28.02.2013

Gemeinsamkeiten, wie es sie mit anderen Religionen nicht gibt Papst Benedikt und das Judentum

Das Verhältnis zwischen Christen und Juden hat in der Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt. Immer wieder gab es Zeiten großer Nähe – immer wieder aber auch Zeiten großer Distanz. Papst Benedikt versuchte stets den Dialog zu intensivieren.

Eines der ersten Schreiben von Benedikt XVI. ging an die jüdische Gemeinde Roms. Er wolle den "Dialog und die Zusammenarbeit mit den Söhnen und Töchtern des jüdischen Volkes fortsetzen und verstärken", versicherte er den Juden seiner Bischofsstadt, als er ihnen seine Wahl ins Papstamt mitteilte. Die Aussöhnung mit dem Judentum hatte für Benedikt XVI. Priorität. Trotz mancher Schwierigkeiten etwa um die Karfreitagsfürbitte oder bei der Affäre um den Traditionalisten-Bischof und Holocaustleugner Richard Williamson intensivierte er den Brückenschlag zu den "Vätern im Glauben". Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und Israel sowie dem Großrabbinat seien nie so gut gewesen wie während Benedikts XVI. Amtszeit, lobte Jerusalems Oberrabbiner Jona Metzger zum Pontifikatsende.

Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeleitete Neuorientierung der katholischen Kirche gegenüber dem Judentum war für Benedikt XVI. unwiderruflich. Als engster theologischer Mitarbeiter von Johannes Paul II. begleitete Joseph Ratzinger dessen Kurs der Aussöhnung und setzte ihn in seinem Pontifikat fort. Aufgrund ihrer gemeinsamen Wurzeln bestehe zwischen Juden und Christen eine "unabdingbare Beziehung", hob der Theologe immer wieder hervor.

Schon bei seiner ersten Auslandsreise zum Weltjugendtag in Köln 2005 setzte er einen Besuch in der dortigen Synagoge auf sein Reiseprogramm. Er bekräftigte dabei die Konzilserklärung "Nostra aetate" von 1965, in der die Kirche alle antijüdischen Positionen aus Lehre und Liturgie gestrichen, den pauschalen Vorwurf des "Gottesmordes" zurückgezogen, alle Formen des Antisemitismus beklagt und den interreligiösen Dialog eingeleitet hatte. Die Erinnerung an die Vergangenheit bleibe für Christen und Juden ein "moralischer Imperativ", sagte er.

Ein Jahr später besuchte Benedikt XVI. in Polen das ehemalige Todeslager von Auschwitz-Birkenau. Die Millionen Opfer der Schoah seien eine ewige Mahnung für die Menschheit gegen das Vergessen, sagte er, und er bekannte sich dabei ausdrücklich zu seiner deutschen Herkunft. Zwei Jahre später ging er in New York erneut in eine Synagoge. Und zu den christlich-jüdischen Höhepunkten zählten 2009 seine Reise nach Israel, der Gang zur Klagemauer und die Ansprache in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Mit Nachdruck erklärte Benedikt XVI., dass der vom Konzil vor 40 Jahren eingeschlagene Weg der Aussöhnung mit dem Judentum unwiderruflich sei. Dieser Dialog müsse weitergehen, der Respekt vertieft werden und die Freundschaft wachsen.

Zur Festigung dieser Freundschaft trugen wesentlich auch die Präfekten des vatikanischen Einheitsrates, die Kardinäle Walter Kasper und Kurt Koch, bei, die in Personalunion die Vatikan-Kommission für die religiöse Beziehung zum Judentum leiten. Die Freundschaft gilt als so stabil, dass selbst die Rücknahme der Exkommunikation für den Holocaustleugner Williamson nicht zum Zerwürfnis mit dem Judentum führte. Der Dialog von Vatikan und jüdischen Organisationen auf den unterschiedlichen Ebenen geht weiter.

Auch wenn der Streit um die vatikanische Archivpraxis oder die Bewertung der Gestalt von Papst Pius XII. (1939-1958) immer wieder für Debatten sorgen, riss der Faden der Gespräche nicht ab. Das ethische Grundgesetz der Zehn Gebote, so der Papst beim Besuch der römischen Synagoge 2010, schaffe eben Gemeinsamkeiten, wie sie es zwischen der katholischen Kirche und anderen Religionen nicht gebe.
 

Johannes Schidelko
(KNA, dr)

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