI. und Papst Franziskus
Papst Franziskus betet mit Benedikt XVI.
Papst Franziskus betet mit Benedikt XVI.
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

06.07.2013

Ein Kommentar zur digitalen päpstlichen Bilderflut Treffen sich zwei Päpste …

Treffen sich zwei Päpste … Früher konnte man mit diesem Kalauer noch punkten. Doch das einst Unvorstellbare ist längst Realität geworden. Zu viel des Guten, meint domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Es gibt Bilder, die zwei Päpste ganz in Weiß vor ihrem weißen Helikopter zeigen. Oder zwei Päpste ganz in Weiß in ihrer päpstlichen Kapelle im Gebet vereint. Oder zwei Päpste ganz in Weiß, die sich an der Tür im Vatikan begrüßen. Oder wie am Freitag dieser Woche: Zwei Päpste, wieder ganz im einheitlichen Weiß, die auf genau gleich hohen Stühlen gemeinsam auf genau gleicher Höhe ein neues Kunstwerk im Garten des Vatikans zu Ehren des Heiligen Michael einweihen.

Ich muss zugeben, für mich sind dieses Bilder doch immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. In meinem ganzen Leben gab es immer nur den einen Papst. Jetzt tauchen sie immer öfter wie Doppelgänger auf. Gut, Papst Franziskus hat selber betont, dass seine erste Enzyklika quasi von zwei Päpsten geschrieben wurde. Die Medienexperten im Vatikan haben sich da offenbar gedacht, es mache sich doch ganz gut, wenn beide Päpste dann auch wunderbar gemeinsam ins Bild gesetzt werden. Am Tag der Veröffentlichung weihten sie also gemeinsam das neue Denkmal ein.

Denk-mal! Das ist das richtige Stichwort: Haben die Medienexperten die weltweite Wirkung der Bilder wirklich genügend bedacht? Gut, es gibt keine Erfahrung mit einem „Papa emeritus“. Das ist so noch nie da gewesen in der langen Geschichte der Katholischen Kirche. Aber gerade dann muss die Auswahl der Bilder, die man in alle Welt sendet, besonders gut überlegt sein. Werden die beiden Männer in Weiß hier wirklich gut beraten?

Papst Benedikt XVI. hatte bei der Ankündigung seines Rücktritts instinktsicher darauf hingewiesen, dass er seiner Kirche zukünftig nur noch im Gebet und im Verborgen dienen wolle. Das war weise und klug und im Hinblick auf eine moderne digitale Welt, die immer mehr in ihrer selbstgeschaffenen Bilderflut zu ertrinken droht, sehr weitsichtig.

Wenn die Medienverantwortlichen des Vatikans jetzt immer öfter zwei Päpste, beide im weißen päpstlichen Gewand, beide mit weißen Pileolus, beide im gleichen Stuhl ins Bild setzen, möge ihnen der himmlische Vater verzeihen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Die Bilder sind wunderbar, nie zuvor dagewesen, machen Quote - aber sie verweltlichen das päpstliche Amt. Das lebt von seiner Einmaligkeit und Einzigartigkeit. Es mag zwei Stellvertreter eines Bürgermeisters geben - aber doch bitte nicht zwei Stellvertreter Christi auf Erden. Gibt es auch nicht, höre ich die Einwände. In Ordnung, aber dann gehören sie auch nicht so ins Bild gesetzt. Die Macht der Bilder kann in unserer heutigen multimedialen Informations- und Medienwelt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es geht hier nicht darum, dass die beiden ersten Diener Gottes sich nicht treffen oder austauschen dürfen. Es ist wunderbar, wenn der neue Papst seinem Vorgänger im Amt in herzlicher Brüderlichkeit und Hochachtung auf Augenhöhe begegnet, aber davon braucht es keine immer neuen Fernsehbilder, die in alle Welt geschickt werden.

Sind es bald drei Päpste?

Richtig, wir Medienkonsumenten und Medienmacher leben von immer neuen Bildern. Aber in einer Zeit des Bilderüberflusses wäre gerade deshalb die Kirche gut beraten, wenn sie sich bisweilen beschränkt. Erst eine mediale Enthaltsamkeit macht die Dinge heute so unendlich wertvoll, weil sie dann nicht beliebig reproduzierbar sind. Früher wusste die Kirche sehr genau, dass man sich von gewissen Dingen besser kein Bild machten sollte und manche Bilder am besten nur im Herzen bewahrt. Heute aber zerrt sie selbst einen alt gewordenen einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn ins Bild, obwohl der nach eigener Aussage doch eigentlich nur noch ganz im Verborgenen dienen wollte. Man wünscht Benedikt XVI. Berater, die ihm bei diesem Vorsatz wirksamer helfen.

In Medienkreisen wird schon gewitzelt, wenn eines Tages Franziskus aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten müsse, könne man sich auf Bilder mit drei Päpsten ganz in Weiß freuen, und dann habe man doch ein super Bild, was die Dreifaltigkeit Gottes vortrefflich symbolisiere …

Nein, danke! Mir reicht ein Papst! Ich freue mich über immer neue Bilder von Franziskus, wie er auf Augenhöhe in der Begegnung mit immer neuen Menschen die Frohe Botschaft verkündet. Ich freue mich auch über Bilder, die einen betenden Benedikt XVI. zeigen, der als großer Beter vor dem Herrn seiner Kirche dient. Aber bitte keine zwei Päpste im Doppelpack mehr.

Wort des Bischofs

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