12.02.2013

Rom nach der Rücktrittsankündigung des Papstes "Ungläubig, stolz, respektvoll"

Bernd Hagenkord ist Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan in Rom. Im domradio.de-Interview spricht er über die aktuelle Lage in Rom, die Spekulationen um einen Papstnachfolger und die Zukunft Benedikts XVI.

domradio.de: Wie sehr hat der Papst-Rücktritt den Alltag in Rom durcheinander geworfen?

Hagenkord: Erst mal gar nicht. Es gab keine Menschenmassen auf dem Petersplatz, es gab keine Staus - eigentlich geht alles seinen geregelten Gang. Man weiß einfach noch nicht so recht, wie man mit der Situation umgehen soll. Wir haben ja noch einen Papst. Und 16 Tage Pontifikat hat der noch vor sich. Gegen Ende des Monats wird sich die Lage sicher ändern, dann wenn feststeht, was genau, wann passiert. Aber im Augenblick: ungläubiges, ein bisschen stolzes und sehr respektvolles Verhalten hier in Rom.

domradio.de: Viele waren vom Rücktritt überrascht. War wirklich vorher nichts durchgesickert?

Hagenkord: Nein, wir haben von nichts gewusst. Ich nehme an, es hat einen kleinen Kreis Eingeweihter gegeben. Den muss es ja auch geben, solche Dinge müssen ja geplant werden. Wir hatten sofort Übersetzungen des Textes, also wussten zumindest am Tag selber schon vorher einige Bescheid. Das war eine gelungene Mischung aus heiterem Himmel des Papstes.

domradio.de: Wie schwer ist Benedikt seine Arbeit zuletzt gefallen?

Hagenkord: Sehr schwer, das kann man auch der Mitteilung entnehmen. Er ist ja keiner, der sich die Arbeit so aussucht, wie er sie gerne hat. Er tut das, von dem er meint, was für das Papsttum wichtig ist - auch Dinge, die ihm so nicht liegen oder schwerfallen. Das Reisen etwa. Der Besuch Mexikos beispielsweise hat ihm sicherlich stark zugesetzt. Hinzu kommen die persönlichen Belastungen. Das letzte Jahr war ja nun wirklich kein Zuckerschlecken für den Papst: Wenn jemand aus der engsten Umgebung Verrat übt, steckt das niemand so leicht weg, auch niemand der 50 oder jünger ist. Das hat alles Kraft gekostet. Das hat ihn alles sehr, sehr stark mitgenommen.

domradio.de: Die Spekulationen über einen möglichen Nachfolger laufen bereits. Gibt es einen Favoriten?

Hagenkord: Das ist das Lieblingsspiel der Journalisten. Aber ich sehe keinen Favoriten. So eine Figur wie Ratzinger damals, der lange die Geschicke der Kirche mitbestimmt hatte, gibt es im Augenblick nicht. Weder intellektuell noch von der Zeitdauer her. Die Kardinäle werden sich zusammensetzen und dann erst mal kennen lernen müssen. Benedikt XVI. hat ja sehr viele neue geschaffen. Sie werden sich darüber unterhalten müssen, was sie eigentlich für die Kirche brauchen und wer das Amt ausüben kann. Und dann werden sie wählen. Die aktuellen Diskussionen halte ich deshalb für Nebelstecherei.

domradio.de: Benedikt XVI. will sich in ein Kloster im Vatikan zurückziehen. Wie groß ist die Gefahr, dass künftig zwei Päpste regieren?

Hagenkord: Regieren? Diese Gefahr tendiert gegen null. Papst Benedikt zieht sich zurück, weil er körperlich nicht mehr kann. D.h. auch, dass er die Konsequenzen akzeptiert. Und die Konsequenz heißt, dass er nichts mehr machen kann, was gegen seinen Nachfolger ausgespielt werden können. Und wir kennen die Medien: Alles würde gegen seinen Nachfolger ausgespielt. Deshalb wird er sich wohl auch nicht mehr öffentlich äußern.

Das Gespräch führte Christian Schlegel.

(dr)

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