150.000 werden zum Abschied erwartet
150.000 werden zum Abschied erwartet

20.02.2013

Italien stellt sich auf ein Leben mit Papst im Ruhestand ein Abschied auf Raten

Eine Woche nach dem Überraschungscoup von Benedikt XVI. geht das Leben in Italien fast seinen üblichen Gang. Der Papst hat sich zu Beginn der Fastenzeit zurückgezogen, es entfällt die heutige Generalaudienz.

Die Nachrichten befassen sich mit den bevorstehenden Parlamentswahlen, mit dem Justizdrama um den Athleten Oscar Pistorius und der Nachlese zum Schlagerfestival von Sanremo. Während Mutmaßungen zur Papstwahl im Innenteil der Zeitungen weiterköcheln, tut der Amtsinhaber schon einmal das, was er auch nach dem 28. Februar zu tun angekündigt an: Er betet.

Vorerst keine öffentlichen Termine

Seit Sonntagabend hat sich der fast 86-Jährige zu den Einkehrtagen zurückgezogen, mit denen die Kurie im Vatikan traditionell die Fastenzeit beginnt. Bis Samstag sind alle öffentlichen Termine abgesagt, auch die Generalaudienz am Mittwoch. Die Gelegenheiten, bei denen er noch als Kirchenoberhaupt in Erscheinung tritt, sind gezählt. Es ist ein Abschied auf Raten.

Unterdessen arbeitet die Kurie, arbeiten Italiens Kirchenführer am künftigen Profil eines Papstes, der nicht mehr Papst sein will. Hatte Mailands Kardinal Angelo Scola (71) die Nachricht vom Rücktritt erst noch als "Fausthieb in den Magen" beschrieben, so rühmt Angelo Comastri (69), Kardinalvikar für den Vatikanstaat, Benedikt XVI. am Montag als Beispiel für die Machtverbissenen dieser Welt: "Er hat dem Stolz aller einen Dämpfer versetzt."

Mosesvergleich

Auch Kurienkardinal Gianfranco Ravasi (70) versucht das Geschehene zu deuten. Er hält die täglichen Meditationen für den Papst und die Kurie. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe. Es ist zugleich eine Gelegenheit, sich als kluger Theologe und Deuter der Zeichen der Zeit zu empfehlen. Ravasi, Präsident des päpstlichen Kulturrates, liebt das intellektuelle Brillieren. Manche halten ihn für den künftigen Papst. Und er verglich Benedikt XVI. mit Moses.

Das hatte auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) getan, als er nach der Aschermittwochsmesse Benedikt XVI. als den Mittler pries, der auf den "Berg der Begegnung" mit Gott steigt und "Strahlen der Wahrheit" auf die Menschen herabkommen lässt. So ein Byzantinismus ist Ravasis Sache nicht. Aber auch sein Vergleich hat es in sich.

Er knüpfte an die Erzählung von der Schlacht Israels gegen das Volk Amalek an: Moses, so berichtet das Buch Exodus, verfolgte das Treffen von einem Hügel aus. Solange er betend die Hände erhoben hatte, obsiegte Israel; ließ er sie sinken, wurde Amalek stärker.

Bittend für die Kirche eintreten

Benedikts XVI. künftige Rolle werde sein, von seinem Alterssitz hinter dem Petersdom wie Moses bittend für seine Kirche einzutreten, so Ravasi. Die Höhen des Vatikan als Feldherrnhügel der streitenden Kirche.

"Wir bleiben im Tal, wo Amalek ist, wo Staub, Ängste, auch Schrecken und Alpträume sind, aber auch Hoffnung", deutete Ravasi aus. "Aber von jetzt an wissen wir, dass auf dem Berg Ihre Fürbitte für uns ist." Die Bibel berichtet, dass dem Moses seinerzeit Josua und Hur zu Hilfe kamen, als er schwach wurde. Vielleicht, so Ravasi, werde auch «mancher von uns» ab und zu dort hinaufsteigen, um Benedikt XVI. die Arme zu stützen.

Viele mutmaßen derzeit, wie sich der Kontakt zur päpstlichen Eremitage künftig gestaltet. Genau solche Spekulationen will der Vatikan niederhalten. Ravasi sagt es deutlich: Die Fastenmeditationen sollten die Seele "vom Schlamm der Sünde, dem Sand der Banalität und den Nesseln des Geschwätzes befreien, das uns gerade in diesen Tagen unaufhörlich in den Ohren liegt." Man will keine Führungsdebatte, keine Schlagzeilen über Gerangel hinter den Kulissen, nicht die alten Gespenster von "Vatileaks". Man will sich sortieren. Und irgendwann wieder das tun, was eine weltliche Regierung als Realpolitik bezeichnen würde. Manche trauen das niemandem besser zu als Benedikt XVI. selbst.

Mitglieder der katholischen Bewegung "Militia Christi" kamen deswegen am Sonntag zum Mittagsgebet auf den Petersplatz, eine kleine Schar unter insgesamt 50.000. Sie riefen und winkten zum Fenster des päpstlichen Arbeitszimmers hinauf und hielten ein Transparent in die Höhe: "Du bist Petrus. Bleib!" - "Wir hoffen", sagte ein Sprecher, "dass der Papst es sich bis 20.00 Uhr am 28. Februar noch einmal überlegt und die Kirche weiterleitet."

Burkhard Jürgens
(KNA)

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