Konklave 2005
Konklave 2005

12.02.2013

Italiener wollen nach zwei "Ausländern" wieder einen der ihren 117 Wähler - 117 Kandidaten

De facto dürfte der Nachfolger von Benedikt XVI. aus dem Kreis jener Kardinäle kommen, die ab dem 15. März zum Konklave zusammentreten. Und das sind die voraussichtlich 117 Purpurträger, die zu Beginn der Sedisvakanz am 28. Februar das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Da diesmal nicht ein Papsttod frühzeitige Spekulationen pietätlos erscheinen lässt, tauchen bereits in den ersten Stunden nach der Rücktrittsankündigung die Namen möglicher, aber auch mancher unwahrscheinlicher Kandidaten auf. Die 117 Wahlmänner kommen aus 50 Ländern; erforderlich für die Papstwahl ist eine Zweidrittelmehrheit. Europa stellt mit 61 Kardinälen knapp die absolute Mehrheit der Konklave-Teilnehmer. Die zweitgrößte Gruppe bilden die Lateinamerikaner (19), gefolgt von den Nordamerikanern (14). Aus Afrika und Asien kommen jeweils elf und aus Ozeanien kommt ein Wahlberechtigter. Der älteste Wähler ist Walter Kasper, der fünf Tage nach Sedisvakanz-Beginn 80 wird, jüngster - mit 53 Jahren - der Inder Baselios Cleemis Thottunkal.

Wie in der Vergangenheit bilden auch bei der Wahl des 266. Nachfolgers Petri die Italiener (28) die größte Landsmannschaft. Es folgen die USA (11) und danach bereits die sechs Deutschen. Für sie ziehen die Kurienkardinäle Walter Kasper (80) und Paul Josef Cordes (78), sowie die Diözesanbischöfe Joachim Meisner (79), Karl Lehmann (76), Reinhard Marx (59) und Rainer Maria Woelki (56) ins Konklave ein. Stark vertreten mit jeweils fünf Kardinälen sind auch die Spanier, Brasilianer und Inder. Je vier Konklave-Teilnehmer kommen aus Polen und Frankreich, jeweils drei stammen aus Kanada und Mexiko, und mit zwei Papstwählern sind Portugal, Argentinien und Nigeria vertreten.

Erste Spekulationen

Noch gibt es keinerlei Erkenntnisse, nach welchen Kriterien die Kardinäle den neuen Papst wählen wollen. Freilich dürften nach Benedikt XVI., der mit 78 Jahren sein Amt trat und sich gegen Ende des 86. Lebensjahres der Bürde nicht mehr gewachsen fühlte, Alter, physische Kräfte und Belastbarkeit eine Rolle spielen. Hinzu kommen neben theologischer Bildung, pastoraler Erfahrung und internationalen Sprachkenntnissen - ein Handicap vor allem für viele Italiener - auch Managerqualitäten für die Leitung der Kirchenverwaltung. Das könnte für einen Kandidaten um die 70 sprechen, wie etwa der Kölner Kardinal Meisner betonte. Da 67, also die Mehrheit der 117 Wahlmänner von Benedikt XVI. ins Heilige Kollegium berufen wurde, könnte man daraus eher auf Kontinuität als auf einen abrupten Kurswechsel schließen.

Wäre es nicht an der Zeit für einen afrikanischen oder asiatischen Papst, wird in die Rom laut überlegt. Oder für einen Lateinamerikaner? Dagegen reklamieren italienische Kommentatoren, nach einem Polen und einem Deutschen sollte der nächste Papst wieder aus ihrem Land kommen - zumal Italiener wohl am besten mit dem Kurienapparat umgehen könnten. Häufig taucht der Name des Mailänder Erzbischofs Angelo Scola (71) auf. Aber auch sein Landsmann Gianfranco Ravasi (70), der umtriebige vatikanische Kulturminister, wird genannt.

Als papabel gelten weiter die Kurienkardinäle Marc Ouellet (68, Bischofskongregation, Kanadier) und Leonardo Sandri (69, Ostkirchenkongregation, Italo-Argentinier) genannt. Gegen den ebenfalls erwähnten Franzosen Jean-Louis Tauran (69) könnten gesundheitliche Gründe sprechen. Dann taucht der konservative und in seiner Heimat sehr politisch agierende New Yorker Kardinal Timothy Dolan (63) auf.

Unter den Lateinamerikanern scheinen, wenn man italienischen Medien glauben will, fast alle papabel. Das soll vor allem für den Argentinier Jorge Bergoglio (76) gelten, der beim letzten Konklave der «Gegenkandidat» von Joseph Ratzinger war - oder für Oscar Rodriguez Maradiaga (70) aus Honduras, der ebenfalls schon 2005 im Gespräch war. Aus Afrika werden die Kurialen Peter Kodwo Appiah Turkson (64) und Francis Arinze genannt, dessen Wahl aber aufgrund seiner 80 Jahre wenig wahrscheinlich ist.

Die Rolle der Kurienkardinäle

Eine besondere Rolle bei der Papstwahl dürfte den Kurienkardinälen zukommen. Sie sind die erste Anlaufstelle für die viele Konklave-Teilnehmer aus der Weltkirche, die nach Rom kommen und nicht alle mit den Mechanismen der Kirchenzentrale vertraut sind.

Allerdings werden sich die Wahlmänner erst im Verlauf der täglichen Generalkongregationen, die ab Anfang März dem Konklave vorausgehen, näher kennenlernen. Dort werden sich die Kriterien herausbilden, welche Eigenschaften und Fähigkeiten der nächste Papst haben sollte - und wer für die Leitung der 1,2 Milliarden Katholiken in Frage kommt.

Deutsche Bischöfe wünschen sich Kontinuität

Deutsche katholische Bischöfe hoffen, dass das nächste Kirchenoberhaupt in der Tradition seiner Vorgänger stehen wird. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte der Tageszeitung «Die Welt», wichtig sei, dass der neue heilige Vater seinen Dienst in der Kontinuität von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. sehe. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner wünscht sich einen Amtsträger von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger und mit großer menschlicher Erfahrung. Eine Mischung aus Benedikt XVI. und Johannes Paul II. "wäre nicht schlecht", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger: "Die beiden haben sich herrlich ergänzt." Wichtig sei aber auch, dass der neue Papst von vitaler Gesundheit sei: "Nicht älter als 70 würde ich sagen."

Der katholische Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki reagierte mit Zurückhaltung auf Forderungen nach einem jüngeren Papst. Er glaube, dass es gar nicht verkehrt sei, wenn der Papst etwas älter ist, sagte Woelki im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Woelki, der mit 56 Jahren zu den weltweit jüngsten Kardinälen zählt, nannte ein Alter von "Mitte 60, Anfang 70 oder Ende 60".

Der Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Günther Beckstein, erhofft sich vom nächsten Papst Forschritte in der Ökumene. Ihn habe gestört, dass Benedikt XVI. in der Ökumene-Frage die erzkonservativen Piusbrüder offenbar wichtiger waren als die Protestanten, sagte Beckstein dem epd. Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer sagte, Benedikt XVI. werde "vor allem als Papst der Stillstands-Ökumene in die Geschichte eingehen".

Johannes Schidelko
(KNA)

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