Rom: Die Stadt bereitet sich vor
Rom: Die Stadt bereitet sich vor
Ingo Brüggenjürgen im Vatikan
Ingo Brüggenjürgen im Vatikan
Dank an Benedikt XVI.
Dank an Benedikt XVI.

27.02.2013

Ingo Brüggenjürgen berichtet aus der Heiligen Stadt Post aus Rom

Die ganze Welt schaut auf Rom, wenn Papst Benedikt XVI. heute seine letzte Generalaudienz hält (live auf domradio,.de ab 10.15 Uhr). domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen ist vor Ort und macht sich so seine Gedanken ...

Rom kommt in diesen Tagen nicht so richtig zur Ruhe. Das erkennt man schon bei der Ankunft am Flughafen Rom-Fiumicino. Gewöhnliche Geschäftsreisende, Touristen, die die preiswerte Nebensaison nutzen, Pilger, Priester, Nonnen, Bischöfe und Kardinäle, die so schnell es geht in den Vatikan wollen und jede Menge Medienleute. Am Meetingpoint werden Schilder wie „ZDF“ hochgehalten – ob ich heute einfach mal einen auf Chefreporter mache und mich auch abholen lasse? ;-) Mit dem Leonardo-Express ist man in einer guten halben Stunde im Zentrum. Und auch hier das gleiche Bild – auf der einen Seite Business as usual – auf der anderen Seite alles ein wenig aufgekratzt. Nach der Wahl, die nichts entschieden hat in Italien, weiß keiner so recht, wie es weiter gehen soll.

Das gilt auch für die Katholische Kirche – eigentlich hat man eine jahrhundertealte Tradition – und dennoch hat der aus dem Amt scheidende Pontifex Maximus noch ein paar Regeln geändert – modifiziert. Aber wann jetzt das Konklave wirklich losgehen soll: Gute Frage. Kirchliche Verantwortliche und Journalisten, die in langen Schlangen auf der Via della Conziliatione auf ihre Akkreditierung warten, diskutieren die immer gleichen Fragen. Dürfen alle 208 Kardinäle im “Vorkonklave“ den Termin festlegen – oder doch nur die wahlberechtigten, die unter 80 Jahren sind und dann auch in die Sixtinische Kapelle zur Wahl einziehen werden? Und welche Untersuchungsergebnisse bleiben geheim – so dass sie nur der Nachfolger Benedikts zu Gesicht bekommen soll? Oder wird der Heilige Vater die drei steinalten Kardinäle, die sich nach Kräften bemüht haben, Licht in Vatileaks zu bringen, vielleicht doch noch von ihrer Schweigepflicht entbinden, damit sie den versammelten Kardinälen berichten können – und ggf. sofort eventuelle schwarze Buben aussortiert werden?

Die Nachricht vom Kardinal O´Brien verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Warum wird der Kardinal aus Edinburgh jetzt doch nicht ins Konklave ziehen? Ist an den Vorwürfen gegen ihn vielleicht doch mehr dran, als er bis dato zugegeben hat? Gerade noch hat er doch der BBC erzählt, wie sehr er sich freue – auf Rom und die Wahl. Jetzt, wo die Vorwürfe von vier Priestern gegen ihn im Raum stehen, will er nicht das Konklave belasten … So, so … Irritiert sind einige Journalisten auch, dass Benedikt XVI. am Ende doch wieder keine ruhige Minute hat – so wie er sich das wohl wünschte. Der Pressesprecher Lombardi hat erklärt, einige Dinge hätten – wegen der auslaufenden Amtszeit des Papstes jetzt doch noch schnell geregelt werden müssen – wie z.B. die Annahme des Amtsverzichtes von Kardinal O´Brien. Aber es gibt auch andere Kardinäle und Bischöfe, die dem Papst den Rücktritt ob ihrer Altersgrenze angeboten haben – und die natürlich im Amt bleiben. Ja – Kirche bewegt sich und andere in diesen Tagen. Bloß wohin ist noch nicht ganz ausgemacht. Hinter den Kulissen feilschen die Kardinäle um ein kleines Zeitfenster, so hört man. Die einen erhoffen sich von einem raschen Start einen Vorteil für ihre Positionen, die anderen hätten lieber ein wenig mehr Ruhe und Vorlauf, um sich in Ruhe über den Kurs der Kirche zu verständigen. Der neue Papst kann für sie ruhig noch ein wenig warten…

Die Profikletterer, die in schwindelerregender Höhe vor dem Petersplatz Mobilfunkmasten mit Empfängern installieren, haben keine ruhige Minute. Sie müssen für die 250.000 Pilger, die erwartet werden, noch die nötige Technik installieren. Bei der letzten Generalaudienz von Benedikt XVI. darf und soll nichts schief gehen. Jedes Radio und TV-Team soll schöne Bilder bekommen und jeder Pilger guten Handyempfang, damit auch die Pilger ihre Fotos schnell in die sozialen Netzwerke stellen können …

Zollitsch spricht

Netzwerke werden auch am Abend auf der Dachterrasse des Gästehauses der Deutschen Bischofskonferenz geknüpft. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch redet und dankt dem deutschen Papst ausdauernd. Die Arme der armen Mikrofonhalter werden lang und länger. Und dann kommt doch noch ein toller O-Ton: Auf die Frage, was denn die deutschen Bischöfe dem Papst zum Abschied schenken würden. “Also das haben wir uns auch gefragt: Was schenkt man einem alten Mann, der schon alles hat?“ lächelt Zollitsch in Kameras und Mikrophone, „wir schenken im Gottesdienste und unser Gebet und unsere Solidarität als Dank!“

Freuen darf der Heilige Vater sich auch über neue Titel, die er ab Donnerstagabend 20 Uhr bekommen wird: „Emeritierter Papst, oder emeritierter römischer Pontifex. Auch die Farbe weiß behält er – wenn auch nur in schlichter Form … Einige anwesende Theologen grübeln und fragen sich auf der schönen Dachterrasse im Mondschein vor dem Petersdom, ob Benedikt damit wirklich gut gedient ist. Zukünftig gibt es also zwei Päpste – einen amtierenden und einen emeritierten. Anreden darf man beide mit „Seine Heiligkeit“. Tja – früher gab es ja manchmal sogar drei und mehr Päpste, aber so recht anfreunden mag man sich mit den neuen Titeln für Benedikt XVI. noch nicht. Und auch auf die Frage, ob er den “Alt-Papst“ (das darf man dann wieder nicht schreiben, so hat man es mir gesagt), also den emeritierten Papst denn noch später besuchen werde, wenn er von der “Welt verborgen ist“ und “oben auf dem Berg ist“ (beides Worte des Noch-Papstes, ich hoffe, das darf man noch  schreiben …), weiß der Steuermann der Deutschen Bischöfe eine kluge kurze Antwort: “Ich werde schon einen Weg finden …“ Dann hoffen wir mal, dass auch die Katholische Kirche im Jahr des Herrn 2013 einen Weg finden wird, in diesen unruhigen Zeiten in der ewigen Stadt.

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